Lyrikkalender: September 2013

Niemandsweg

Unaufhaltsam weitergeh’n
Nach vorne, nicht zurück
Der Weg, der dunkel vor mir liegt,
Ich wünscht‘, ich könnt‘ ihn seh’n.

Langsam, langsam, viel zu schnell
– war’n Blätter grad noch grün –
Nimmt gelb und rot jetzt Überhand
Der Welt wächst Winterfell

Was ich jetzt fühle, weiß ich nicht
Der Weg durchs Niemandsland
Wenngleich er kalte Tage kreuzt
Führt er doch auch durchs Licht.

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Wieso denn eigentlich Lehramt?

Auf der Suche nach einem aussagekräftigen Blogtitel, der im Idealfall auch noch zu mir passen sollte, habe ich mir regelrecht den Kopf zerbrochen. Kreativ sollte er sein, vor der Steinküste Irlands gut aussehen, und vielleicht auch noch einen kleinen Untertitel möglich machen.

Die aktuelle Version schoss mir durch den Kopf, als ich mit jemandem – ich glaube, es war mein Optiker! – über mein Studium sprach. Und als sich das Gespräch am Ostersonntag beim Nachbarschaftsgrillen in ähnlicher Weise wiederholte, fand ich es an der Zeit, die Entstehung des Titels auch hier einmal anzusprechen.

Das übliche Gespräch mit Fremden läuft nämlich folgendermaßen ab:

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Gefühlschaos

Dieses „Ich zieh in meine Unistadt“-Ding wirft seine Schatten voraus. Ich bin ohnehin nah am Wasser gebaut (manche Leute meinen, ist doch toll, denn auf die Tränendrüse drücken fällt mir ziemlich leicht – ist aber nicht toll, ist nervig und anstrengend) und das tritt seit gestern vermehrt zutage.

Der Freund hat das Bruderherz und mich heute Morgen zur Ostervorbereitung begleitet und ist danach wieder nach Hause gefahren. Eigentlich wollte ich ihm ganz ruhig sagen, dass ich es voll daneben finde, ihn so wenig zu sehen und dass das Wochenende, das wir gemeinsam hatten verbringen wollen, nun doch erheblich kleiner geworden ist. Der gemeinsame Teil jedenfalls.
Aber nicht einmal das konnte ich, ohne fast die Fassung zu verlieren, weshalb ich ihn dann einfach hab fahren lassen. Soll er doch, auch egal.

Als dann allerdings zwischen Mama Belle und dem Brüderchen die Diskussionen losgingen, was mit meinem Zimmer passiert, wenn ich ausgezogen bin, war es mit meiner Contenance recht schnell wieder vorbei. Wie die Aasgeier!
Nein, das ist jetzt zu gemein, ich kanns ja verstehen. Ich bewohne zur Zeit das größte Zimmer in diesem Haus und dass das, wenn ich dann ausziehe, nicht leer stehen soll, das ist ja klar. Und das Bruderherz ist da eh schon lange scharf drauf. Aber ich will eigentlich in meinem Zuhause nicht nur irgendein Zimmer haben, irgendein Bett, in dem ich dann schlafen kann wenn ich mal hier bin, ich möchte gern mein Zimmer behalten. Das Zimmer, in dem ich die letzten vier Jahre verbracht habe und in dem eine ganze Menge Erinnerungen stecken. Und mein Bett!
Da ich – wie auch wir alle – schon ewige Zeiten ein Wasserbett habe, ist das nicht so einfach mal eben abgebaut. Es wird mich deshalb in die Studentenbude erstmal nicht begleiten und das Bruderherz hätte es gerne. Kann ich auch verstehen, ich würde es auch haben wollen, wenn es nicht eh meins wäre. Aber bitte, hier auf einem 90-cm-Bett zu schlafen, wenn ich mal nach Hause komme? Nein, danke. Echt nicht. Ich glaube, da würde ich im Zweifelsfall eher wieder in die Unistadt fahren statt hier zu übernachten. Und zu zweit in einem kleinen Bett ist auch mehr als unschön. Diese Option ist in meinen Augen eigentlich keine.

Nach einem Tränenausbruch, der sich (und dabei habe ich mir echt Mühe gegeben) nicht mehr als Allergieschub tarnen ließ, ist die vorläufige Variante nun, dass das Bruderherz zwar in meinem Zimmer schlafen, nicht jedoch die Dekoration und alles andere im Zimmer an seine Vorlieben anpassen wird. Damit können wir, so glaube ich, beide erstmal leben.
Ihm geht das natürlich nicht schnell genug, er hätte dieses Zimmer lieber gestern als heute als sein eigenes, aber damit kommt er schon klar. Ich kann, will und werde auch nicht alles aus diesem Zimmer mitnehmen. Alleine, weil mein Zimmer hier um einiges größer ist als das WG-Zimmer, und außerdem, weil ich in unbändiger Sammelwut ziemlich wenig wegwerfe. Ich habe jetzt noch Abläufe von Konzerten, Gottesdiensten oder Theaterstücken, die sieben Jahre her sind. Könnte man ja vielleicht mal wieder brauchen, wer weiß…

Ich bräuchte mehr als nur einen Kleinlaster, um alles mitzunehmen, was hier in den Ecken lagert, und lieber wäre es mir, mit weniger dort anzufangen.

Nebenbei ist irgendwo tief in mir aber auch ein gutes Stück Vorfreude, das sich leider nur hin und wieder mal um die Ecke traut. Das sagt „Du schafft das schon, und das wird super!“

Nun gut, es ist jetzt fix, die kleine Belle zieht zuhause aus. Man wird sehen, wie das noch wird – meine Gefühle dazu sind noch sehr widersprüchlich. Aber wird bestimmt gut.

Nägel mit Köpfen

Tja, nun sitze ich hier und könnte tatsächlich umziehen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich gleich bei der ersten WG, die ich mir überhaupt anschaue, eine Zusage bekommen würde, aber so war es. Und was mach ich jetzt?

Einerseits geht mir das jetzt irgendwie alles zu schnell. Dieses Zimmer wird zum ersten Mai frei, und gefühlt ist das schon morgen. Da denke ich… nein! Halt! Stopp! Ich mag noch nicht!
Dazu kommt, dass auch mein Vater zum ersten Mai umziehen wird und das vielleicht dann doch viel auf einmal ist.

Auf der anderen Seite sind das – glaube ich – mehr Ausreden als alles andere. Die Mitbewohnerin ist super, die Wohnung ist hell und freundlich und hat eine Fußbodenheizung (die habe ich in meinem Elternhaus auch, und dachte schon, dass ich sie in der Studentenbude schmerzlich vermissen werde), und die Mitbewohnerin hat sogar ein Klavier da stehen, das ich bespielen darf!
Der Freund ist dafür, das Bruderherz sowieso, und selbst Mama Belle, die mich ja eigentlich gar nicht so richtig gehen lassen will, hat sich klar dafür ausgesprochen.

Eigentlich schreit die Wohnung nach mir. Und eigentlich habe ich, nachdem ich sie mir gestern angeschaut habe, auch Lust drauf.

Aber irgendetwas in mir zögert noch…

Kinder, Kinder…

Eigentlich wollte ich diesen Text damit beginnen, dass ich ein Osterkind bin. Als ich aber über dieses Wort nachdachte, und über das, was ich damit sagen will, stellte ich fest: Ich bin gar kein Osterkind. Ich bin nur ausgesprochen begeisterungsfähig, und das mit sehr viel Elan und Durchhaltevermögen. Und beides tritt an zwei Terminen im Jahr besonders zutage, nämlich an Ostern und an Weihnachten. Fragt man mich also im Dezember, so würde ich ohne zu zögern behaupten, ich sei ein Weihnachtskind.
Wie es zu dieser konkreten Bezeichnung kam, ist mir gar nicht klar, aber ich tippe, dass Rolf Zuckowski mit seinen „Winterkindern“ auch hier seine Finger im Spiel hatte.

Man könnte jetzt denken, ich sei nur hoffnungslos geschenkeversessen und hätte deswegen so eine Vorliebe für Weihnachten und Ostern –  stimmt aber gar nicht. Ich würde Weihnachten auch lieben, wenn es weniger oder keine Geschenke gebe, und die Tradition mit den dicken Ostergeschenken ist an meiner Familie ohnehin vorbei gegangen.

Was es viel mehr sein könnte: Sowohl zu Weihnachten als auch zu Ostern sind bei uns in der Gemeinde die Kinder ganz besonders eingebunden. Zu Weihnachten üben wir mit ihnen ein Krippenspiel ein und zu Ostern „verstecken“ wir kleine Körbe mit Eiern und Schokolade. Die Anführungszeichen um „verstecken“ sind dem begrenzten Gelände geschuldet – es sind vielleicht die ersten zwanzig Körbchen, deren Unterbringung tatsächlich das Wort „Versteck“ rechtfertigt. Die folgenden vierzig werden fast gar nicht gut sichtbar (siehe Foto) auf Autos gestellt, an Äste gehängt oder optimistisch zwischen Osterglocken platziert. Dazu fällt mir ein – gibt es dieses Jahr zu Ostern wohl überhaupt noch Osterglocken?

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Ich sollte mich an dieser Stelle outen: Ich bin nicht nur ein Oster-/Weihnachts-/Wasauchimmer-Kind, ich bin auch ein Kind, das in die Kirche geht (natürlich in die Kinderkirche). Freiwillig, regelmäßig und gerne, und seit inzwischen fast achtzehn Jahren. Zuerst mit meinen Eltern, später alleine, noch später mit dem Bruderherz; zwischendurch zwei Jahre nicht, als Katechumenin/Konfirmandin muss man sich dann doch in der „großen“ Kirche blicken lassen, und nun seit gut sechseinhalb Jahren als Helferin. Ich liebe die anderen Helfer (fast alle jedenfalls), ich liebe die Kinder, die jeden Sonntag kommen und am allermeisten liebe ich die strahlenden Gesichter. Die strahlenden Gesichter zu Ostern und zu Weihnachten, wenn man endlich raus darf zum Körbchen suchen, oder eben, wenn das Krippenspiel geschafft und alle stolz wie Oskar sind.

Auch nicht unwichtig ist die Tatsache, dass sowohl Weihnachten als auch Ostern bei uns Familienfeste sind. Die Tage im Jahr, wo man zuverlässig alle Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins mütterlicherseits und Oma trifft. Da ich ein Familienmensch durch und durch bin, freue ich mich auch darauf immer wie blöd.

Und das werde ich jetzt auch fortführen: spüren, wie die Vorfreudeschmetterlinge im Bauch tanzen, und auf gutes Wetter am Osterwochenende hoffen.

Irgendwie anders

Der heutige Tag war irgendwie anders, anders jedenfalls als ich ihn geplant hatte.

Geschlafen hatte ich ohnehin schon äußerst wenig und auch heute morgen fühlte ich mich, als würde ich geradewegs in eine dicke, fette Grippe schlittern. Das ist aber nun überhaupt nicht der Plan und passt mir in die Planung gar nicht rein. Es ist doch bald Ostern!
Ich entschloss mich also, nach einem Blick auf den Vorlesungsplan, zuhause zu bleiben. Ich hätte sonst einen langen Tag vor mir gehabt, der zwar körperlich ausgesprochen anstrengend, jedoch was den Lernerfolg angeht relativ wenig effektiv gewesen wäre. Das lag zum einen an mangelnder Aufnahmefähigkeit meinerseits, aber auch daran, dass man Mathe nicht während der Vorlesung versteht. Man versteht das, wenn man nachher zuhause sitzt, am Schreibtisch, und die Vorlesungsunterlagen durcharbeitet, aber nur einige wenige kommen schon in der Vorlesung damit zurecht.

Ich bat daher die WiWi-Kommilitonen, zwei Mathestudenten, die wie ich Wirtschaftswissenschaften als Nebenfach haben, mir die Vorlesungsunterlagen von heute zukommen zu lassen, und legte mich wieder ins Bett.

Was macht man nun mit so viel (ungeplant) freier Zeit? Ich hätte immerhin von neun bis achtzehn Uhr heute in der Uni gesessen und wäre deswegen voraussichtlich von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends außer Haus gewesen (an dieser Stelle wird ein Grund deutlich, warum ich gerne in die Unistadt ziehen möchte: Vorlesung bis sechs, und wegen der katastrophalen Bus- und Zugverbindung erst zwei Stunden später zuhause. Das ist eine Strecke, für die man mit dem Auto eine gute halbe Stunde braucht).

Effektivität lautet das Zauberwort. Ich habe Vorlesungen vor- und nachbereitet, meinen Stundenplan fürs kommende Semester endlich endgültig fertig gestellt, und ich bin sogar schon fast mit den Hausaufgaben fertig. In einem Fach jedenfalls. Das ist ansich schon ein durchschlagender Erfolg und vielleicht werde ich heute Abend tatsächlich mit dem Gefühl ins Bett gehen, etwas geschafft zu haben.

Dazu kommt noch, dass es mir im Laufe des Tages immer besser ging und ich mir inzwischen ziemlich sicher bin, dass das mit dem Zuhausebleiben die richtige Entscheidung war. Ich bin weder besonders wehleidig noch bleibe ich gerne oder viel im Bett liegen – ganz im Gegenteil, lange herumzuliegen und nichts zu tun macht mich ganz hibbelig -, aber ich bekämpfe solche Anflüge lieber sofort und an einem Tag, an dem mein Fehlen nicht ganz so problematisch ist, als dass ich zur Uni gehe, nach einem langen anstrengenden Tag noch Hausaufgaben machen muss, und dann am nächsten Tag komplett darnieder liege. Das bringt ja nun auch niemandem etwas.

Und ich stehe auch über all den Sprüchen, die man zu hören bekommt, die Sätze und Einstellungen enthalten wie „Jaja, die Studenten, immer nur Nichtstun und wir müssen dafür bezahlen“. Stimmt nämlich überhaupt nicht!
Ich jedenfalls, ich bin weit entfernt vom Nichtstun. Ich bin froh, wenn ich in den Semesterferien mal zum Nichtstun komme. Seit locker acht Monaten will ich die Berlinerin in Berlin und den Kumpel in Mannheim besuchen, und meint hier irgendjemand, dass das bisher mal geklappt hätte? Nein!
Aber wir studieren ja alle noch ein bisschen und ich bin zuversichtlich, dass ich auch noch nach Berlin und Mannheim kommen werde. Und auch in all die anderen schönen Städte, in die es meine Freunde vielleicht nach ihren Auslandsaufenthalten verschlagen wird.

Überhaupt, die Zuversicht: nachdem ich am Sonntagabend einen vor Frustration und schlechter Laune nur so triefenden Text geschrieben habe, bin ich froh, dass nun trotz grauer Wolken der Optimismus wieder Einzug gehalten hat. Normalerweise bin ich nämlich nahezu zwanghaft optimistisch und zuversichtlich, bis wirklich gar nichts mehr zu retten ist. Darunter haben alle meine Kommilitonen zu leiden, aber es muss doch auch jemanden geben, der allen Widrigkeiten und störenden Tutoren/Dozenten/wissenschaftlichen Mitarbeitern zum Trotz die gute Laune behält und nicht durchdreht.
Sehr passend dazu konnte sich die Sonne bei meinen letzten Worten dazu durchringen noch ein paar Strahlen durch die ansonsten ziemlich dicken, grauen Wolken heute zu schicken:

Blick aus dem Fenster - wo kommen die Schatten plötzlich her, scheint etwa die Sonne?!

Blick aus dem Fenster – wo kommen die Schatten plötzlich her, scheint etwa die Sonne?!

Aber sie ist inzwischen auch schon wieder weg.

Meine gute Laune hingegen bleibt, morgen früh werde ich noch vor der Uni mit dem Kumpel frühstücken gehen und von seinen neuesten Eroberungen und Beziehungsproblemchen hören dürfen.

Ich wünsche eine schöne Restwoche – bedenkt man, dass der Freitag ein Feiertag ist, dann ist ja die Hälfte der Woche auch schon rum – und hoffe jetzt schon auf sonnige Ostertage!

Wieso einfach, wenns auch kompliziert geht?

Alles wollen irgendetwas.

Die Kommilitonen erwarten, dass man sich bei den Übungen blicken lässt (besser ist das auch, nicht zu leugnen – aber wieso muss die Übung ausgerechnet an meinem eigentlich freien Tag sein?), Freunde erwarten, dass man spontan Zeit für sie hat (ja, ich weiß, du bist nur dieses Wochenende mal hier und sonst immer in deiner Unistadt), Familie erwartet generell Anwesenheit (was denn, für so ein kleines Frühstück wird doch Zeit sein!).
Eigentlich möchte ich aber zuhause bleiben, alleine, in meinem Zimmer. Das Wochenende war anstrengend, ich bin angestrengt, und ich hätte jetzt erstmal genug. Einmal kurz Pause, bitte.

Ich merke, wie ich dünnhäutiger werde und es mir schwerfällt, Ruhe zu bewahren und auch noch Frustration und schlechte Laune meiner Mitmenschen aufzufangen. Und ich frage mich – muss ich das überhaupt? Ist das mein Job? Mieses Karma vielleicht, oder einfach Pech gehabt.

Eigentlich sollte ich ins Bett gehen und schlafen, aber wenn ich schlafen gehe, dann ist viel zu schnell morgen früh und dann weiß ich immer noch nicht, ob ich nun zur Uni fahren soll oder nicht. Wieso sagt mir das nicht einfach einer? Und wer kauft jetzt ein Geburtstagsgeschenk für Opa?

So viel zum heutigen Tag. Ist doch Mist, das hier so. Ich versuchs morgen nochmal, dann mit besserer Laune!

Wird schon werden #2

Eine zweite Woche ist vergangen, in der ich (trotz Uni!) fast jeden Morgen dieses blöde BBP-Cardio-Workout gemacht habe. Das aufgesetzt motivierende und viel zu gut gelaunte Gerede der Vorturn-Tante geht mir fürchterlich auf den Keks und gerne mach ich das Ganze nun auch irgendwie nicht.

Ein Freund behauptete kürzlich auf meine Nachfrage, ja, Sport mache irgendwann auch Spaß. Da dieser Freund allerdings freiwillig Marathons läuft, ist das wahrscheinlich genau so glaubwürdig wie mein „Mathe ist doch voll super!“ den Nachhilfeschülern gegenüber. Also leiden wir mal weiter.

Gespart habe ich mir die Geschichte nur am Donnerstagmorgen, nachdem ich Mittwochnacht nach dem Konzert unter Reisetabletteneinfluss (ist das normal, dass die einen so wahnsinnig aus dem Leben kicken?) quasi scheintot ins Bett gefallen bin. Im Großen und Ganzen bisher aber erfolgreich. Ich habe sogar das Gefühl, dass da irgendwo in meinen Muskeln was wächst, sicher bin ich aber nicht… Ich werde das weiter beobachten und berichten.

Und nun fahre ich den Freund besuchen. Der scheucht seine Fußball-Kinder über den Sportplatz, ich werde Cookies mitbringen.

Nachtrag: nicht nur die Kinder, auch ich wurde über den Sportplatz gescheucht und bin nun Besitzerin eines Fußballabzeichens. Wie konnte das nur passieren?!

Was ein Theater!

Vor Kurzem war ich (wie ich auch bereits geschrieben habe, glaube ich) im Theater, mit der Berlinerin zusammen. Für sie war es das Geburtstagsgeschenk, und da ich am liebsten vollkommen uneigennützige Geschenke mache – mein Vater zum Beispiel bekam zu seinem letzten Geburtstag einen Grill – habe ich sie natürlich begleitet.

Ursprünglich hatte ich den Plan gehabt, das prinz regent theater in Bochum zu besuchen und Goethes Iphigenie oder vielleicht Anna Karenina von Leo Tolstoi anzusehen. Aber leider, leider waren deren Aufführungstermine so gar nicht mit unseren Zeitplänen und Semesterferien kompatibel, sodass der Plan scheiterte. Also musste etwas anderes her, und da ich im Prinzip für kulturelle Erfahrungen jeglicher Form offen bin, habe ich einfach eine Inszenierung genommen, die terminlich passte; viel anderes darüber wusste ich nicht.

Das Schauspiel Dortmund macht durchaus spannende Sachen, ich bin vor einiger Zeit gleich zweimal dort gewesen um mir Woyzeck anzuschauen. Und da dachte ich, der Regisseur scheint ja interessant Ideen zu haben.
Interessant war es auch, absolut. Interessant und irgendwie auch verstörend.
Bis heute bin ich mir nicht vollkommen sicher, was man uns hat mitteilen wollen, vermutlich einfach gar nichts.

Als wir den Aufführungsraum, das Studio des Schauspielhauses, betraten, da lief schon etwas auf der Bühne. Nicht etwas, sondern jemand, um genauer zu sein, und ein nicht enden wollender Dialog.
Das ist mal etwas Neues, muss ich vollkommen wertungsfrei sagen. Ich jedenfalls habe das noch nicht erlebt.

Eigentlich sollte dies ein Bericht des Theaterbesuchs werden, aber ich bekomme nicht einmal eine simple inhaltliche Zusammenfassung hintereinander, deshalb wird das jetzt wohl eher doch nichts. Falls es trotzdem jemanden interessiert: Das Stück heißt Endspiel und ist von Samuel Beckett. Nicht schlecht, wenn man sowas mag. Das klingt jetzt abwertender als es gemeint ist, ich habe es jedenfalls nicht bereut, hingefahren zu sein. Die Berlinerin auch nicht, denke ich, aber die hat auch nicht zu meckern – ich habe schließlich die Karten bezahlt. Und lecker gegessen haben wir vorher auch, das rettet doch auch immer eine ganze Menge.

Puh. Unstrukturiert, dieser Text, und nen roten Faden gibt es irgendwie auch nicht. Was solls, passt eigentlich auch ganz gut zum Stück, also seis drum!

Knalliger Mittwoch

Der letzte Mittwochabend bietet eine ganze Menge Unterhaltungswert; mal sehen, ob ich das alles in einem Text unterkriege.
Wir waren auf einem Konzert, Walk Off The Earth in Dortmund. Großartige Band, eine Gruppe unglaublich musikalischer Menschen, die während des Konzertes Instrumente tauschen, ihre Bühnencrew mitspielen und -singen lassen und richtig gute Stimmung machen, weil man ihnen einfach anmerkt, dass sie einen wahnsinnigen Spaß haben an dem, was sie tun. Wirklich lohnens- und definitiv empfehlenswert, ein Konzert von denen.

Über alle Maßen genervt haben mich allerdings drei Mädels, die neben uns standen. Wieso geht man zu einem Konzert, wenn man ein so unstillbares Mitteilungsbedürfnis hat, dass man nicht einmal fünf Minuten die Klappe halten kann? Das ist mir wahrlich ein Rätsel. Aber gut, was man nicht ändern kann, muss man wohl akzeptieren.

Ansonsten schwebten ich und meine Begleiter, Mama Belle und das Bruderherz, im siebten Himmel. Bis die Ballons kamen.
Ich habe eine starke Aversion gegen alles, was plötzlich laut knallt. Feuerwerk, Chinaböller, Vogelschießen und die Böllerschützen unseres Schützenvereins lassen mich jegliche Contenance verlieren, und wenn mich Luftballons umgeben, steigt mein Ruhepuls exponentiell. Das wissen alle, die mich kennen, und niemand käme auf die wahnwitzige Idee, mir ein Feuerwerk oder Ballons anzutun. Niemand jedenfalls, der mich gut kennt (auch wenn das Bruderherz zwischendurch behauptet, es wolle mir zur Hochzeit einen riesigen Berg Luftballons schenken – inspiriert von der Aktion, als Freunde von mir geheiratet haben und die Geschwister des Brautpaares das gesamte Haus mit fünfhundert Luftballons „schmückten“).

Bei Konzerten von Walk Off The Earth scheinen Luftballons auf jeden Fall dazu zu gehören. Schon als wir sie das letzte Mal sahen hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die Halle einfach vorzeitig zu verlassen, aber von diesem Plan dann doch Abstand genommen. Zum einen, weil wir mittig ganz vorne standen und zum anderen, weil ich es ja dann doch auch nicht einsehe, mir das Vergnügen von so einer blöden, vollkommen unpassenden und – seien wir ehrlich – irgendwie auch lächerlichen Panik zunichte machen zu lassen.

Ähnliche Gedanken schossen mir auch am Mittwoch wieder durch den Kopf. Doch die Flucht antreten? Einen Schwächeanfall simulieren, um von den Security-Menschen nach draußen geleitet zu werden? Oder es einfach aushalten? Schon die erste, aber erst recht die zweite Option erschienen mir deutlich übertrieben, und so entschied ich mich todesmutig für Augen zu und durch. Eine Entscheidung, die ich bereute, als die Luftballons dann unterwegs waren. Mir war gar nicht bewusst, dass diese riesigen Dinger auch so leicht platzen, doch das tun sie, sehr zu meinem Leidwesen.

Plötzlich spürte ich aber eine Hand auf meiner Schulter, kurz bevor ein langer Arm einen Ballon über meinem Kopf nach hinten stieß. Denn natürlich hatte das Bruderherz, das sich immer über meine Knallpanik lustig machende Bruderherz, mein Unbehagen bemerkt oder erahnt und passte zuverlässig auf, dass mir die Ballons nicht zu nahe kamen.

Wie könnte ich diesem Jungen nur lange böse sein?