Wieso denn eigentlich Lehramt?

Auf der Suche nach einem aussagekräftigen Blogtitel, der im Idealfall auch noch zu mir passen sollte, habe ich mir regelrecht den Kopf zerbrochen. Kreativ sollte er sein, vor der Steinküste Irlands gut aussehen, und vielleicht auch noch einen kleinen Untertitel möglich machen.

Die aktuelle Version schoss mir durch den Kopf, als ich mit jemandem – ich glaube, es war mein Optiker! – über mein Studium sprach. Und als sich das Gespräch am Ostersonntag beim Nachbarschaftsgrillen in ähnlicher Weise wiederholte, fand ich es an der Zeit, die Entstehung des Titels auch hier einmal anzusprechen.

Das übliche Gespräch mit Fremden läuft nämlich folgendermaßen ab:

„Was studierst du denn?“ – „Mathe.“ – „Oha.“ – „Hm?“ – „Aber doch wenigstens auf Lehramt, oder?!“
Mathematik zu studieren, einfach nur der Mathematik wegen, das ist ein Konzept, das viele nicht auf Anhieb nicht so richtig zu verstehen scheinen. Vielleicht noch weniger, wenn man ein Mädchen ist und nicht wie ein Nerd aussieht. Ich habe keineswegs Vorurteile gegen Nerds, wie könnte ich, so als Mathestudentin. Fakt ist aber, wenn man einen Blick in einen Hörsaal wirft, in dem eine gemeinsame Veranstaltung für Mathe-Bachelor-Studenten und Mathelehramtsstudenten stattfindet, dann kann man mit einer relativ hohen Trefferquote die Bachelor-Leute von den Lehrämtlern unterscheiden. Woran? Nun, das ist schwierig zu beschreiben, muss man gesehen haben. Man kann es drehen und wenden wie man will, Lehrämtler sehen einfach… normaler aus.
So. Genug selbstkritischer Realismus.

Fakt ist, eigentlich wäre ich dem Lehramt gar nicht so abgeneigt. Ich mag es, zu unterrichten. In der neunten Klasse hat mein Mathelehrer mich, wenn er mit der Stundenplanung oder ähnlichen wichtigen Dingen beschäftigt war, mit einem Aufgabenzettel in der Hand vor meine Klasse gestellt. Zugegeben, es gibt bessere Wege sich Freunde zu machen, aber eigentlich war das nicht schlecht. Meinen Haufen Nachhilfeschüler liebe ich, ebenso die diversen Flötenschüler, die ich schon durch Lehrgänge im Tambourkorps geschleust habe.

Wieso also nicht Lehramt?
Eigentlich gibts dafür zwei Gründe. Zum einen fürchte ich ernsthaft, dass ich das Referendariat nicht überleben würde. Zwanghafter Perfektionismus gepaart mit den vollkommen unrealistischen Anforderungen, die Seminarleiter an die Referendare stellen (oft genug bei fürchterlich nervösen zukünftigen Lehrern an meiner eigenen Schule miterlebt), das wäre einfach nichts für mich. Vor Nervosität unfähig zu essen würde ich voraussichtlich spätestens am Examenstag aus den Latschen kippen.
Der andere Grund ist, dass ich nichts so gerne mache wie Mathe. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, auch noch etwas anderes zu studieren. Pläne in diese Richtungen, Überlegungen, das hat es durchaus gegeben. Musik und Mathe auf Lehramt, oder vielleicht Geschichte und Mathe? Es gibt ja so viele Möglichkeiten!
Letztendlich fiel die Wahl aber auf die reine Mathematik, und das bereue ich bislang auch nicht. Berufsaussichten gibts für Mathe-Master in recht hoher Anzahl.

Bevor es so weit allerdings ist, habe ich noch eine Weile Studium vor mir. Unnötig also, sich über so etwas schon jetzt den Kopf zu zerbrechen. Zur Zeit bleibe ich bei „Nein, nicht auf Lehramt, ich studiere richtige Mathematik!“ und ärgere mich mit Programmieren und Wirtschaftswissenschaftsvorlesungen herum. Das bleibt den Lehrämtlern in dieser Form erspart.

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