Turbulente Tage

Das vergangene Wochenende war anstrengender als erwartet.

Nach der Geburtstagsfeier, auf der mir dieser fürchterliche Kerl begegnet war (ich berichtete) wollte ich am Samstag eigentlich nur mal entspannen und nichts tun. Der Plan wurde vereitelt, weil meine Anwesenheit als Umzugshelferin – mal wieder – im Haus meiner Tante gefragt war. Dort stürzte Mama Belle, woraufhin wir die halbe Nacht auf Sonntag im Warteraum des Krankenhauses warten durften. Also, ich habe gewartet, sie wurde durch die verschiedenen Untersuchungsräume gefahren. Ist aber zum Glück nicht allzu schlimm.

Trotzdem bestand der Sonntag dann darin, den Haushalt zu schmeißen, weil Mama Belle bett- beziehungsweise sofalägerig war. Alles in allem: Anstrengend. Daher auch immer noch nicht der angekündigte Kommentar zum Thema Liebe, aber der kommt noch.

Beste Grüße!

Wenn Dummheit doch weh täte…

In der Grundschule bin ich einmal mit einem Mitschüler aneinander geraten, der – in meinen Augen – einfach nur blöd war. Ich habe ihm, wenn ich mich recht erinnere (und ich erinnere mich sehr gut, weil mir die Situation im Nachhinein wahnsinnig unangenehm war), ins Gesicht gesagt, dass er, wenn Dummheit weh täte, den ganzen Tag nur schreien würde. Damals musste ich mich förmlich entschuldigen, aber ehrlich gesagt stehe ich auch heute noch hinter dieser Aussage.

Dass mich hier niemand falsch versteht: Ich meine mit Dummheit nicht die Unfähigkeit zu rechnen, die Nichtbeherrschung der deutschen Rechtschreibung oder was auch sonst einem einfallen könnte, wenn man mir studentische Arroganz unterstellen wollte. Was ich mit Dummheit meine, lässt sich sehr gut an einer Situation darlegen, die gestern Abend so stattfand:

Ich bin Kummer gewohnt. 9 Jahre meines Lebens durfte ich die Schule gemeinsam mit einem Haufen halbstarker Jungs besuchen, die Provokation durch die Aussprache braunen Gedankenguts sehr hoch schätzten.
Das hatte mich aber nicht auf Michael vorbereitet. Michael, der neue Nachbar einer Freundin, die gestern ihren 22. Geburtstag gefeiert hat, ist geschätzt Ende vierzig. Er gesellte sich gegen kurz vor Mitternacht zur Runde, als sich bedauerlicherweise das Gespräch gerade um Flüchtlinge aus Syrien drehte. Dazu kann man ja nun seine Meinung haben, und ich habe oft genug gehört wie arm Deutschland dran ist und wie unfair, dass wir die ganzen Flüchtlinge aufs Auge gedrückt kriegen (amüsanterweise waren die Menschen, von denen ich sowas bisher am häufigsten zu hören bekam, eigentlich immer welche, die zur Finanzierung der ganzen Geschichte vermutlich recht wenig beitragen. Na, lassen wir das).
Ich war also auf vieles vorbereitet, als dieser bullige Mann den Mund aufmachte, aber was er tatsächlich von sich gab, toppte alles jemals gehörte.
„Früher hatte man für solche Leute Zyklon B.“
Bitte?!
Das ist locker der unpassendste Satz, den ich in meinem ganzen bisherigen Leben hören durfte. Was mich besonders schockierte, war die Ernsthaftigkeit, mit der er das von sich gegeben hatte; dicht gefolgt von der Erkenntnis, dass da ein erwachsener Mann Beifall heischend solche Weisheiten zum Besten gab. Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich kann nicht einmal in Worte fassen, was genau es war. Ich weiß nur, dass ich das dringende Bedürfnis hatte, diesem Mann umgehend mitten ins Gesicht zu brechen.
Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass ich dazu nicht einmal etwas gesagt habe. Hätte ich gerne, vor allem im Nachhinein, aber mir fehlte die Schlagfertigkeit da was zu erwidern; habe mich daher aufs Wegdrehen und den Rest des Abends Ignorieren verlegt.

In solchen Momenten wünschte ich inständig, Dummheit möge doch bitte, bitte weh tun. Dann wären solche Idioten zu sehr mit sich selbst beschäftigt als dass sie ihre dämlichen Ansichten mit der denkenden Menschheit teilen könnten.

Vielleicht mal informiert sein

So gerne ich das Klischée der desinteressierten, untätig im Bett herumliegenden Studentin erfüllen möchte: So ganz entspricht es einfach nicht der Wahrheit. Okay, zugegebenermaßen liege ich gerade im Bett, wohin ich mir den Laptop mal wieder entgegen meiner eigenen Prinzipien mitgenommen haben, aber es ist schließlich auch Abend und völlig legitim, im Bett zu liegen.
Worauf ich eigentlich hinauswollte: Zuhause habe ich regelmäßig Zeitung gelesen. „Nur“ die regionale Tageszeitung, die mich inhaltlich, stilistisch und überhaupt auf jeder möglichen Ebene schon mehr als einmal zum Stirnrunzeln gebracht hat, aber immerhin eine informative Tageszeitung. Und nun?

Ich muss gestehen, dass mich das aktuelle Geschehen um die Unistadt herum recht wenig interessiert. Deswegen habe ich nicht vor, hier jetzt das regionale Käseblatt zu abonnieren, das reicht mir zuhause. Aber irgendwie regelmäßig etwas zu lesen, das mehr ist als bloße Unterhaltung, das reizt mich trotzdem. Und das am liebsten in Zeitungsform, aus richtigem Papier, von dem die Druckerschwärze abfärbt, wenn man feuchte Hände hat.

Und komm mir hier jetzt keiner mit romantischer und/oder nostalgischer Verklärung des aussterbenden Mediums Zeitung. Für mich persönlich ist das einfach das Beste! Ich bin kein auditiver Typ, deshalb kann ich mich aufs Radio nur sehr schlecht konzentrieren und schalte da viel zu schnell ab. Fürs Fernsehen ist mein Gehirn zu Horrorbilder-anfällig, da wird grundsätzlich alles nachts in (Alb-)Träumen verwurstet (Mal ganz davon abgesehen, dass ich nichteinmal einen Fernseher habe). Und lange an Bildschirmen lesen mag ich eigentlich auch nicht, da kann man auch so wahnsinnig schnell versacken und mal eben schnell noch lauter andere Sachen machen.
So viele Optionen bleiben da ja nun wirklich nicht!

Also ging es heute auf virtuelle Entdeckungsreise, auf die Suche nach irgendetwas geeignetem, das Einzug im Hause Belle halten könnte. Was einem da alles über den Weg läuft, man glaubt es kaum…
Sehr positiv aufgefallen ist mir, dass fast alle Zeitungen günstigere Abos für Studenten und zum Teil auch Azubis, Rentner und Arbeitslose haben. Das kommt dem schmalen Studi-Portemonnaie wirklich sehr entgegen.

Aber wer die Wahl hat… Vielleicht doch eine Wochenzeitung wie die Zeit, die ich hin und wieder ganz gerne lese, aber fast öfter noch über (in meinen Augen) unglücklich übertriebene Trash-Artikel stolpere? Oder doch ein Angebot wie das von der Süddeutschen, bei dem Studenten in der Woche eine ePaper- und samstags die Print-Ausgabe bekommen können? Denn wenn man ehrlich ist, hat man vielleicht doch morgens weder Zeit noch Lust, erst vier Stockwerke zum Briefkasten zu rennen, zurück in die Wohnung, und dann mal eben die Zeitung zu lesen. Oder?

Vielleicht teste ich all die schönen Zeitungen auch mal ein paar Wochen an. Die F.A.Z., die taz, die sz und wie sie sich alle nennen. In einem weiteren Tab meines Browsers ist mit vorwurfsvoller Miene das Bestellformular des Handelsblatts geöffnet, das förmlich schreit „Tu gefälligst etwas für deine wirtschaftliche Bildung, du Wirtschaftswissenschafts-Nebenfächlerin!“
Jetzt wirft es mir bitterböse Blicke zu. Ich glaube, ich sollte noch einmal eine Nacht über das Ganze schlafen, und zwar schnellstens. Und morgen lasse ich mich dann über einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen aus, der mir heute vor die Füße fiel.

Schönen Abend allerseits!

Über die Notwendigkeit von Bürgersteigen – die Zweite

Aktueller Weise wollte ich es noch einmal ansprechen: wir brauchen doch Bürgersteige in meinem Heimatkaff. Zum Parken nämlich. Und zwar besonders um die Grundschule herum.

Klar. Ich versteh das. Irgendwo muss man das Auto ja hinstellen, wenn man sein Blag von der Schule abholt. Und wenn alle Parkplätze im näheren Umkreis – also in einem Radius von ungefähr 10 Meter um den Schulhof herum, zu weit sollen die lieben Kleinen ja auch nicht gehen müssen – voll sind, dann bleibt ja auch nichts anderes, als sich auf die Bürgersteige zu stellen. Komplett, bitteschön. Man will ja auch den ganzen Autos nicht im Weg stehen und den Bussen. Und so.

Denkt irgendeiner dieser Eltern auch darüber nach, dass deswegen alle anderen Menschen (eingeschlossen der anderen Schulkinder) über die Straße laufen müssen? Als vor zwei Tagen zwischen einem dicken schwarzen BMW auf dem Gehweg und einem Schulbus auf der Straße drei kleine Mädels mit pinken Feen-Tornistern herstiefelten, musste ich wirklich den Kopf schütteln.

Ernsthaft, meine lieben Mitdorfbewohner? Benutzt irgendjemand von euch gelegentlich seinen Verstand?

Und mal wieder…

… mal wieder sind die Semesterferien fast zu ende – zweieinhalb Wochen bleiben noch, wenn ich mich nicht irre, und eine davon werde ich in Rom verbringen. Freu ich mich ja drauf, so ist das gar nicht, aber irgendwie brauch ich eigentlich immer noch ein bisschen Zeit, um nach einem Urlaub wieder in der Realität anzukommen. Das wird in diesem Fall eher nichts werden, am Freitag kommen wir zurück und am Montag gehts dann wieder los.

Da kommen natürlich nun Fragen auf. Wie sieht das aus, alle Pläne durchgeführt (Haha. Ha.)? Was für die Uni getan (…)? Wenigstens irgendetwas geschafft?
Es hält sich in Grenzen. Aber entspannt habe ich, Familienleben genossen und Freundschaften gepflegt, Briefe und Mails geschrieben; alles in allem also wirklich viel Wohlfühlprogramm zelebriert. Und mal ehrlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Irgendwann werde ich (so Gott will) einen Job und eine Familie haben. Na ja, wenigstens Kinder. Soll ich dann in den Tag leben? Wohl eher nicht. Im Übrigen tu ich während der Vorlesungszeit wirklich genug, um mich jetzt nicht schuldig fühlen zu müssen, dass ich nichts getan habe. Das klingt wie eine Rechtfertigung? Ist es irgendwie auch. Man glaubt gar nicht, wie schief man angeschaut wird, wenn man nichts macht. Purer Neid der arbeitenden Bevölkerung, da bin ich sicher. Aber trotzdem muss ich mir nicht erzählen lassen, ich als Studentin würde ja wohl das ganze Jahr chillen, und das sähe man ja von März bis April sowie von August bis Oktober. All den Menschen, die sowas sagen, würde ich liebend gern mal einen Einblick in die Klausurvorbereitungswochen gönnen: sieben Tage die Woche locker zehn Stunden lernen am Tag, und das jeweils nen guten Monat lang. Zusätzlich die reguläre Arbeitsbelastung während des Semesters mit Hausaufgaben, Vorlesungen und Vor- sowie Nachbereitungen. Zusammengefasst: Studieren ist nicht Hochleistungschillen. Auch, wenn das manche Leute offensichtlich meinen. Da könnt ich ausrasten!

Ich liebe… #2

Wahrscheinlich mag es jeder Mensch, Post zu bekommen. Vielleicht gehöre ich auch tatsächlich zu den Menschen, die besonders gerne etwas in ihrem Briefkasten finden – im echten, wohlbemerkt, nicht im virtuellen.
(Natürlich bekomme ich auch gerne E-Mails von lieben Menschen, aber das Mail-Symbol in der oberen linken Ecke des Smartphones kommt an das Gefühl, echtes Papier in den Händen zu halten, einfach nicht ran!)
Dazu kommt, dass ich auch gerne schreibe, egal ob Blog, Briefe oder Postkarten, ich teile mich einfach gerne mit.

Wegen all dieser Kleinigkeiten war ich ausgesprochen interessiert, als ich letztes Jahr im Berlin-Urlaub auf einem dieser Papiertütchen für Postkarten Werbung für postcrossing sah. Postcrossing ist eine Community, deren Motto ist „send a postcard and recieve a postcard back from a random person in the world“.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Man meldet sich an (mit vollständigem Namen und Adresse natürlich, man will schließlich echte Post bekommen), fordert Adressen an und schickt fremden Menschen eine Postkarte. Zusammen mit den Adressen kommt eine Postcard-ID, die man auf die Postkarte schreiben sollte, und außerdem Informationen über sich selbst, die der Empfänger mitteilen möchte. Da kann man dann häufig lesen, wie alt derjenige ist, was er beruflich und in seiner Freizeit gerne macht und welche Art Postkarten er bevorzugt.
Wenn die Karte dann letztendlich versendet und angekommen ist, registriert der Empfänger die Postcard-ID bei postcrossing und irgendjemand auf der Welt bekommt als nächstes die eigene Adresse zugeteilt.

Zugegeben, je nach Leidenschaft, mit der man die Sache angeht, ist dieses Hobby nicht so richtig billig. Postkarten muss man kaufen und für Porto bezahlt man ins Ausland (für Postkarten ebenso wie für Standardbriefe übrigens) 75 cent.
Allerdings freue ich mich wie ein Kind über jede Postkarte, die ihren Weg in meinen Briefkasten und kurz danach an meinen Kleiderschrank findet (und das sind immerhin zum aktuellen Zeitpunkt schon 37 Stück!), deshalb ist es mir das wert.

Und nun mach ich mich auf den Weg ins Einkaufscenter. Postkarten und Briefmarken kaufen!

Familiendings

Beim Ausmisten alter Schränke in meinem heimatlichen Zimmer bin ich vorgestern auf viele Dinge gestoßen – unter anderem auf eine Familiensatire, die ich vor gut fünf Jahren für den Deutschunterricht geschrieben habe. Inzwischen ist mein Vater umgezogen, es ist alles besser geworden, aber dieser Teil unseres gemeinsamen Lebens ist es doch wert, gelesen zu werden.
Trotzdem sollte man sich vor Augen halten: Es ist Satire, es ist überspitzt dargestellt und entsprach so nicht der Realität; und ich liebe meinen Vater. Küsschen!

Wieder einmal machte ich mich an einem nieselig-nebeligen Samstagmorgen auf den Weg zu meinem Vater. Das für einen Sommertag ja wohl ausgesprochen gute Wetter steigerte meine Lust auf ein katastrophal chaotisches Wochenende in der schneckenhausriesigen Wohnung meines Vater erheblich. Meine Ankunft bei dem kitschgrünen Zweifamilienhaus war typisch für die überaus geliebten Tage, die ich dort verbrachte: Auf mein Klingeln gab es ersteinmal rein gar keine Reaktion. Klar, vermutlich war die letzte Nacht kurz und der vorangegangene Abend lang und hochprozentig gewesen, da konnte ich es nicht erwarten, dass mein Vater morgens um halb elf schon in der Lage war, die Tür zu öffnen.
Glücklicherweise war auf seine Vermieterin ebensoviel Verlass wie auch meinen Erzeuger. Während man bei ihm mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig lag, wenn man ihn zu dieser Zeit im Bett wähnte, konnte bei ihr garantiert davon ausgegangen werden, dass sie pflichtbewusst in der Küche stand und das Mittagessen vorbereitete. Und so konnte wenigstens sie mir die Tür öffnen, nachdem ich mir gefühlte zwei Stunden die Beine in den Bauch gestanden hatte.
Schon auf der Treppe nach oben hörte ich aus Papas Schlafkabuff laute Schnarchgeräusche, die definitiv nach zu viel Alkohol klangen. In weiser Voraussicht stellte ich schon einen Eimer und ein Glas Wasser mit Aspirin bereit, bevor ich mich zum Küchendschungel durchkämpfte.
Im Grunde könnte man hier sehr gut ein Survivelcamp durchführen und meine Vermutung war auch, dass es die Hauptbeschäftigung meines Vaters war, hier nach essbaren Nahrungsmitteln zu suchen.
Sollte man tatsächlich den Weg bis in die Küche gefunden haben, und das ohne größere Verletzungen und/oder Knochenbrüche, die von den im Dämmerlicht herumstehenden Kisten herrührten, wunderte man sich, in der Küche keinen organisierten Streichelzoo vorzufinden. Genügend Tiere waren jedenfalls vorhanden. Spinnen, Fliegen und Wespen gehört da eher noch zur harmloseren Sorte. Die Gattung des Tieres, das für den durchdringenden Verwesungsgeruch in der Bruchbude sorgte, kannte ich nicht. Und ich glaube, das wollte ich auch nicht.
Auf der Suche nach Nahrungsmittel, die mir beim Öffnen des Kühlschrankes noch nicht entgegensprangen, stieß ich nur auf eine klägliche Anzahl von Dosen, deren Inhalte noch kein Fell hatten. Ansonsten konnte man abenteuerliche, eindrucksvolle Gebilde ausmachen, von deren Erscheinung ich fasziniert bis erschüttert war. Die Kartoffeln beispielsweise hätte ich in ihren grünen Schimmelmänteln kaum noch als solche erkannt, und die flauschigen Nudeln hätte mein Bruder ohne zu zögern als Haustiere angenommen. Den Inhalt anderer Dosen habe ich gar nicht erst genauer unter die Lupe genommen, da ihr Haltbarkeitsdatum verriet, dass sie vor über einem Jahr gekauft und geöffnet worden sein mussten.
Als ich letztendlich entschieden hatte, zu den mitgebrachten Brötchen Rührei und die am nächsten Tag ablaufenden Würstchen zu servieren, stand ich vor dem nächsten Problem: Mein Vater hatte die Funktion von Herd und Spüle entweder noch nicht erkannt, oder ignorierte sie einfach nur konsequent. Es war undefinierbar, welche der Gerätschaften, die an der Spüle anghäuft waren, sauber, und welche dreckig waren. Aufgrund dieses permanenten Zustandes der Wohnung hatte ich mir schon vor längerem angewöhnt, sämtliche Gegenstände, die ich benutzen wollte, zunächst zu spülen.
Der nächste Tagesordnungspunkt meines Wochenend-Beschäftigungsprogramms bestand in einem Suchspiel: Finde die Herdplatte!
Aufgrund meiner guten Ortskenntnis wäre ich jeglichen potentiellen Gegenspielern (die es, so es sie denn gegeben hätte, vermutlich noch gar nicht bis in die Küche geschafft hätten) hochhaushoch überlegen gewesen und schaffte es sensationellerweise, die Kochplatte in weniger als 15 Minuten freizulegen. Ein neuer Rekord!
Schließlich hatte ich es trotz allen Widerigkeiten geschafft, ein durchaus akzeptables Frühstück zu zaubern und genau das war der Moment, an dem Papa in der Küchentür stand. Typisch, dass er das wieder roch.
Und der klägliche Blick, den er mir mit Ringen unter dem Augen zuwarf verriet mir eines: Sehr viel würde heute nicht mit ihm anzufangen sein.

Bilanz eines Wochenendes

Ich gebe beim Einkaufen eigentlich nie besonders viel Geld aus. Weder kaufe ich viel, noch kaufe ich teure Sachen – prinzipiell immer eher günstig als eine Marke. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, und eine hat sich gestern bezahlt gemacht: Nagellack.

Aber fangen wir von vorne an.
Vor Monaten hatte ich einer Freundin auf die Frage, ob ich am 6. September wohl Zeit hätte, leichtfertig mit „ja sicher“ geantwortet. Der Grund für die Frage war die Hochzeit ihrer großen Schwester, die ganz gerne zusätzlich zu einem jüngeren Thekenteam zwei ältere, volljährige und garantiert zuverlässige Mitstreiterinnen haben wollte: meine beste Freundin und mich.
Vom ursprünglichen Plan, dass wir beide eher beaufsichtigen während die anderen sich um die Gäste kümmern, blieb allerdings im Endeffekt nicht ganz so viel übrig. Einige hatten abgesagt, sodass wir im Endeffekt sieben Kellner für 160 Gäste waren. Mit Kaffeetrinken, Kuchen und abends Buffet, von 15 Uhr bis fünf Uhr morgens.

Und am Ende des Tages? Da war das einzige an mir, das noch ausgeruht und frisch aussah, der herrliche Essie-Nagellack. Völlig unberührt von heißem Spülwasser und Bierduschen, ohne jede Spur von Verwüstung (und die hatte an der restlichen Belle Spuren genug Hinterlassen).
So konnte ich mein Gesicht heute wenigstens hinter gutaussehenden Händen verstecken, was will man mehr?

Über die Notwendigkeit von Bürgersteigen

Läuft man durch die „neugebauten“ Wohngebiete meines Heimatortes, dann kommt man nicht darum herum, die schön angelegten Straßen zu sehen. Obwohl das hier nur im ganz entfernsten Sinne tatsächlich ein Neubaugebiet ist – alleine wir wohnen seit sechzehn Jahren hier, und wir waren bei weitem nicht die ersten – hat es Ewigkeiten gedauert, bis die Straßen letztendlich gemacht wurden. Nun ja, fast alle, unsere Sackgasse wartet immer noch auf ihre Verschönerung.
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft wir uns als Kinder mit Rollschuhen, Inlinern und Skateboard auf den Schotterauffahrten der Nachbarn langgelegt haben, inzwischen klappt das jedoch ganz gut und meistens unfallfrei.

Viel problematischer als die kleineren Missgeschicke und Unfälle, aufgeschürften Hände und Knie, ist jedoch das Gewohnheitsverhalten der Menschen, die hier seit Jahrzehnten wohnen und spazieren gehen: all die Jahre gab es keinen Bürgersteig und man lief eben auf der Straße. Vielleicht auch mal am Rand, wenn ein Auto kam und man sich nicht gerade auf der Straße stehend unterhielt, aber grundsätzlich immer auf der Straße.
Wieso also sollte man das nun, bei (wie oben erwähnt) den endlich angelegten Straßen ändern? Wozu sollte man die Bürgersteige nutzen, die auch noch durch Beete und kleine Bäumchen von der Straße abgetrennt sind? Das sind doch nur störende Sichtbarrieren, wenn man bei den Nachbarn durchs Fenster gucken will!

Die Selbstverständlichkeit und Ruhe, mit der Nachbarn wie auch fremde Fußgänger mitten über die Straße spazieren, völlig ungeachtet jeglicher anderer Verkehrsteilnehmer (Watt Fahrräder? Roller? Autos? Trecker?) versetzt mich immer wieder in Erstaunen und sprachlose Bewunderung. So kaltschnäuzig wäre ich auch gerne mal, und wer um Himmels Willen braucht schon Bürgersteige.

Einfach mal merken

Es wäre doch zu schön, wenn man sich das „Yeah, ich hab was geschafft und habs hinter mich gebracht“-Gefühl noch etwas länger erhalten könnte. Wenn ich mich doch nur in einem Jahr wieder daran erinnern würde, dass das alles gar nicht so schlimm ist wie es sich am Anfang anfühlt. Und dass es sich wesentlich besser anfühlt, wenn man es gemacht hat.

Denn das ist es, was ich heute geschafft habe: Es ist alles ausgedruckt, unterschrieben, abgegeben und eingereicht. Der ganze Berg unerledigter und über Wochen aufgeschobener Aufgaben ist abgearbeitet, wenn man mal vom Aufräumen und Putzen der Wohnung absieht. Kleinigkeiten!
Wie belastend das all diese Wochen gewesen ist, ist mir erst aufgefallen, als ich Gebäude A der Universität heute wieder verlassen hatte. Fast wäre ich nach Hause geflogen, so erleichtert war ich.

Wieso also weiß ich jetzt schon ganz genau, dass ich mich angesichts der nächsten derartigen Situation wieder ganz genau so verhalten werde, wie ich es dieses Mal getan habe? Ich seh es ganz deutlich vor mir, die Hände vor den Augen und darauf hoffend, dass das schon alles irgendwie wird. Auch ohne mich damit zu beschäftigen. Falls jemand ein Mittel dagegen kennt, wäre ich durchaus geneigt, es auszuprobieren…