Wenn Dummheit doch weh täte…

In der Grundschule bin ich einmal mit einem Mitschüler aneinander geraten, der – in meinen Augen – einfach nur blöd war. Ich habe ihm, wenn ich mich recht erinnere (und ich erinnere mich sehr gut, weil mir die Situation im Nachhinein wahnsinnig unangenehm war), ins Gesicht gesagt, dass er, wenn Dummheit weh täte, den ganzen Tag nur schreien würde. Damals musste ich mich förmlich entschuldigen, aber ehrlich gesagt stehe ich auch heute noch hinter dieser Aussage.

Dass mich hier niemand falsch versteht: Ich meine mit Dummheit nicht die Unfähigkeit zu rechnen, die Nichtbeherrschung der deutschen Rechtschreibung oder was auch sonst einem einfallen könnte, wenn man mir studentische Arroganz unterstellen wollte. Was ich mit Dummheit meine, lässt sich sehr gut an einer Situation darlegen, die gestern Abend so stattfand:

Ich bin Kummer gewohnt. 9 Jahre meines Lebens durfte ich die Schule gemeinsam mit einem Haufen halbstarker Jungs besuchen, die Provokation durch die Aussprache braunen Gedankenguts sehr hoch schätzten.
Das hatte mich aber nicht auf Michael vorbereitet. Michael, der neue Nachbar einer Freundin, die gestern ihren 22. Geburtstag gefeiert hat, ist geschätzt Ende vierzig. Er gesellte sich gegen kurz vor Mitternacht zur Runde, als sich bedauerlicherweise das Gespräch gerade um Flüchtlinge aus Syrien drehte. Dazu kann man ja nun seine Meinung haben, und ich habe oft genug gehört wie arm Deutschland dran ist und wie unfair, dass wir die ganzen Flüchtlinge aufs Auge gedrückt kriegen (amüsanterweise waren die Menschen, von denen ich sowas bisher am häufigsten zu hören bekam, eigentlich immer welche, die zur Finanzierung der ganzen Geschichte vermutlich recht wenig beitragen. Na, lassen wir das).
Ich war also auf vieles vorbereitet, als dieser bullige Mann den Mund aufmachte, aber was er tatsächlich von sich gab, toppte alles jemals gehörte.
„Früher hatte man für solche Leute Zyklon B.“
Bitte?!
Das ist locker der unpassendste Satz, den ich in meinem ganzen bisherigen Leben hören durfte. Was mich besonders schockierte, war die Ernsthaftigkeit, mit der er das von sich gegeben hatte; dicht gefolgt von der Erkenntnis, dass da ein erwachsener Mann Beifall heischend solche Weisheiten zum Besten gab. Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich kann nicht einmal in Worte fassen, was genau es war. Ich weiß nur, dass ich das dringende Bedürfnis hatte, diesem Mann umgehend mitten ins Gesicht zu brechen.
Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass ich dazu nicht einmal etwas gesagt habe. Hätte ich gerne, vor allem im Nachhinein, aber mir fehlte die Schlagfertigkeit da was zu erwidern; habe mich daher aufs Wegdrehen und den Rest des Abends Ignorieren verlegt.

In solchen Momenten wünschte ich inständig, Dummheit möge doch bitte, bitte weh tun. Dann wären solche Idioten zu sehr mit sich selbst beschäftigt als dass sie ihre dämlichen Ansichten mit der denkenden Menschheit teilen könnten.

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Ein Gedanke zu “Wenn Dummheit doch weh täte…

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