Zweiter Anlauf

Nachdem ich wirklich motiviert – na ja, ein bisschen wirklich jedenfalls – irgendwann vor Wochen schon einmal angefangen hatte, Sport zu machen (netter Versuch, das hier auch), ist das dann doch auch wieder eingeschlafen. Ist ja irgendwie auch zu erwarten gewesen, ich kenn mich schließlich.Ich bin mir selbst nicht sicher, woran es liegt, doch seit Dienstag läufts wieder. Zur Zeit jedenfalls.
Vielleicht fühle ich mich einfach am Ende eines Tages noch nicht erschlagen genug. Vielleicht dümpelt auch irgendwo in mir die leise Hoffnung, es wird besser, wenn ich morgens den Kreislauf in Schwung bringe. Oder es liegt einfach daran, dass ich in dem Kleid für Weihnachten zur Zeit noch wesentlich… ähm… korpulenter aussehe als ich bereit bin zu ertragen.
Was auch immer es ist, es sorgt sogar dafür, dass ich gar nicht mal soooo unmotiviert bin, wenn ich morgens aufstehe. Heute morgen wollte ich mir selbst erlauben, länger liegen zu belieben und die halbe Stunde Bewegung einfach sausen zu lassen, und was passiert? Ich fang trotzdem an! Das ist okay. Im Grunde besteht auch nicht die Gefahr, dass diese Sportgeschichte Überhand nimmt, ich mach mir also nicht die geringsten Sorgen. Ich genieße einfach nur, dass immerhin das zur Zeit läuft.Man ist ja mit wenig zufrieden!

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So viel

Es ist so fürchterlich viel los zur Zeit. Studium, Job, Nachhilfe – ich bin heilfroh, dass ich nicht auch noch Freunde habe, mit denen ich in der Woche Zeit verbringen muss. Absolut unmöglich!

Und irgendetwas passt nicht. Irgendetwas stimmt einfach nicht, ich merke nur nicht, was es ist.
Stattdessen mache ich Sport und lerne, mache meine Aufgaben, kontrolliere die abgegebenen Hausaufgaben meiner Studenten und bereite Tutorien vor. Von früh morgens bis spät abends.

Ich bin müde und erschöpft und mach trotzdem immer mehr. Das ist nichts neues, nicht das erste Mal.

Mal sehen, wie es weitergeht…

Weiterwachsen

Man kann es glauben oder nicht, aber am vergangenen Mittwoch hatte Belle tatsächlich ihr erstes Tutorium überstanden. Souverän und selbstbewusst (haha), kompetent und wirklich gut vorbereitet. Und dann war es sogar gar nicht so richtig schlimm, nur am Anfang. Na ja, und währenddessen. Und ein bisschen auch noch danach, als sie endlich wieder als Studentin in ihrer eigenen Übung saß. Da brauchte es noch ein bisschen, bis alles wieder normal war. Aber ich glaube fest daran: man wächst an allem, was man so tut, und jedes Mal wenn man sich zu etwas überwindet, dann wird es etwas weniger schlimm. Fühlt sich noch nicht so an, aber das wird kommen.

Abgesehen davon ist es dringend notwendig, meinen Lebensrhythmus und mein Zeitmanagement wieder anzupassen und mit den Herausforderungen des Unialltags zurecht zu kommen. Läuft noch nicht so.

Schönes Wochenende!

Belle und Menschen.

Als ich gestern auf dem Rückweg in die Unistadt war, traf ich Papa Belle mit seiner Blondine. Wir unterhielten uns, ich erklärte ihr Funktionen ihres Smartphones und versprach, mich darum zu kümmern, wenn sie irgendwann für whatsapp würde bezahen müssen. Das wird irgendwann im April 2015 sein.
Mein erster Gedanke: „Na ja, wenn ihr bis dahin nicht wieder getrennt seid.“ Zweiter Gedanke: „Fänd ich aber blöd, wenn ihrs wärt.“

Ausgesprochen habe ich weder das eine noch das andere, aber lange darüber nachgedacht. Und endlich mein Problem erkannt: Ich mag Menschen zu schnell!

Es fällt mir wahnsinnig leicht, Menschen sympathisch zu finden, wenn ich sie erstmal kennengelernt habe. Da ist (zum Glück?) noch eine Schranke, schließlich lerne ich nicht so schnell Menschen kennen. Und seit diversen Dramen wahre ich auch penibel Distanz zu denjenigen, die ich neu kennenlerne – so weit das möglich ist. Meine Kommilitonen sind auch nach einem Jahr nicht mehr als Kommilitonen, die Mitbewohnerin ist zwar ne ganz liebe, aber ich würde da nicht von Freundschaft zwischen uns reden, und Hobbys hab ich zum Glück ja auch nicht. Also, eigentlich alles easy?

Denkste. Familie gehört nämlich leider nicht zu den Menschen, die ich fernhalten kann. Will ich auch gar nicht. Aber ich wünschte, es fiele mir leichter, mich auf neue Freundinnen meines Vaters einzustellen. Nein, das ist eigentlich falsch. Es fällt mir ja leider ziemlich leicht, mich auf sie einzustellen. Es zerreißt mich nur dann immer, wenns wieder ne Neue ist.

Mit der letzten vor der Blondine waren wir im Urlaub. Das Bruderherzchen hat an Papa-Wochenenden bei ihr übernachtet. Wir haben Abende mit ihrer Familie, ihrer Schwester und deren Familie verbracht. Und nur wenige Wochen, nachdem ich ihr am Telefon von dem Unfall berichten durfte, der meinen Vater kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht hat, war plötzlich Schluss. Und plötzlich war sie persona non grata, ebenso alle anderen Menschen, die man in dem vorausgehenden Jahr liebgewonnen hatte, mit denen man im Urlaub gewesen war.

Das ist scheiße!

Und nun soll mir nochmal jemand erzählen, es sei unfair, der Neuen skeptisch gegenüber zu stehen. Ich war bei lauter Freundinnen ein Musterbeispiel an sonnigem Gemüt, lieb und nett und niemals unfreundlich. Bei der letzten dachten wir alle, es sei diesmal vielleicht für länger, ich hab sie in mein Herz geschlossen, und dann ist sie plötzlich wieder weg.
Als ich von der Trennung gehört habe, hab ich mehr Tränen vergossen als nach meiner eigenen Trennung von meinem Freund.

Der Blondine gegenüber bin ich wirklich sehr skeptisch gewesen. Niemals unfreundlich zu ihr, aber immer distanziert. Körperlich, innerlich, überhaupt. Es war mir suspekt, dass ich mit Ironie nicht umgehen kann, dass sie deutlich älter wirkt als mein Vater und dass sie immer perfekt gestylt rumläuft.
Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen – na gut, sagen wir, gut eineinhalb Jahre – und inzwischen nennen wir die gute Frau allein aus Gewohnheit noch „die Blondine“. So schlimm isse eigentlich gar nicht. Bis ich wirklich darüber nachgedacht habe, dachte ich aber trotzdem, dass sie meinetwegen auch wieder weg sein könnte. Falsch gedacht, ich mag sie.

Tja, so schnell kanns gehen.

Was ganz altes Neues.

Ich glaube, ich habe es bereits erwähnt: Mein Umzug in die Unistadt beflügelte das Bruderherzchen in seinen Bemühungen, mein großes Zimmer zu bekommen. Nachvollziehbar, ich hab schließlich seit ich 16 war im großen Elternschlafzimmer gewohnt – dass er da ganz gerne irgendwann mal mein Erbe antreten möchte, das ist nur logisch. Und nun ist es so weit.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich die erste Nacht wieder in meinem alten „Kinderzimmer“ geschlafen. Während ich in der vergangenen Woche wieder ins Unileben eingestiegen war, hatten nämlich Mama Belle und das Bruderherzchen unter Aufbringung aller körperlichen Reserven (und Einbeziehung meines Patenonkels und anderer hilfsbereiter Mittäter) den Umzug über die Bühne gebracht. Zugegeben: So viel umzuziehen gabs überhaupt nicht mehr, das meiste ist ja mit mir in die Unistadt gekommen. Aber ein großes Bücherregal, ein Schreibtisch und tausend Kleinigkeiten, die irgendwo in meinem Zimmer umherflogen und selbst meine geliebte, über und über mit Erinnerungsstücken beklebte Zimmertür haben sie ummontiert. und noch etwas gab es, das mir den Einzug/Rückzug versüßt hat:

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Schon Ewigkeiten lang hatte ich mit diesem hübschen Stück Holz geliebäugelt, und als ich am Donnerstag zuhause eintraf, hing es an meiner Wand – und passt hervorragend zu deren Farbton!

Und obwohls noch immer komisch ist, in das andere Zimmer zu gehen, ist es okay.

Kurz und schmerzvoll

Ich bin Trennungskind, seit sechseinhalb Jahren schon. Die Tatsache, dass ich zwanzig, erwachsen und fürchterlich vernünftig bin, ändert aber leider nicht das geringste daran, dass ich noch immer darunter leide. Nicht ständig, aber immer mal wieder.

Zum Beispiel, wenn ich seine Adresse aufschreibe, die eben einfach nicht unsere ist. Weil mir dann bewusst wird, dass sein Zuhause nicht meines ist, dass ich in seiner Wohnung irgendwie immer nur Gast bin – genau so, wie er in meinem Elternhaus. Und das, obwohl auch er jahrelang dort gewohnt hat.

Zum Beispiel, wenn mir auffällt, dass ich vergesse, wie es war, mit ihm zusammen zu wohnen. Wie es war, wenn er einfach da war. Wenn man leise sein musste, weil er vom Nachtdienst kam, oder wenn man sich um das letzte Schnitzel gestritten hat. Wie es ist, zu wissen: Ich lasse Mama nicht allein. Sie hat jemanden.

Zum Beispiel, wenn ich zufällig mitbekomme, dass er überhaupt nicht versucht hat, eine Wohnung in unserer Stadt zu finden, sondern lieber in die Stadt der Blondine gezogen ist. Ich verstehs ja. Er verbringt viel mehr Zeit mit ihr als mit uns, und einmal alle zwei Wochen kann man dann auch ein paar Kilometer fahren. Aber trotzdem!

Zum Beispiel, wenn ich über Wochen hinweg nur über whatsapp mit ihm Kontakt habe, weil er beschäftigt ist. Und weils eben nicht mal eben ist, dass man sich sehen kann. Einfach, weil ich mehr von meinem Papa haben will als eine Nachricht alle paar Tage, und etwas mehr das Gefühl, dass ich ihm manchmal fehle.

 

(Ich weiß, dass es andere schwerer haben. Ist das nicht immer so? Ich weiß das sogar ziemlich gut, denn ich habe einige Freundinnen, die ihren Vater „wirklich“ verloren haben. Durch einen Hirntumor, Lungenkrebs, einen Schlaganfall. Aber muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich unter dem leide, was mir ganz persönlich das Leben schwer macht? Denn dieses Wissen macht es mir nicht leichter.)

„Entschuldigung, sind Sie auch deutsch?“: Italien, die Sechste (9.10.2014)

Unser letzter ganzer Tag in Rom stand ganz im Zeichen Deutschlands und ließ so Heimatgefühle aufkommen.

Zunächst sprach mich noch im Hotel ein anderer Gast (ein Lufthansa-Pilot, wie ich später mitbekam – Uniformen können ziemlich heiß sein, aber dazu in ein paar Tagen mehr) auf Deutsch an. Keine Ahnung, woher er wusste, dass ich Deutsch sprach, denn ich war mir ziemlich sicher, dass wir uns vorher noch nicht begegnet waren – aber vielleicht hatte er mich mit meiner Familie reden hören.

Auf dem Weg zum Zug waren wir ein weiteres Mal so spät dran, dass wir unter der Schranke her mussten. Dieses Mal allerdings völlig unnötig, weil der Zug, den wir nehmen wollten, nämlich leider ausgefallen war. So saßen wir also über eine Stunde gemütlich zwischen zwei viel befahrenen Straßen am Bahnhof von Sassone und vertrieben uns die Zeit mit unnützen Diskussionen. Aber ist ja Urlaub!

Im Termini gabs Baguettes, dann wollte das Brüderchen unbedingt in einen Musikladen, den es bei google maps auch gefunden hatte (wo andere Menschen Tassen oder Magneten aus Urlaubsorten sammeln, kauft er sich lieber Pleks für die Gitarre). Diesen Laden jedoch im echten Leben zu finden war eine ganz andere Nummer. Aber praktischer Weise fand Mama Belle einen Verkäufer, der uns sehr zuvorkommend den Weg zeigte – kein Wunder, einem Blick in die Auslage seines Tabak- und Spirituosenladens auf „Führerwein“, Hitlergruß-Fotos von Hitler selbst und ähnlichem nach zu urteilen war der gute Mann wohl eher germanophil. Und Belle völlig fassungslos, dass man sowas heutzutage einfach noch verkaufen/kaufen kann.

Von dort aus jedenfalls zog es uns in Richtung der Kirche Sant‘ Ignazio di Loyola, die ziemlich beeindruckend und durch ihre Größe etwas weniger erdrückend war als viele zuvor gesehene; zum Pantheon, das definitiv zu den Highlights gehört, auch wenn ich es nicht weiter beschreiben kann – es ist wirklich sehenswert; zu den wunderschönen Plätzen Campo de‘ Fiori und der Piazza Navona; und zwischendurch auf den „besten Kaffee Roms“ (laut spotted by locals) ins Caffé Sant Eustacchio.

Das Abendessen ließen wir uns in einem Restaurant umgeben von Deutschen schmecken. Dort sprachen uns die Gäste am Nebentisch an, ob es hier in der Gegend ein Hotel gäbe, das bei Deutschen besonders beliebt sei (keine Ahnung, der germanophile Spirituosenhändel war jedenfalls in einer ganz anderen Ecke).

Bei einem Spaziergang zurück zur Piazza di Spagna erlebten wir dann auch Rom in Dunkelheit, bei Nacht, ebenfalls wirklich schön.
Im Zug auf der Fahrt durch eben diese Nacht fragte der Schaffner dann, wo wir herkämen, und imitierte ziemlich gekonnt Angela Merkel. Ich sachet ja, da fühlt man sich fast wie zu Haus.

Zum endgültigen Abschluss der Urlaubs genossen wir Dosenbier und Sprite mit Blick über die nächtliche ewige Stadt von der Terrasse des Hotels. Alles in allem: ein wirklich schöner Urlaub, ein herrliches Hotel und eine Stadt, die es sich auch mal wieder zu besuchen lohnt.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier)

Kirchenkitsch: Italien, die Fünfte (8.10.2014)

Anlässlich unseres heutigen Besuchs im Vatikan starte ich zur Abwechslung mal mit einem allgemeinen Kommentar zu Kirchen in Rom.

Ich seh mir sehr gerne Kirchen an. Ich mag die ruhige, kühle, feierliche Atmosphäre, die dort herrscht. Dass die Menschen sich nur flüsternd unterhalten, sehr im Kontrast zu dem Leben, das vor den dicken Mauern tobt. Und gerade in Rom sind die Mauern meist sehr dick (und sehr alt), ich find das toll. Also, so im Ganzen jetzt. Die majestätische Ruhe, die weiten Hallen, die detaillierten Wand- und Deckenmalereien, all das.

Aber mal ehrlich: elektrische Kerzen? Damit kann ich mich einfach nicht anfreunden (war zum Glück auch nicht überall). Ich hab mal das Argument gehört, echte Kerzen würden die Wände zu sehr einrußen, aber trotzdem – Geld in den Opferstock zu werfen, um dann auf einen Knopf drücken zu dürfen, der eine Glühbirne anmacht? Nee.
An weiterer Punkt, der in meinen Augen eher gewöhnungsbedürftig ist: Jede einzelne Kirche, die wir besucht haben (Nachtrag: außer das Pantheon einen Tag später, das war toll!), war hoffnungslos überladen. Man wurde regelrecht von Statuen, Büsten, Bildern, gold und bunt erschlagen. Atemberaubend, in gewisser Hinsicht, und zum „mal angucken“ ganz spannend, aber in meinen  Augen nichts für den täglichen Gebrauch.
Zuletzt noch etwas Wissenswertes zum Thema: In vielen Kirchen in Rom ist der Zutritt untersagt, wenn Schultern und/oder Knie nicht bedeckt sind – das gilt für Männer wie auch Frauen. Ich hatte zu diesem Zweck immer einen Cardigan dabei (oder trug eben gleich keine schulterfreien Oberteile), aber es hieß eben auch, dass man praktisch den ganzen Urlaub lange Hosen trug. Fürs nächste Mal: auf jeden Fall ein paar lange Röcke oder Kleider. Luftiger als Jeans ist das dann allemale, und man will ja die Besichtigungstouren auch nicht so genau planen, dass man immer passend zu den Kirchen lang trägt. Jedenfalls will ich das nicht.

Okay, Exkursion Ende. Kommen wir zum heutigen Tag.
Geplant hatten wir eigentlich, mittags im Restaurant „Open Colonna“ zu essen, danach zum Vatikan zu fahren und im Anschluss das Stadtviertel Coppedè zu besuchen. Ich nehms gleich mal vorweg: nach dem Vatikan ging nicht mehr so viel. Aber von vorn.

Der 16€-„City Lunch“ im Open Colonna lohnt sich definitiv. Ich habe Mama Belle zu Beginn des Essens gefragt, ob wir gestorben und nun im Paradies seien, und den anderen ging es ähnlich. Ein köstliches Buffet mit warmen Speisen, Salaten, verschiedenen Käsesorten, noch mehr Salat und reichhaltigem Nachtisch, da bleiben mit Sicherheit keine Wünsche offen. Und entgegen der abendlich horrenden Preise dieses Restaurants ist das Mittagsbuffet absolut bezahlbar (ein Blick auf die Abendkarte zeigte uns, dass allein die günstigste Vorspeise für beeindruckende 26 € zu haben war…).

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, machten wir uns via Metro auf den Weg zum Vatikan. Um die berühmte Sixtinische Kapelle sehen zu können, muss man einmal durch die gesammelten vatikanischen Museen, für die man als Erwachsener 16 € Eintritt bezahlt. Wir hatten allerdings Glück und wurden kurz vorm Ticketschalter von einem Mann angesprochen, dessen Reisegruppe vier Karten zu viel hatte, die er uns kurzerhand schenkte – so schnell kanns gehen.
Etwas nervig ist die Tatsache, dass man tatsächlich durch alle Räume eines langen Besichtigungswegs laufen muss, um zur Sixtinischen Kapelle zu kommen. Oder wir haben einfach nur den richtigen Weg nicht gefunden.
Das war zwar alles schön und hübsch und bunt und so, sehr beeindruckende Bilder, Wandteppiche und Deckenbemalungen, aber es war zu viel. Und zu warm. Und zu voll.
Auch die Sixtinische Kapelle selbst war so überfüllt, dass man sie kaum genießen konnte. Man wurde von den Wachleuten praktisch weitergescheucht, um neuen Besuchern Platz zu machen, und überhaupt war das ganze nach all dem, was man vorher schon gesehen hatte, weit weniger beeindruckend als gedacht und irgendwie auch gehofft. Ich weiß nicht, ob ich mit dem Wissen 16 € für diesen Besuch bezahlen würde.

Das nächste Ziel im Vatikan war der Petersplatz mit optionaler Besichtigung des Petersdoms. Die Schlange vor dessen Tür (beziehungsweise vor den Kontrollen, die man passieren musste, um überhaupt erstmal zu den Schlangen vor den Türen zu kommen) ging allerdings um drei Viertel des Petersplatzes und so haben wir uns diese „wichtigste katholische Pilgerstätte“ entgehen lassen. Sind ja eh evanglisch.
Der Platz an sich war aber sehr beeindruckend.

Danach war der Tag im Grunde schon zu Ende. Belle und das Bruderherzchen waren müde und geschafft nach dem Marathon durch die Vatikanischen Museen, deshalb gabs Schnitzelbrötchen zwischen Petersom und Engelsburg und eine Busfahrt zum Hauptbahnhof; danach eine ungeplante längere Pause am Bahnhof in Sassone, weil man uns ein weiteres Mal vergessen hatte. Tja, man soll den Tag (oder den Shuttle-Service) wohl nicht vor dem Abend loben…

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten und damit letzten hier)

Bloß ein bisschen Angst

Von Zeit zu Zeit – jetzt, da es immer schneller auf den Beginn des Übungsbetriebs in der Uni zugeht, immer öfter – frage ich mich, welcher Teufel mich bitte geritten hat, als ich mit als studentische Hilfskraft gemeldet habe.

Wie konnte ich nur so vermessen sein und denken, dass ich das kann? Als kleine Studentin im gerade einmal dritten Semester? Wieso?!
Ich sehe mich schon vor der Übungsgruppe stehen, kein Wort herausbringend während langsam all mein Wissen zähflüssig auf den grauen Boden tropft, mich schleichend aber unaufhaltsam verlässt. Ich seh schon die murmelnden Studenten, wie sie da sitzen und zuschauen, meinem Herzrasen und meinen zitternden Fingern. Meine eigenen Kommilitonen, kopfschüttelnd über dieses Mädchen, das ihren eigenen Kram kaum hintereinander bekommt und meint, sich jetzt auch noch von der Uni bezahlen lassen zu können.
Wieso bitte habe ich nicht noch ein Jahr warten können? Wieso?!

Dann mache ich die Augen zu und atme tief durch. Halte mir vor Augen, dass wir Grundlagen behandeln, wirklich nur Grundlagen. Dinge, die ich mir vielleicht nochmal anschauen muss, aber eigentlich kann. Und dass es nicht schlimm ist, mal eine Antwort nicht zu wissen, weil niemand alles weiß. Und dass ich wachsen werde an dieser Aufgabe, die da vor mir liegt. Das ist überhaupt das motivierenste: Wie auch immer es ausgeht, ich werde daran wachsen. Und das schaff ich. Und eigentlich freu ich mich sogar drauf.

Ich hab bloß ein bisschen Angst…

Staub, Sand, Sonne: Italien, die Vierte (7.10.2014)

Um nicht in Zeitnot zu geraten, haben wir die Ausgrabungsstätten (die ja im Colosseums-Ticket enthalten waren) heute als erstes in Angriff genommen. Und ganz ehrlich: Ich bin hin und weg.

Um den Palatino und das Foro Romano herum ist ein Freilichtpark angelegt, in dem man wirklich schön spazieren gehen kann.
Wir haben zuerst Stunden auf dem Palatino verbracht, zwischen den Ruinen der alten römischen Herrenhäuser sowie Bäumen und Sträuchern. Es war nicht allzu überlaufen – anscheinend haben die Menschen alle ihre Zeit im Forum des alten Roms verbracht. So konnten wir ganz in Ruhe den Schatten und die beeindruckenden Mauern genießen, was wir so ausgiebig machten, dass am Ende keiner von uns mehr so richtig Lust hatte, sich in das Getümmel rund ums Forum zu stürzen.

Also gabs Mittagessen an der Metrostation und dann gemütliches Schlendern über die Piazza del Popolo, die Piazza di Spagna (natürlich inklusive der Spanischen Treppe, die muss man ja mal hoch- und runtergelaufen sein) bis hin zum Hard Rock Café. Dort konnten wir, unbehelligt von den Kellnern (die unsere Anwesenheit irgendwie ausnahmslos recht wenig interessierte), die restlichen Postkarten an Familie und Freunde schreiben.

Aufgrund einsetzender akuter Erschöpfung nahmen wir eine spontane Umplanung des Abends vor und reservierten einen Tisch im hoteleigenen Restaurant. Die Idee stellte sich als nur mittelgut heraus…
Vielleicht hätte die Tatsacge, dass man uns am Bahnhof vergaß und stehen ließ, eine Warnung sein sollen. Irgendwie schien nämlich die reguläre Hotelbelegschaft frei zu haben: unsere Fahrerin beispielsweise hatte zwar einen humaneren Fahrstil drauf als ihr Kollege, sprach dafür jedoch noch weniger Englisch – so weit das möglich ist. Die ihr zur Verfügung stehenden Vokabeln beschränkten sich auf „Hi“ und „Okay“.
Wirklich problematisch wurde das jedoch erst, als sich herausstellte, dass die gute Frau zusätzlich an dem Abend unsere Kellnerin sein sollte.
Die Bestellung erfolgte nun also mithilfe unserer Hände, Füße und der Italienischkenntnisse, auf die man zurückgreifen kann, wenn man Latein und Spanisch kann und zudem mit offenen Augen durch die Welt läuft. „Senza carne! E acqua frizzante!“
Die Bruschette waren schwarz, die Kartoffeln kalt – und das alles zu Preisen, die eine hervorragende Küche versprechen. Relativ ernüchternd.
Als Nachtisch gabs deshalb Schokolade im Hotelzimmer. Auch lecker!

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)