„Irgendwas mit Weihnachten…“: Die Geschichte des alten Dachses

Titelbild

Kichernd bleibt Frau Maus kurz stehen, als der alte Dachs sich an einem Baumstamm festhält, um wieder zu Atem zu kommen. So lange schon hat er nicht mehr schallend laut gelacht, dass er kurz hat überlegen müssen, ob sich das für einen reifen Herrn seines Alters geziemt. Aber nach diesem Sommer, und beim Gedanken an die Dame aus Rom, der er das Pelztäschchen entwendet hatte, konnte er dann doch nicht an sich halten.

Nach einem kleinen Spaziergang sind Frau Maus und der Dachs endlich am neuen Dachsbau angekommen und Frau Maus bewundert den eingeschneiten Eingang. „Der ist ja sogar seniorengerecht“ witzelt sie, wird vom alten Dachs jedoch würdevoll überhört.
Auf dem Weg in den Bau hinein entziffert sie das kleine Schild, auf den der Dachs seinen Namen geschrieben hat: „Max der Dachs“ steht da und Frau Maus ist etwas überrascht, hätte sie diesem alten, würdevollen Dachs doch einen deutlich erhabeneren Namen angedichtet.
Gespannt folgt sie Max in seine Wohnung und ist genauso überrascht wie er, auf dem Boden vor dem prasselnden Kamin die zusammengerollte Eika zu sehen. Wohlig rollt die sich auf den Rücken und springt plötzlich auf, als sie den Dachs sieht.

„Entschuldigen Sie die Störung, Herr Dachs, aber die Amsel hat mir erzählt, wo Sie jetzt wohnen, und da wollte ich es doch schon einmal ein bisschen gemütlich machen, als Sie nicht hier waren. Dabei muss ich wohl eingenickt sein…“
„Aber nicht doch“ beschwichtigt Max das Eichhörnchen, dem diese Sache sichtlich unangenehm ist. „Machen Sie es sich ruhig bequem – und sagen Sie doch bitte du zu mir, Sie beide. In meinem Alter möchte ich mich nicht mehr mit überflüssigen Förmlichkeiten herumschlagen.“

„Also gut, warum wir Sie… ähm, warum wir dich gesucht haben…“, nervös kichert Frau Maus. Soll sie ihn nun wirklich Max nennen? Der Name passt doch überhaupt nicht zu ihm! Zum Glück ist Eika etwas weniger scheu und unterbricht Frau Maus.
„…wir haben nun schon so viele Sachen gefunden, die mit diesem Weihnachten zu tun haben, dass wir unbedingt fragen möchten, ob du etwas darüber weißt. Wofür sind zum Beispiel die Sterne, die Bo und Bea gefunden haben?“
Nun gibt es auch für Frau Maus kein Halten mehr. „Warum drückt die Frau vom Förster mit einem komischen Stück Holz auf dem Tisch herum?“ – „Wer ist das Christkind?“ – „Und kann man mit diesem roten Glitzerdings vielleicht zaubern?“
Erwartungsvoll und mit großen Augen schauen Eika und Frau Maus ihren Freund Max an. Der lacht leise und macht einen Vorschlag: „Lasst uns doch gemeinsam vor dem Kamin eine große Kanne Tee trinken und ich erzähle euch, was ich weiß.“
Frau Maus nickt begeistert. „Wir können dir das rote Glitzerding auch zeigen, hast du daran gedacht es mitzunehmen, Eika?“, doch das Eichhörnchen schaut nur betreten zu Boden. Tatsächlich, in der Aufregung, den neuen Wohnort des Dachses zu kennen, hat sie die hübsche Kugel ganz vergessen. Ganz traurig und leise sagt sie „Und dabei wollte ich doch so gern wissen, ob man damit zaubern kann…“, und sofort streicht der Dachs beruhigend mit einer Pfote über ihre Schulter.
„Keine Sorge, ich habe gehört, was ihr da gefunden habt, und wenn ich richtig liege…“ Nun beugt er sich zu Eika hinunter und flüstert ihr ins Ohr „… dann kann man damit sogar irgendwie zaubern.“ So schnell kann Frau Maus gar nicht gucken, wie Eikas Gesichtsausdruck sich von todunglücklich in ein Strahlen verwandelt. Plötzlich muss alles ganz schnell gehen und wenig später sitzen sie zu dritt auf dem flauschigen Teppich vor dem Kamin, während sich erwartungsvolle Stille im Dachsbau ausbreitet.

Dachs

„Also, meine Lieben“ beginnt der Dachs. „Ich habe viele Jahre lang dicht bei den Menschen gelebt, das wisst ihr ja. Ich könnte euch nun auch erzählen, was es mit der Weihnachtsgeschichte zu tun hat, aber ich glaube, dass unser kleiner Freund Willi diese Geschichte erzählen möchte, wenn wir gemeinsam feiern. Deshalb erzähle ich euch lieber etwas über die Angewohnheiten und Bräuche der Menschen und wie man mit eurer roten Glitzerkugel zaubern kann.“

Frau Maus zuckt etwas zusammen, als sie das Juchzen ihrer Freundin Eika hört, deren Augen mit dem Feuer im Kamin um die Wette leuchten. Max lächelt gutmütig und erzählt weiter.

„Es gibt nämlich den Zauber der Weihnacht. Wenn es auf die Weihnachtszeit zugeht, dann haben ganz viele Menschen ein Kribbeln im Bauch, besonders Kinder. Sie freuen sich so sehr auf all das, was Weihnachten für sie bedeutet, dass sie schon Wochen vorher anfangen, darauf zu warten. Dann gibt es Adventskalender und Adventskränze, die die Wartezeit verkürzen und jede Woche etwas heller strahlen.
Aber manchmal verlieren Menschen den Weihnachtszauber einfach.“

Eika, die bis gerade eben noch in der Vorstellung schwelgen konnte, wie schön die Häuser der Menschen zu Weihnachten aussehen mögen, reißt erschrocken die Augen auf.
„Aber wieso verlieren sie denn den Weihnachtszauber?“ fragt sie empört.

„Tja, das weiß ich leider nicht so genau – manche vergessen einfach, was Weihnachten bedeutet. Manche sind traurig, weil ihnen jemand fehlt, mit dem sie gern feiern möchten und können den Weihnachtszauber alleine nicht behalten.
Bei so einer Frau habe ich als junger Dachs einmal den Winter verbracht. Jeden Abend saß sie mit mir zusammen auf der Terrasse, hat mir etwas zu futtern hingelegt und für sich selbst eine große Tasse Tee mitgebracht. Manchmal hat sie mir erzählt, von ihren Eltern und ihren Freunden, aber als es auf Weihnachten zuging, hat sie immer weniger gesprochen. Ich hatte das Gefühl, dass ihr Haus immer dunkler wurde, während alle Häuser in der Nachbarschaft mit jedem Tag heller zu leuchten schienen. Und die ganze Zeit habe ich überlegt, wie man es nur schaffen könnte, auch sie zum Leuchten zu bringen.“

„Und, hast du das auch geschafft?“ fragt Frau Maus atemlos. Wer hätte gedacht, dass eine Weihnachtsgeschichte so spannend werden könnte?

„Irgendwann fand ich in einer ihrer Mülltonnen, die ich immer nach Leckereien durchsuchte, einige Kisten mit braunen und beigefarbenen Glitzerkugeln und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie wegwerfen wollte. Wer könnte so etwas Schönes wegwerfen wollen?“

Frau Maus stieß Eika an. Genau das hatten sie sich doch auch gedacht!

„Also habe ich die schönsten Sachen aus der Tonne geholt und ihr auf die Terrasse gelegt. Das musste doch ein Fehler gewesen sein, das konnte sie doch nicht gewollt haben!
Und als sie am nächsten Abend rauskam zu mir, da konnte sie die Kugeln und Sterne schon durch das Fenster sehen. Erst hat sie ganz komisch geguckt, dann hat sie geweint – und wenig später sah ich sie im Wohnzimmer auf und ab laufen, während sie mit jemandem sprach.
Erst war ich besorgt, dass die hübschen Dinge sie traurig gemacht, dass ich sie traurig gemacht hätte, aber dann begann auch ihr Haus zu leuchten. Also haben die Kugeln und Sterne, all das Glitzer, irgendwie gezaubert.“

Mit offenem Mund schaut Frau Maus Max an. So einfach ist das also, das Zaubern? Nur Eika scheint etwas enttäuscht, dass die Kugeln offenbar keine Nusstorten herbeizaubern können, doch schnell fängt sie sich wieder.

„Das bedeutet, wir müssen die ganzen Glitzersachen nur hübsch hinlegen, dann zaubern sie für uns?“ fragt sie mit schläfriger Stimme. „Ja, ganz genau.“ – „Und wie ist das jetzt mit dem Christkind?“ Max lacht. „Vielleicht erzählen ich morgen weiter. Ihr scheint beide ziemlich müde zu sein. Wollt ihr hier bei mir schlafen?“

Mehr als ein Nicken bringen weder Frau Maus noch Eika zustande, da sind sie schon eingeschlafen. Gut, dass der Teppich so weich ist! Aufatmend legt sich nun auch Max in sein Bett und folgt seinen beiden Besucherinnen ins Reich der Träume.

Ob sie wohl heute Nacht von Weihnachten träumen?

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Ich habe mich wirklich wahnsinnig gefreut, an diesem Projekt teilnehmen zu dürfen und hoffe, es hat euch gefallen.
Wer den Anfang verpasst hat, findet ihn hier bei Sarah von Mamagogik, das letzte Kapitel hat uns gestern Béa von Tollabea präsentiert (sie hat auch diesen zuckersüßen Dachs gezaubert) und morgen geht es weiter bei Beatrix von Hunger! Pipi! Langeweile!

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4 Gedanken zu “„Irgendwas mit Weihnachten…“: Die Geschichte des alten Dachses

  1. Pingback: Irgendwas mit Weihnachten: Spuren im Schnee #Bloggeradvent – bilder.grossekoepfe.com

  2. Pingback: Irgendwas mit Weihnachten: Wie der Elch Claus Weihnachten rettete #bloggeradvent - Terrorpüppi

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