Heute war es Krieg

Renn, Mädchen, renn – ich habe deinen Freund, ich habe deine Familie, ich habe deine Lieben und deine Liebe und dein Leben. Und ich sage: Renn! Renn um sie zu suchen, um sie zu finden und zu retten. Renn um dein Leben und um ihres, renn vor deiner Panik davon und doch zugleich wieder auf sie zu.

Du weinst und du schreist und du resignierst irgendwann, denn du entkommst meinen Fängen nicht mehr, nie mehr.
Du beginnst trotzdem klar zu denken? Schön für dich. Du erkennst den Traum, der ich in Wahrheit bloß bin? Klingt super, aber wir wissen beide, dass es damit nicht getan ist. Nur weil du weißt, dass du träumst, wachst du noch lange nicht auf.

Stattdessen seh ich dich da stehen, wie du die Augen zukneifst und dir selbst sagt, dass in der Wirklichkeit alles gut ist. Wie deine Hände zittern, das sehe ich genau, und wie dich selbst der Glaube verlässt, dass alles gut ist.
Der Unterschied zwischen wissen und wissen, erinnerst du dich noch? Du weißt, dass die Situation nicht real ist, das ich nicht real bin, aber deine Angst ist es. Deine Angst ist so real, dass sie dein Herz davongaloppieren lässt und deine Hände zittern und du willst nur deinem Herzen hinterher, Hauptsache weit weg.
Doch spätestens wenn dir die Kugeln um die Ohren fliegen und Granaten neben deinen Füßen explodieren, dann ist es vorbei. Schade für dich, dass du nicht einfach rational bleiben und mich ruhig aushalten kannst. Zu blöd für dich, dass du dich selbst noch so sehr im Griff haben kannst und ich dir trotzdem immer entwischen werde.

Ich würde ja sagen, dass es mir leid tut, aber dafür ist es zu unterhaltsam. Renn weiter, Mädchen, kämpfe und verliere. Jeder Sieg ist temporär, jeder Triumph eine Falle, jede Atempause eine Farce. Kritisch wird es erst, wenn deine Panik in die Realität durchbricht. Wenn die Angst so groß ist, dass du um dein Leben brüllst und plötzlich so lebhaft schläfst, dass du (für meinen Geschmack viel zu früh) den Typen neben dir im Bett weckst.
Noch halb im Traum krallst du dich an seinen Händen fest, die dich erfolgreich aus meinen Fängen befreien konnten.

„Heute war es Krieg“ flüsterst du dem Kerl neben dir zu.
Ich kenne ihn gut, er stirbt bei uns besonders häufig.
Nun ist er jedoch wach und hört dir zu, während deine Stimme noch immer zittert. Vielleicht zieh ich mich zurück für diese Nacht, aber wir wissen beide, dass ich immer im Dunkel lauern werde, wenn du schlafen gehst.

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Manchmal so fremd

Manchmal blickt er auf, hochgeschreckt aus seinen Gedanken und viel zu plötzlich von einer in eine andere Welt gerissen, von seiner in die Welt seiner Mitmenschen. So vertieft in ihre Gespräche sind sie, dass niemand etwas merkt: Nicht, wie er von einem zum nächsten Gesicht blickt; nicht wie er aufgibt, ihrem Gespräch zu folgen, und trotzdem vorgibt, ganz dort zu sein; nicht wie alles, was sie sagen, sich nahtlos in das Rauschen um seine Ohren einfügt.
Manchmal, für kurze Momente, überwältigt ihn ein Anflug von Panik. Was, wenn sie ihn plötzlich nicht mehr hören, nicht verstehen können – so wie er sie nicht versteht? Was, wenn sie ihn ansehen und erkennen, was in ihm vorgeht?
Nein, die Gefahr besteht wohl nicht, ist doch trotz all der lauten Worte jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt.

Kristin scherzt und lacht, doch ihre Augen sind ernst. Schaut man länger hin, genauer, dann kann man erkennen: Auch der Rest von ihr ist angespannt. Ihr Rücken ist so gerade, ihre Schultern so unbeweglich, dass er sich regelrecht fragt, wie um alles in der Welt sie nur atmen kann.

Luka grinst immer so breit, dass kaum mehr als seine Zähne zu sehen sind. Ebenso wie Kristin scheint er tatsächlich locker und entspannt zu sein, doch vermeidet er es – ob bewusst oder unbewusst – über sich selbst zu reden. Luka, denkt er, verbirgt sich sogar vor sich selbst.

Im Gegensatz zu den meisten anderen hört er Jonas‘ Stimme sehr selten. Manchmal fühlt er sich dadurch gerade ihm besonders verbunden, aber meistens ist er noch viel fremder als all die anderen. Schließlich schafft es kaum jemals etwas von Jonas zu ihm, durch die dicken Wände hindurch, die anscheinend nur von laut und groß und viel durchbrochen werden können.

Und dann ist da noch Lars, der pöbelt und schimpft und blöde Sprüche klopft und sich selbst wirklich ziemlich witzig und unwiderstehlich zu finden scheint. Auch das scheint nur so, aber das sehen wohl nicht viele – obwohl die fiesesten Sprüche, die immer auf Sticheleien und Kritik an Lars folgen, seine Unsicherheit doch so deutlich zeigen.

Wie können die alle so viel denken und trotzdem so… da sein? Wie kann in all diesen Menschen so viel vorgehen und trotzdem wirken sie so vollkommen? So als müsste das so sein?
An manchen Tagen fragt er sich, ob er auch so wirkt, aber das kann nicht sein. Er sitzt da und schaut die anderen an und schwimmt fort von ihnen auf den ganzen Worten, die sie reden. Wie riesige Wellen überschwemmen sie ihn und warten, sitzt er auch noch so still, auf ein Zeichen der Schwäche.
Aber er sitzt und schaut und rührt sich nicht von der Stelle, obwohl er rennen will bis zur Erschöpfung und irgendwo fern von all diesen Wortungetümen umfallen. Weg von all dem Lärm, von den Blicken und den Gesichtern, in denen man so viel lesen kann, häufig so viel mehr als man will.

Wo er sich nicht so fremd fühlt und so falsch, wo er nicht abwägen muss zwischen Anpassung und Authentizität.

Kurzer Monatsrückblick (01/16)

Allgemeine Stimmung. Eigentlich ganz okay mit einem kleineren Einbruch gegen Ende des Monats. Schöne Geburtstage verbracht und anstrengende Feier-Wochenenden. Tausendmal dankbar gewesen, dass der Freund und ich so kurz hintereinander Geburtstag haben und wir diese Feierei nur einmal im Jahr machen müssen.

Bewegen. Bin tatsächlich fast immer zu dem Kurs gegangen, zu dem ich mich angemeldet hatte, und nicht nur das: Werde mich sogar für die Semesterferien zu einem weiteren anmelden. Was für Aussichten…

Schauen. Angefangen mit „How to get away with murder“, fertig geworden mit „Angel beats!“ und abgesehen davon eigentlich gar nichts, glaub ich. Uni hatte jeden einzelnen Tag voll im Griff.
Nun wollte ich beginnen, Hart of Dixie zu schauen, stellte dabei aber fest, dass Netflix das nicht hat. Alles gegen mich!

Hören. Von der Berlinerin angesteckt und begonnen, die Musik des Musicals „Hamilton“ zu hören. Falls ihr das nicht kennt: Hört es euch an! Unglaublich gut, wahnsinnig berührend und ziemlich mitreißend.

Essen. Fantastische Tapas am Geburtstag, das war großartig. Da könnte ich mich reinlegen, oder doch mindestens ins Fresskoma essen. Als wir da rauswaren, ging auch nicht mehr viel…

Menschen. Eine herbe Enttäuschung mit dem Uni-Rudel erleben müssen, die mir bezüglich zwischenmenschlicher Kontakte noch immer einiges abverlangt. Muss ich wirklich meine Ansprüche senken, ist Loyalität tatsächlich zu viel verlangt? Tja, vielleicht ist auch meine Definition von Loyalität einfach eine andere.

Tiefpunkte. Obig erwähnte Enttäuschung.

Highlights. Die Geburtstage waren sehr schön, die Zeit mit dem Freund habe ich wie immer sehr genossen, aber ein einzelnen Highlight kann ich für den Januar nicht festmachen.