K(l)eine Zweifel

Ich zweifle nicht wirklich an meiner Entscheidung und daran, ob es richtig ist, mit dem Freund zusammen zu ziehen. Das klingt in diesem Satz sogar noch unsicherer als es tatsächlich ist, also noch einmal ganz deutlich: Ich weiß, dass das genau das ist, was ich will. Genau so möchte ich leben (und wenn man mal ehrlich ist, dann leben wir schon seit längerem genau so, bloß nicht offiziell und jeder hat noch eine eigene Wohnung).

Trotzdem ändert das leider in keinster Weise den immer mal wieder aufflammenden Impuls, wegzulaufen. Mein alltime-favourite der irrationalen Reaktionen, mein Pro-Tipp für besonders erwachsenes Verhalten. Der Freund weiß das, aber ich glaube nicht, dass ihm bewusst ist, wie stark dieser Impuls sein kann.
Mich auf ihn einzulassen erfordert eine Menge Mut, und vor allem eine Art Mut, die ich nie gehabt habe. Die Zukunft ängstigt mich und wie er sein wird, wie ich sein werde. Mich auf das zu freuen, was in ein paar Jahren sein wird, ängstigt mich. Es wäre viel schmerzhafter, so unendlich schmerzhaft, etwas zu verlieren, das man nie gehabt hat – aber hätte haben können. Leider Zum Glück ist es zu spät, hier unbeschadet wieder raus zu kommen, also Augen zu und durch. Das Glück, ihn bei mir zu haben, entschädigt für die Angst.
Endlich nicht mehr feige sein, wenigstens hier nicht.

Weglaufen kann ich anderswo.

Big news

Kurz-vor-Klausur-Zeit, Lernzeit, Prokrastinationszeit – wie sehr sich manches verändert hat und wie gleich doch alles immer wieder ist.

Seit dem letzten Blogeintrag ist einige Zeit vergangen. Inzwischen ist das Sommersemester fast vorbei, Belle hat eine Menge gelernt und der Freund ist mehr denn je Teil ihres Lebens. Warum?
Spätestens zum ersten September, wohl eher schon im August, werden er und sie gemeinsam in eine eigene Wohnung ziehen. Also raus aus dem WG-Leben, weg von Klopapier-Desaster und dreckigen Küchen, in schwindelerregender Geschwindigkeit auf ein neues Leben zu – und das ist gut.

Zwischendurch erschreckt es mich, wie verbindlich so ein Zusammenziehen alles macht. Wie sehr es in näherer Zukunft Alltag werden wird, sehr erfreulicher Alltag, mit dem Freund zusammen zu wohnen. Gedanken darüber, wie man sich organisiert, wie man Freiräume schafft und das Zusammenleben dann einfach genießen kann. Ich möchte wieder mehr Zeit finden, meine Gedanken zu formulieren. Immer wieder gerät mir in Vergessenheit, wie gut das tut. Sich Dinge von der Seele zu reden, zu schreiben, zu denken.

Zeit zu finden

Langsam geht, ich merk es kaum,
Die Sonne unter über’m See.
Lehn schon zu lang an diesem Baum;
Inzwischen tut mein Rücken weh.

Wo kommen all die Vögel her?
Schweigend sitz ich hier und staune
Still lausche ich, hör immer mehr,
Wo ist sie hin, die schlechte Laune?

Für Dinge, die so herrlich sind,
(das denk ich, als die Vögel schwinden)
Ob Sonnenschein, ob rauer Wind,
Lass mich doch öfter Zeit mal finden.

Zeit zu finden für die großen Dinge und die kleinen. Mit der Berlinerin zu telefonieren, Briefmenschen zu antworten, Zeit, die „Zeit“ zu lesen. Zu bloggen, ein wenig.

Ob das schaffbar ist?

Was ganz altes Neues.

Ich glaube, ich habe es bereits erwähnt: Mein Umzug in die Unistadt beflügelte das Bruderherzchen in seinen Bemühungen, mein großes Zimmer zu bekommen. Nachvollziehbar, ich hab schließlich seit ich 16 war im großen Elternschlafzimmer gewohnt – dass er da ganz gerne irgendwann mal mein Erbe antreten möchte, das ist nur logisch. Und nun ist es so weit.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich die erste Nacht wieder in meinem alten „Kinderzimmer“ geschlafen. Während ich in der vergangenen Woche wieder ins Unileben eingestiegen war, hatten nämlich Mama Belle und das Bruderherzchen unter Aufbringung aller körperlichen Reserven (und Einbeziehung meines Patenonkels und anderer hilfsbereiter Mittäter) den Umzug über die Bühne gebracht. Zugegeben: So viel umzuziehen gabs überhaupt nicht mehr, das meiste ist ja mit mir in die Unistadt gekommen. Aber ein großes Bücherregal, ein Schreibtisch und tausend Kleinigkeiten, die irgendwo in meinem Zimmer umherflogen und selbst meine geliebte, über und über mit Erinnerungsstücken beklebte Zimmertür haben sie ummontiert. und noch etwas gab es, das mir den Einzug/Rückzug versüßt hat:

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Schon Ewigkeiten lang hatte ich mit diesem hübschen Stück Holz geliebäugelt, und als ich am Donnerstag zuhause eintraf, hing es an meiner Wand – und passt hervorragend zu deren Farbton!

Und obwohls noch immer komisch ist, in das andere Zimmer zu gehen, ist es okay.

Katzenjammer

Im Romurlaub hatte das Bruderherzchen Geburtstag und gestern, nachdem wir alle wieder sowohl körperlich als auch geistig in Deutschland angekommen waren, gabs bei Papa Belle Frühstück und die komplette „Bescherung“ (das Gewichtslimit im Flugzeug hatte uns davon abgehalten, alles mit nach Italien zu nehmen).

Neben ein paar Kleinigkeiten (und ein, zwei größeren Kleinigkeiten) gabs für das Brüderchen Geigensaiten. Die Geige ist meine, sie liegt seit Jahren unbenutzt rum, seit ich sie mal von einer Bekannten geschenkt bekommen hatte. Der Musicworld-Beratungsmensch schlug bei ihrem Anblick die Hände über dem Kopf zusammen, und prophezeite mit Grabesstimme „Damit werden Sie nicht lange Freude haben, das ist einfach nur Sperrholz.“, aber neue Saiten hat er uns dann doch draufgezogen.
Es geht auch nicht darum, dass hier jemand Geigenprofi werden will, ja nicht einmal Unterricht wirds geben. Das Bruderherz ist musikalischer Autodidakt und bringt sich mit Begeisterung alles selbst bei.

Seine Begeisterung über dieses Geschenk war jedenfalls immens, und ich werde das Gefühl nicht los, dass Mama Belle das irgendwie geplant hat – denn da in meinem Elternhaus nun schiefe Töne und Katzenjammer deluxe vorherrschen werden, fällt mir die Rückkehr in die Unistadt zum Semesterstart wesentlich leichter.

Das Wort zum… Montag!

Achterbahn, oder so etwas ähnliches.

Nun ist es schon über eine Woche her, dass ich die erste Nacht hier geschlafen habe, und ich warte noch immer geduldig darauf, dass ich mich hier mehr zuhause fühle.
Zur Zeit ist es schwierig und anstrengend und fühlt sich an wie viel zu viel, aber ich bin optimistisch, es wird wohl besser werden. Es kann auch eigentlich nur noch besser werden, bisher führte die imaginäre Achterbahnfahrt der Emotionen nämlich vor allem ziemlich steil bergab. Und ich frage mich immer wieder, wieso ich überhaupt eingestiegen bin. Achterbahnen vertrage ich doch gar nicht! Weiterlesen

fertig.

Nun sitze ich hier und kann voll des Stolzes verkünden: Es ist geschafft! Die Regale sind eingeräumt das Bett ist bezogen und ich sitze an meinem Schreibtisch, der schon wieder genau so voll gepackt ist wie er es bei mir zuhause war. Wird das jemals anders sein? Ich zweifle daran.

Und da nicht nur das Zimmer fertig ist, sondern ich es auch bin, werde ich nun ins Bad gehen und mich dann mit Laptop oder Buch (mal sehen, wie lesefaul ich bin) ins Bett setzen/legen. Neues Bett, neue Matratze. Und was ich jetzt träume wird Wirklichkeit, so war es doch, oder?

Platt wie ein Brötchen

Dieser Artikeltitel begann schon in meinem Kopf mit den Worten „Platt wie…“, denn das trifft meine Gemütslage sowie körperliche Verfassung aktuell am konkretesten. Ich war mir nur nicht sicher, wie platt ich bin. Wie ein Brötchen? Wie ein Turnschuh? Wo kommen diese Sprichworte eigentlich alle her, und wieso sind Brötchen platt?
Na, ist ja auch egal. Ich habe jedenfalls heute fast den kompletten Umzug hinter mich gebracht. Viel eher als geplant (der Vormieter hatte mir ja eigentlich den Montag als Auszugsdatum zugesagt), aber ist ja jetzt auch nicht schlecht. Und wenn es gut läuft, werde ich morgen schon dort schlafen. Weiterlesen

Zurück in der Zivilisation

Endlich wieder zuverlässiges Internet!

Vor einigen Tagen hat uns leider unser WLan-Router verlassen (samt Netzstecker, der irgendwie plötzlich seltsam schröggelich roch. Schröggelich, ist das eigentlich ein Wort? Sauerländer Platt wahrscheinlich, und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ichs mit -g oder -ch am Ende schreibe!). Auf jeden Fall war es dann tot, und mein Dorf gehört leider zu denjenigen, die bezüglich des mobilen Internets relativ wenig ausgebaut sind. Weiterlesen

Gefühlschaos

Dieses „Ich zieh in meine Unistadt“-Ding wirft seine Schatten voraus. Ich bin ohnehin nah am Wasser gebaut (manche Leute meinen, ist doch toll, denn auf die Tränendrüse drücken fällt mir ziemlich leicht – ist aber nicht toll, ist nervig und anstrengend) und das tritt seit gestern vermehrt zutage.

Der Freund hat das Bruderherz und mich heute Morgen zur Ostervorbereitung begleitet und ist danach wieder nach Hause gefahren. Eigentlich wollte ich ihm ganz ruhig sagen, dass ich es voll daneben finde, ihn so wenig zu sehen und dass das Wochenende, das wir gemeinsam hatten verbringen wollen, nun doch erheblich kleiner geworden ist. Der gemeinsame Teil jedenfalls.
Aber nicht einmal das konnte ich, ohne fast die Fassung zu verlieren, weshalb ich ihn dann einfach hab fahren lassen. Soll er doch, auch egal.

Als dann allerdings zwischen Mama Belle und dem Brüderchen die Diskussionen losgingen, was mit meinem Zimmer passiert, wenn ich ausgezogen bin, war es mit meiner Contenance recht schnell wieder vorbei. Wie die Aasgeier!
Nein, das ist jetzt zu gemein, ich kanns ja verstehen. Ich bewohne zur Zeit das größte Zimmer in diesem Haus und dass das, wenn ich dann ausziehe, nicht leer stehen soll, das ist ja klar. Und das Bruderherz ist da eh schon lange scharf drauf. Aber ich will eigentlich in meinem Zuhause nicht nur irgendein Zimmer haben, irgendein Bett, in dem ich dann schlafen kann wenn ich mal hier bin, ich möchte gern mein Zimmer behalten. Das Zimmer, in dem ich die letzten vier Jahre verbracht habe und in dem eine ganze Menge Erinnerungen stecken. Und mein Bett!
Da ich – wie auch wir alle – schon ewige Zeiten ein Wasserbett habe, ist das nicht so einfach mal eben abgebaut. Es wird mich deshalb in die Studentenbude erstmal nicht begleiten und das Bruderherz hätte es gerne. Kann ich auch verstehen, ich würde es auch haben wollen, wenn es nicht eh meins wäre. Aber bitte, hier auf einem 90-cm-Bett zu schlafen, wenn ich mal nach Hause komme? Nein, danke. Echt nicht. Ich glaube, da würde ich im Zweifelsfall eher wieder in die Unistadt fahren statt hier zu übernachten. Und zu zweit in einem kleinen Bett ist auch mehr als unschön. Diese Option ist in meinen Augen eigentlich keine.

Nach einem Tränenausbruch, der sich (und dabei habe ich mir echt Mühe gegeben) nicht mehr als Allergieschub tarnen ließ, ist die vorläufige Variante nun, dass das Bruderherz zwar in meinem Zimmer schlafen, nicht jedoch die Dekoration und alles andere im Zimmer an seine Vorlieben anpassen wird. Damit können wir, so glaube ich, beide erstmal leben.
Ihm geht das natürlich nicht schnell genug, er hätte dieses Zimmer lieber gestern als heute als sein eigenes, aber damit kommt er schon klar. Ich kann, will und werde auch nicht alles aus diesem Zimmer mitnehmen. Alleine, weil mein Zimmer hier um einiges größer ist als das WG-Zimmer, und außerdem, weil ich in unbändiger Sammelwut ziemlich wenig wegwerfe. Ich habe jetzt noch Abläufe von Konzerten, Gottesdiensten oder Theaterstücken, die sieben Jahre her sind. Könnte man ja vielleicht mal wieder brauchen, wer weiß…

Ich bräuchte mehr als nur einen Kleinlaster, um alles mitzunehmen, was hier in den Ecken lagert, und lieber wäre es mir, mit weniger dort anzufangen.

Nebenbei ist irgendwo tief in mir aber auch ein gutes Stück Vorfreude, das sich leider nur hin und wieder mal um die Ecke traut. Das sagt „Du schafft das schon, und das wird super!“

Nun gut, es ist jetzt fix, die kleine Belle zieht zuhause aus. Man wird sehen, wie das noch wird – meine Gefühle dazu sind noch sehr widersprüchlich. Aber wird bestimmt gut.