Weihnachtsmann oder Christkind (und andere Gedanken zu den Feiertagen)

Irgendwo kam vor kurzem die Frage auf: Nikolaus oder Christkind?
Da musste das kleine Weihnachtsherzchen in mir gewaltig schlucken, um die Tränen bei sich zu behalten. Ehrlich? Nikolaus oder Christkind?
Zunächst einmal: beide! Schließlich bringt der Nikolaus am (Überraschung!) Nikolaustag ein paar Kleinigkeiten, während das Christkind für Heiligabend zuständig ist. Die beiden kommen sich also gar nicht in die Quere, deshalb find ich die Frage an sich schon blöd.
Zieht man in Erwägung, dass gemeint war „Weihnachtsmann oder Christkind“, dann versteh ich die Frage immerhin, bleibe aber beim Christkind. Aus Prinzip und für immer. Das musste mal gesagt werden!

Und immerhin gibt es solche Konstanten im Leben, wo schon Weihnachten ansonsten schwer darum kämpft, immer weniger schön zu werden. So viele um mich herum haben Probleme mit Depressionen, besonders um Weihnachten herum. Da habe ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich mich so freuen kann, während andere all den Glitzer und das Glück nicht sehen.
Das Bruderherzchen wird einzig durch eine fiese Drohung des Freundes davon abgehalten, auch dieses Jahr wieder der Grinch zu sein: Während nämlich wir alle schon vergangenen Freitag im siebten Star-Wars-Teil waren, geht Bruderherz erst kommenden Dienstag ins Kino und möchte auf gargargar keinen Fall gespoilert werden. Ein besseres Druckmittel könnte es kaum geben, denn wenn er mir nun Weihnachten madig zu machen versucht, plant der Freund, ihm ein, zwei hübsche Details am Sonntag zum Familienweihnachtsfest zu servieren.
So trägt er immerhin etwas zur Weihnachtsstimmung bei, wo wir die Feiertage schon getrennt von einander verbringen werden: Der Freund weilt bei seiner Familie, Belle bei der ihren. Für dieses Jahr noch gerade so erträglich, nächstes Jahr dann bitte in anders und besser.

Mehr Gedanken sind gerade gar nicht verfügbar. Müdigkeit gibts, Erschöpfung und einen Bauch voll Vorfreudeschmetterlingen.
Habt schöne Feiertage!

Dieses Weihnachtsstimmungsding

Weihnachten ist immer schon mein Lieblingsfeiertag, mein Lieblingsfamilienfest, meine Lieblingsferienzeit, meine Lieblingszeit gewesen.
Noch weit über das normale Alter hinaus habe ich die Augen verschlossen vor Desillusionierung, vor der unvermeidbar scheinenden Entzauberung meines Herzensfestes. Längst legendär ist in unserer Familie der Dialog zwischen der jungen Belle und ihren Eltern: „Du, wir müssen dir was sagen… Das Christkind gibt es gar nicht“ – „Und den Osterhasen auch nicht, oder was?!“
Ein kleines bisschen ist meine Welt wohl in der Sekunde zusammengebrochen, auch wenn ich diese Vermutung sicherlich schon vorher hatte – immerhin war ich schon in der Schule. Aber verdammt, ich wollte glauben!

Seit dem verhängnisvollen Abend ist natürlich eine Menge Zeit vergangen, aber ich habe den Weihnachtszauber für mich bewahrt. Ich bestehe aufs Wunschzettelschreiben, wenn es auch „nur“ das gemütliche Beisammensein mit Mama Belle und dem Bruderherz bedeutet, und ich freue mich jedes Jahr wieder aufs Kinderkirchenkrippenspiel. Meinetwegen könnte es ewig so weitergehen.

Doch schon letztes Jahr war irgendwie kaputt und ernüchternd, und ich habe mich mehr auf das Ende der Feierlichkeiten gefreut als auf alles andere. Die bis dahin beste Freundin, die unfeierliche Stimmung im Hause Belle, der umstrukturierte (und falsche!) Heiligabend mit seinem leeren Ausklang… Was wird dieses Jahr bringen?

Eigentlich war ich fest motiviert, mich vom letzten Jahr nicht beirren zu lassen. Der Freund wurde eingestielt, ich konnte Weihnachtsdeko, Plätzchenbacken und Weihnachtsdüfte durchsetzen. Und dann ereilte mich die Erkenntnis: Weihnachten heißt dieses Jahr vor allem, dass der Freund und ich eine knappe Woche getrennt sein werden. Natürlich, das ist nicht die Welt und natürlich haben wir davor und danach – aber wenn Weihnachten doch das Fest der Liebe ist, wie kann ich mich darauf freuen, wenn so ein wichtiger Mensch fehlt?
Ich würde diesen Text gern mit der Lösung meines Problems beenden, ich würde gern sagen: „Überhaupt kein Ding, ich mach das so: *kluge Idee einfügen*, und dann komm ich damit locker klar“, aber ich hab keinen Plan.

Alles, was ich kann, versuche ich: Weihnachtsduft. Weihnachtsshopping. Weihnachtsmusik. Und ein Weihnachtsprojekt, über das ich noch nicht mehr sagen werde, auf das ich mich jedoch sehr freue.
Und mache das beste daraus.

Plötzlich so groß

Auf einmal ist es so weit: Nächste Woche wird das Bruderherzchen 18 Jahre alt werden, endlich volljährig. Endlich? Schon!

In meinem Kopf funktioniert das so leider noch nicht. Die Vorstellung, dass er ab nächster Woche ganz alleine wird Auto fahren dürfen, dass er tatsächlich „erwachsen“ sein soll, das passt einfach nicht. Das kann noch nicht so weit sein.

Für mich ist er immer noch so klein (obwohl er das schon lange, lange nicht mehr ist, seit Jahren schon ist er deutlich größer als ich) und jung (was er nun augenscheinlich auch nicht mehr wirklich ist). Dieser Junge kann nicht volljährig werden! Er kann unmöglich nächstes Jahr Abitur machen und dann weggehen, er ist doch das Küken!
Und dann wagt er es auch noch, diesen denkwürdigen Geburtstag weit weg von zuhause bei einem Kumpel zu verbringen, ganz ohne die Familie…

Aber was habe ich anderes erwartet. Er stellt mich auf die Probe seit er auf der Welt ist, er bastelt an Herausforderungen seit er… nun ja… im Grunde wahrscheinlich seit er denken kann. Niemand kann überrascht sein, dass auch sein 18. Geburtstag eine Herausforderung ist.

Ich hoffe, dass er einen wundervollen Tag hat. Und möge jeder weitere Tag ihm so viel Gutes bringen, dass mit allem Schlechten zu leben ist.

Belle und Menschen.

Als ich gestern auf dem Rückweg in die Unistadt war, traf ich Papa Belle mit seiner Blondine. Wir unterhielten uns, ich erklärte ihr Funktionen ihres Smartphones und versprach, mich darum zu kümmern, wenn sie irgendwann für whatsapp würde bezahen müssen. Das wird irgendwann im April 2015 sein.
Mein erster Gedanke: „Na ja, wenn ihr bis dahin nicht wieder getrennt seid.“ Zweiter Gedanke: „Fänd ich aber blöd, wenn ihrs wärt.“

Ausgesprochen habe ich weder das eine noch das andere, aber lange darüber nachgedacht. Und endlich mein Problem erkannt: Ich mag Menschen zu schnell!

Es fällt mir wahnsinnig leicht, Menschen sympathisch zu finden, wenn ich sie erstmal kennengelernt habe. Da ist (zum Glück?) noch eine Schranke, schließlich lerne ich nicht so schnell Menschen kennen. Und seit diversen Dramen wahre ich auch penibel Distanz zu denjenigen, die ich neu kennenlerne – so weit das möglich ist. Meine Kommilitonen sind auch nach einem Jahr nicht mehr als Kommilitonen, die Mitbewohnerin ist zwar ne ganz liebe, aber ich würde da nicht von Freundschaft zwischen uns reden, und Hobbys hab ich zum Glück ja auch nicht. Also, eigentlich alles easy?

Denkste. Familie gehört nämlich leider nicht zu den Menschen, die ich fernhalten kann. Will ich auch gar nicht. Aber ich wünschte, es fiele mir leichter, mich auf neue Freundinnen meines Vaters einzustellen. Nein, das ist eigentlich falsch. Es fällt mir ja leider ziemlich leicht, mich auf sie einzustellen. Es zerreißt mich nur dann immer, wenns wieder ne Neue ist.

Mit der letzten vor der Blondine waren wir im Urlaub. Das Bruderherzchen hat an Papa-Wochenenden bei ihr übernachtet. Wir haben Abende mit ihrer Familie, ihrer Schwester und deren Familie verbracht. Und nur wenige Wochen, nachdem ich ihr am Telefon von dem Unfall berichten durfte, der meinen Vater kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht hat, war plötzlich Schluss. Und plötzlich war sie persona non grata, ebenso alle anderen Menschen, die man in dem vorausgehenden Jahr liebgewonnen hatte, mit denen man im Urlaub gewesen war.

Das ist scheiße!

Und nun soll mir nochmal jemand erzählen, es sei unfair, der Neuen skeptisch gegenüber zu stehen. Ich war bei lauter Freundinnen ein Musterbeispiel an sonnigem Gemüt, lieb und nett und niemals unfreundlich. Bei der letzten dachten wir alle, es sei diesmal vielleicht für länger, ich hab sie in mein Herz geschlossen, und dann ist sie plötzlich wieder weg.
Als ich von der Trennung gehört habe, hab ich mehr Tränen vergossen als nach meiner eigenen Trennung von meinem Freund.

Der Blondine gegenüber bin ich wirklich sehr skeptisch gewesen. Niemals unfreundlich zu ihr, aber immer distanziert. Körperlich, innerlich, überhaupt. Es war mir suspekt, dass ich mit Ironie nicht umgehen kann, dass sie deutlich älter wirkt als mein Vater und dass sie immer perfekt gestylt rumläuft.
Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen – na gut, sagen wir, gut eineinhalb Jahre – und inzwischen nennen wir die gute Frau allein aus Gewohnheit noch „die Blondine“. So schlimm isse eigentlich gar nicht. Bis ich wirklich darüber nachgedacht habe, dachte ich aber trotzdem, dass sie meinetwegen auch wieder weg sein könnte. Falsch gedacht, ich mag sie.

Tja, so schnell kanns gehen.

Was ganz altes Neues.

Ich glaube, ich habe es bereits erwähnt: Mein Umzug in die Unistadt beflügelte das Bruderherzchen in seinen Bemühungen, mein großes Zimmer zu bekommen. Nachvollziehbar, ich hab schließlich seit ich 16 war im großen Elternschlafzimmer gewohnt – dass er da ganz gerne irgendwann mal mein Erbe antreten möchte, das ist nur logisch. Und nun ist es so weit.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich die erste Nacht wieder in meinem alten „Kinderzimmer“ geschlafen. Während ich in der vergangenen Woche wieder ins Unileben eingestiegen war, hatten nämlich Mama Belle und das Bruderherzchen unter Aufbringung aller körperlichen Reserven (und Einbeziehung meines Patenonkels und anderer hilfsbereiter Mittäter) den Umzug über die Bühne gebracht. Zugegeben: So viel umzuziehen gabs überhaupt nicht mehr, das meiste ist ja mit mir in die Unistadt gekommen. Aber ein großes Bücherregal, ein Schreibtisch und tausend Kleinigkeiten, die irgendwo in meinem Zimmer umherflogen und selbst meine geliebte, über und über mit Erinnerungsstücken beklebte Zimmertür haben sie ummontiert. und noch etwas gab es, das mir den Einzug/Rückzug versüßt hat:

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Schon Ewigkeiten lang hatte ich mit diesem hübschen Stück Holz geliebäugelt, und als ich am Donnerstag zuhause eintraf, hing es an meiner Wand – und passt hervorragend zu deren Farbton!

Und obwohls noch immer komisch ist, in das andere Zimmer zu gehen, ist es okay.

Kurz und schmerzvoll

Ich bin Trennungskind, seit sechseinhalb Jahren schon. Die Tatsache, dass ich zwanzig, erwachsen und fürchterlich vernünftig bin, ändert aber leider nicht das geringste daran, dass ich noch immer darunter leide. Nicht ständig, aber immer mal wieder.

Zum Beispiel, wenn ich seine Adresse aufschreibe, die eben einfach nicht unsere ist. Weil mir dann bewusst wird, dass sein Zuhause nicht meines ist, dass ich in seiner Wohnung irgendwie immer nur Gast bin – genau so, wie er in meinem Elternhaus. Und das, obwohl auch er jahrelang dort gewohnt hat.

Zum Beispiel, wenn mir auffällt, dass ich vergesse, wie es war, mit ihm zusammen zu wohnen. Wie es war, wenn er einfach da war. Wenn man leise sein musste, weil er vom Nachtdienst kam, oder wenn man sich um das letzte Schnitzel gestritten hat. Wie es ist, zu wissen: Ich lasse Mama nicht allein. Sie hat jemanden.

Zum Beispiel, wenn ich zufällig mitbekomme, dass er überhaupt nicht versucht hat, eine Wohnung in unserer Stadt zu finden, sondern lieber in die Stadt der Blondine gezogen ist. Ich verstehs ja. Er verbringt viel mehr Zeit mit ihr als mit uns, und einmal alle zwei Wochen kann man dann auch ein paar Kilometer fahren. Aber trotzdem!

Zum Beispiel, wenn ich über Wochen hinweg nur über whatsapp mit ihm Kontakt habe, weil er beschäftigt ist. Und weils eben nicht mal eben ist, dass man sich sehen kann. Einfach, weil ich mehr von meinem Papa haben will als eine Nachricht alle paar Tage, und etwas mehr das Gefühl, dass ich ihm manchmal fehle.

 

(Ich weiß, dass es andere schwerer haben. Ist das nicht immer so? Ich weiß das sogar ziemlich gut, denn ich habe einige Freundinnen, die ihren Vater „wirklich“ verloren haben. Durch einen Hirntumor, Lungenkrebs, einen Schlaganfall. Aber muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich unter dem leide, was mir ganz persönlich das Leben schwer macht? Denn dieses Wissen macht es mir nicht leichter.)

„Entschuldigung, sind Sie auch deutsch?“: Italien, die Sechste (9.10.2014)

Unser letzter ganzer Tag in Rom stand ganz im Zeichen Deutschlands und ließ so Heimatgefühle aufkommen.

Zunächst sprach mich noch im Hotel ein anderer Gast (ein Lufthansa-Pilot, wie ich später mitbekam – Uniformen können ziemlich heiß sein, aber dazu in ein paar Tagen mehr) auf Deutsch an. Keine Ahnung, woher er wusste, dass ich Deutsch sprach, denn ich war mir ziemlich sicher, dass wir uns vorher noch nicht begegnet waren – aber vielleicht hatte er mich mit meiner Familie reden hören.

Auf dem Weg zum Zug waren wir ein weiteres Mal so spät dran, dass wir unter der Schranke her mussten. Dieses Mal allerdings völlig unnötig, weil der Zug, den wir nehmen wollten, nämlich leider ausgefallen war. So saßen wir also über eine Stunde gemütlich zwischen zwei viel befahrenen Straßen am Bahnhof von Sassone und vertrieben uns die Zeit mit unnützen Diskussionen. Aber ist ja Urlaub!

Im Termini gabs Baguettes, dann wollte das Brüderchen unbedingt in einen Musikladen, den es bei google maps auch gefunden hatte (wo andere Menschen Tassen oder Magneten aus Urlaubsorten sammeln, kauft er sich lieber Pleks für die Gitarre). Diesen Laden jedoch im echten Leben zu finden war eine ganz andere Nummer. Aber praktischer Weise fand Mama Belle einen Verkäufer, der uns sehr zuvorkommend den Weg zeigte – kein Wunder, einem Blick in die Auslage seines Tabak- und Spirituosenladens auf „Führerwein“, Hitlergruß-Fotos von Hitler selbst und ähnlichem nach zu urteilen war der gute Mann wohl eher germanophil. Und Belle völlig fassungslos, dass man sowas heutzutage einfach noch verkaufen/kaufen kann.

Von dort aus jedenfalls zog es uns in Richtung der Kirche Sant‘ Ignazio di Loyola, die ziemlich beeindruckend und durch ihre Größe etwas weniger erdrückend war als viele zuvor gesehene; zum Pantheon, das definitiv zu den Highlights gehört, auch wenn ich es nicht weiter beschreiben kann – es ist wirklich sehenswert; zu den wunderschönen Plätzen Campo de‘ Fiori und der Piazza Navona; und zwischendurch auf den „besten Kaffee Roms“ (laut spotted by locals) ins Caffé Sant Eustacchio.

Das Abendessen ließen wir uns in einem Restaurant umgeben von Deutschen schmecken. Dort sprachen uns die Gäste am Nebentisch an, ob es hier in der Gegend ein Hotel gäbe, das bei Deutschen besonders beliebt sei (keine Ahnung, der germanophile Spirituosenhändel war jedenfalls in einer ganz anderen Ecke).

Bei einem Spaziergang zurück zur Piazza di Spagna erlebten wir dann auch Rom in Dunkelheit, bei Nacht, ebenfalls wirklich schön.
Im Zug auf der Fahrt durch eben diese Nacht fragte der Schaffner dann, wo wir herkämen, und imitierte ziemlich gekonnt Angela Merkel. Ich sachet ja, da fühlt man sich fast wie zu Haus.

Zum endgültigen Abschluss der Urlaubs genossen wir Dosenbier und Sprite mit Blick über die nächtliche ewige Stadt von der Terrasse des Hotels. Alles in allem: ein wirklich schöner Urlaub, ein herrliches Hotel und eine Stadt, die es sich auch mal wieder zu besuchen lohnt.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier)

Geburtstag mal anders: Italien, die Dritte (6.10.2014)

Heute ist das Bruderherzchen 17 geworden. Irgendwie seltsam, Geburtstag im Urlaub zu feiern – normalerweise macht man da ja was besonderes, bekommt Besuch oder so. Im Urlaub dagegen ist das mit dem Besuch schwierig, und stattdessen ist alles besonders: Man geht eh ständig essen, da fällt so ein „besonderer Tag“ gar nicht weiter auf.

Aber natürlich haben wir uns vorrangig nach den Bruderherz-Wünschen gerichtet: den Vormittag (nach zwei kleinen Päckchen im Bett und Frühstück im Restaurant) im Hotel verbracht, auf einer der Terrassen mit Blick auf Rom und die Weinberge Karten geschrieben und gelesen. Und natürlich das W-Lan genutzt um Glückwünsche zu lesen.
Am frühen Nachmittag gings dann nach Rom und mit Pizza gestärkt auf zum Colosseum. Das ist nach unserem Urteil definitiv lohnend: ein gigantisches Bauwerk, beeindruckender Blick von den Besichtigungswegen in die Arena und zwischen den uralten Mauern aufwärts, und nicht zuletzt: wohltuend kühle Luft im Schatten der Gemäuer. Gerade, wenn man Vorstellungsvermögen besitzt und Spaß daran hat, den tausend Jahre alten Spuren der Römer zu folgen, ist das nur zu empfehlen.
Das Ticket (12 € für Erwachsene ab 25, 7,50€ für unter-25-Jährige und umsonst für unter-18-Jährige, wenn ich das noch richtig im Kopf habe) ist zwei Tage und auch für die archäologischen Ausgrabungsstätten rund um den Palatino und das Foro Romano gültig – das kommt dann morgen an die Reihe.

Vom Colosseum sind wir in Ruhe Richtung Piazza Venezia gelaufen, dort ist es allerdings ziemlich ungemütlich. Viel Verkehr und Gehupe, aber immerhin konnte man mal einen Blick auf das Grab des unbekannten Soldaten werfen, bevor wir mit dem Ziel Trevibrunnen vor den Verkehrsmassen geflohen sind.
Und wozu? Nur, um dann am Trevibrunnen angekommen eine Verkehrsführung der anderen Art zu erleben. Hat etwa jemand die Iluusion, es könne sich bei einem Brunnen um ein mit Wasser gefülltes Bauwerk handeln? Völlig daneben, jedenfalls zur Zeit. Er ist nämlich mit Plexiglasscheiben abgesperrt, nahe heran kommt man bloß auf einem Steg, der auf der einen Seite zum Brunnen hin- und auf der anderen Seite wieder wegführt. Dekoriert hat man selbigen mit Schildern, die Aufforderungen tragen wie „Nicht stehenbleiben“ sowie „Kein Geld in den Brunnen werfen“.
So ein Drama ist das allerdings nicht, wie ich zugeben muss: Denn zum einen fehlt, wie gesagt, das Wasser; zum anderen ist auch der Brunnen selbst zum Teil in Baugerüste eingepackt. Alles in allem ist also eher nichts zu sehen, aber ich kann sagen, ich war beim Trevibrunnen! (Falls jemand plant, nach Rom zu fliegen: Nach Aussage meiner besten Freundin lohnt es sich aber trotzdem wirklich, zu versuchen, einen Blick zu erhaschen. Zitat: „Das ist das Schönste in Rom!“. Und die können ja auch nicht ewig daran herumbauen…)

Inzwischen war es dunkel, Belle hatte keine Lust mehr, und so machten wir uns – auf Wunsch des Geburtstagskindes mit einem Zwischenstopp bei einem echten Brunnen auf der Piazza Barberini – mit Metro und Regionalbahn auf den Weg zurück zum Hotel.
Mit einem festlichen Geburtstagsabendessen – Baguettes mit Tomate und Mozzarella, eine Tafel Milkaschokolade und zwei Dosen Bier aus der Minibar – beendeten wir den Tag und stellten abschließend fest: ein schöner Tag, nicht ganz so heiß wie die davor, aber als Geburtstag komisch. Insbesondere, wenn man als Oktoberkind plötzlich am Geburtstag Sommerfeeling hat.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)

Rome by bus: Italien, die Zweite (5.10.2014)

Mama Belles Fußverletzung (ich berichtete) schrie nach der gestriegen Tour lauthals um Aufmerksamkeit, deshalb haben wir uns heute durch die Stadt fahren lassen: In offenen hop-on-hop-off-Bussen lässt sichs definitiv aushalten! Vor Tourangeboten haben wir uns gestern schon kaum retten können, und heute haben wir dann einfach das erste angenommen, das uns über den Weg gelaufen ist. Ausschlaggebendes Argument fürs Bruderherz: „free Wi-Fi“!
Zwar mussten wir eine ganze Zeit lang anstehen, bis wir endlich in einen der Buss gekommen sind, und konnten in der Warteschlange nicht einmal den Straßenverkäufern ausweichen, die mit Hüten und eiskaltem Wasser ziemlich penetrant auf Kundenfang gingen; dafür hatten wir dann aber gute Sitzplätze im oberen Stockwerk unter freiem Himmel. Und dort blieben wir fürs erste: von Sonne beschienen, trotzdem Wind um die Nase, da konnte selbst der römische Verkehr die Entspannung nicht trüben.

Recht wenig überzeugend waren allerdings die erklärenden Texte, die man in dieversen Sprachen über Kopfhörer anhören konnte: nicht passend zu dem, was man sah (also deutlich zu früh oder zu spät); eigenartig übersetzt (so hieß es an einer Stelle in jeder Sprache außer Deutsch „Wir biegen rechts ab.“, während im Deutschen von links die Rede war); qualitativ zum Teil so schlecht, dass es kaum zu verstehen war; Kopfhörer und/oder Buchsen hatten Wackelkontakte; und nicht zuletzt war im Ganzen mehr Pausenmusik zu hören als informative Texte.
Aus all diesen Gründen (und, weil die Kopfhörer unbequem im Ohr saßen) hab ich mich nach der ersten Runde auf gucken und genießen beschränkt und die Audiotour weggelassen. War auch nicht schlimm, aber beim nächsten Mal würde ich doch einen anderen Anbieter bevorzugen.

Verlassen haben wir unseren Bus im Prinzip nur zu den Mahlzeiten: Mittags gabs Nudeln (allerdings laut Speisekarte aus tiefgefrorenem Fertigessen – dafür wars dann doch recht teuer, aber lange suchen wollte auch niemand) und abends Döner für Belle und das Bruderherz und indischen Reis mit Gemüse für Mama Belle.

Abgesehen davon haben wir den Tag – bedingt durch Mama Belles Bestreben, den Fuß hochzulegen – im Großen und Ganzen busfahrend zugebracht. Resultat: Sonnenbrand statt schmerzender Füße, aber irgendwas ist ja immer.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)

Safely returned

Belle und Familie sind sicher (und nur ein klitzekleines bisschen flugkrank) in Frankfurt gelandet und schon fast wieder vollständig zuhause angekommen.

So schön wars da, wo wir waren!

So schön wars da, wo wir waren!

Das Bloggen via Handy stellte sich nach dem ersten Bericht als irgendwie… wie soll ichs sagen… blöd heraus. Daher gibts die Urlaubsberichte nun nachgereicht, wahrscheinlich ab morgen – geschrieben jeweils schon am Tag des Geschehens.

Ich hoffe, ihr hattet alle eine wunderschöne Woche, und wünsche euch nun ein herrliches Wochenende.
Beste Grüße!