Kinder, Kinder…

Eigentlich wollte ich diesen Text damit beginnen, dass ich ein Osterkind bin. Als ich aber über dieses Wort nachdachte, und über das, was ich damit sagen will, stellte ich fest: Ich bin gar kein Osterkind. Ich bin nur ausgesprochen begeisterungsfähig, und das mit sehr viel Elan und Durchhaltevermögen. Und beides tritt an zwei Terminen im Jahr besonders zutage, nämlich an Ostern und an Weihnachten. Fragt man mich also im Dezember, so würde ich ohne zu zögern behaupten, ich sei ein Weihnachtskind.
Wie es zu dieser konkreten Bezeichnung kam, ist mir gar nicht klar, aber ich tippe, dass Rolf Zuckowski mit seinen „Winterkindern“ auch hier seine Finger im Spiel hatte.

Man könnte jetzt denken, ich sei nur hoffnungslos geschenkeversessen und hätte deswegen so eine Vorliebe für Weihnachten und Ostern –  stimmt aber gar nicht. Ich würde Weihnachten auch lieben, wenn es weniger oder keine Geschenke gebe, und die Tradition mit den dicken Ostergeschenken ist an meiner Familie ohnehin vorbei gegangen.

Was es viel mehr sein könnte: Sowohl zu Weihnachten als auch zu Ostern sind bei uns in der Gemeinde die Kinder ganz besonders eingebunden. Zu Weihnachten üben wir mit ihnen ein Krippenspiel ein und zu Ostern „verstecken“ wir kleine Körbe mit Eiern und Schokolade. Die Anführungszeichen um „verstecken“ sind dem begrenzten Gelände geschuldet – es sind vielleicht die ersten zwanzig Körbchen, deren Unterbringung tatsächlich das Wort „Versteck“ rechtfertigt. Die folgenden vierzig werden fast gar nicht gut sichtbar (siehe Foto) auf Autos gestellt, an Äste gehängt oder optimistisch zwischen Osterglocken platziert. Dazu fällt mir ein – gibt es dieses Jahr zu Ostern wohl überhaupt noch Osterglocken?

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Ich sollte mich an dieser Stelle outen: Ich bin nicht nur ein Oster-/Weihnachts-/Wasauchimmer-Kind, ich bin auch ein Kind, das in die Kirche geht (natürlich in die Kinderkirche). Freiwillig, regelmäßig und gerne, und seit inzwischen fast achtzehn Jahren. Zuerst mit meinen Eltern, später alleine, noch später mit dem Bruderherz; zwischendurch zwei Jahre nicht, als Katechumenin/Konfirmandin muss man sich dann doch in der „großen“ Kirche blicken lassen, und nun seit gut sechseinhalb Jahren als Helferin. Ich liebe die anderen Helfer (fast alle jedenfalls), ich liebe die Kinder, die jeden Sonntag kommen und am allermeisten liebe ich die strahlenden Gesichter. Die strahlenden Gesichter zu Ostern und zu Weihnachten, wenn man endlich raus darf zum Körbchen suchen, oder eben, wenn das Krippenspiel geschafft und alle stolz wie Oskar sind.

Auch nicht unwichtig ist die Tatsache, dass sowohl Weihnachten als auch Ostern bei uns Familienfeste sind. Die Tage im Jahr, wo man zuverlässig alle Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins mütterlicherseits und Oma trifft. Da ich ein Familienmensch durch und durch bin, freue ich mich auch darauf immer wie blöd.

Und das werde ich jetzt auch fortführen: spüren, wie die Vorfreudeschmetterlinge im Bauch tanzen, und auf gutes Wetter am Osterwochenende hoffen.

Frühlingsgefühle – oder wie ich meine erste BWL-Klausur doch noch überlebte

Wie wunderbar das ist, da draußen, vor dem Fenster!
Ich sitze am Schreibtisch, schaue raus und sehe grüne Felder, einen blauen Himmel und Sonne – die Wolken übersehe ich mal ganz großzügig. Seit Wochen ist dieses Fenster an meinem Schreibtisch das erste Mal wieder auf, denn über den Winter wird es in diesem Raum nicht warm. Überhaupt gar nicht. Dabei dann auch noch das Fenster aufzumachen, da müsste man schon fast suizidale Absichten hegen.
Also. Das Fenster ist auf, die Sonne scheint (dabei fällt mir auf, das besagtes Fenster dringend mal wieder geputzt werden könnte…) und ich befinde mich tatsächlich in guter, frühlingshafter Laune.

Gestern Abend hätte ich damit nicht gerechnet. Ich saß vor meinen BWL-Lernsachen und habe verzweifelt versucht, die Unterschiede zwischen Einzahlungen, Einnahmen und Erträgen in meinem Kopf zu behalten, mir zu merken, was Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten voneinander unterscheidet und, ganz nebenbei noch, wenigstens ein Grundlagenwissen von Marketing und Besteuerung anzusammeln.
Der Zeiger meiner Schreibtischuhr rückte in atemberaubendem Tempo vorwärts, und in mir flackerte der Gedanke auf, von welcher der Autobahnbrücken ich mich am nächsten Tag auf dem Weg zur Uni zur Schützenhalle (irgendwie dachte ich immer eine Universität hätte selbst genügend Räume, aber so kann man sich irren…) stürzen könnte. Da allerdings unser Auto gestern erst aus der Werkstatt zurückgekommen ist, da es für relativ viel Geld wieder auf Vordermann werden musste, habe ich von diesem Vorhaben abgesehen und bin heute morgen (nach einer sehr kurzen Nacht, bedingt durch die Kombination aus zu spät ins Bett, zu früh wieder raus, und Schlaflosigkeit in der Zwischenzeit) tatsächlich heile an dem Ort angekommen, an dem die Klausur stattfand. Das war, wie schon oben erwähnt, nicht etwa die Universität, sondern die Schützenhalle im Nachbarort. Ob das jetzt an Platz- oder Raumplanungsproblemen lag, oder einfach nur der Versuch, uns Nebenfach-BWLer zu ärgern, sei mal dahingestellt.
Mit zittrigen Händen – ja, ich war aufgeregt, aber es war auch kalt! – schlug ich schließlich die Klausur auf, und siehe da: So schlimm wars gar nicht! Eigentlich tats nicht einmal richtig weh.

Und als ich dann, nach einer guten Stunde, meinen Prüfungsbogen abgegeben und die Tür hinter mir geschlossen hatte, strahlte mich die Sonne an. Ehrlich! Mitten ins Gesicht!
In diesem Moment freute ich mich wahnsinnig, dass diese Klausur vorbei war. Egal, wie und ob bestanden. Es roch nach Frühling, auf dem Grundschulhof nebenan spielten Kinder in der Sonne und als Krönung des Ganzen habe ich dann tatsächlich noch einige Kommilitonen gesehen, die gelächelt haben.
Bei so viel Frühlingsstimmung im Bauch konnten mich nicht einmal diese ganzen fahruntüchtigen Mitmenschen, die in ihren Autos vor, hinter oder neben mir saßen, aus der Ruhe bringen.

Ich werde jetzt lernen, für die vierte und letzte Klausur, und dabei hoffen, dass das gute Gefühl noch ein wenig länger bleibt. Und das Wetter. Am besten mindestens bis Samstagnachmittag, da bin ich mit den Klausuren durch und der Freund kommt zum gemütlichen, erleichterten entspannen. Bevor er wieder nach Hause fährt und weiter lernt, während ich die nächsten Wochen erstmal einfach nur entspannen werde.

Tschacka!