Knalliger Mittwoch

Der letzte Mittwochabend bietet eine ganze Menge Unterhaltungswert; mal sehen, ob ich das alles in einem Text unterkriege.
Wir waren auf einem Konzert, Walk Off The Earth in Dortmund. Großartige Band, eine Gruppe unglaublich musikalischer Menschen, die während des Konzertes Instrumente tauschen, ihre Bühnencrew mitspielen und -singen lassen und richtig gute Stimmung machen, weil man ihnen einfach anmerkt, dass sie einen wahnsinnigen Spaß haben an dem, was sie tun. Wirklich lohnens- und definitiv empfehlenswert, ein Konzert von denen.

Über alle Maßen genervt haben mich allerdings drei Mädels, die neben uns standen. Wieso geht man zu einem Konzert, wenn man ein so unstillbares Mitteilungsbedürfnis hat, dass man nicht einmal fünf Minuten die Klappe halten kann? Das ist mir wahrlich ein Rätsel. Aber gut, was man nicht ändern kann, muss man wohl akzeptieren.

Ansonsten schwebten ich und meine Begleiter, Mama Belle und das Bruderherz, im siebten Himmel. Bis die Ballons kamen.
Ich habe eine starke Aversion gegen alles, was plötzlich laut knallt. Feuerwerk, Chinaböller, Vogelschießen und die Böllerschützen unseres Schützenvereins lassen mich jegliche Contenance verlieren, und wenn mich Luftballons umgeben, steigt mein Ruhepuls exponentiell. Das wissen alle, die mich kennen, und niemand käme auf die wahnwitzige Idee, mir ein Feuerwerk oder Ballons anzutun. Niemand jedenfalls, der mich gut kennt (auch wenn das Bruderherz zwischendurch behauptet, es wolle mir zur Hochzeit einen riesigen Berg Luftballons schenken – inspiriert von der Aktion, als Freunde von mir geheiratet haben und die Geschwister des Brautpaares das gesamte Haus mit fünfhundert Luftballons „schmückten“).

Bei Konzerten von Walk Off The Earth scheinen Luftballons auf jeden Fall dazu zu gehören. Schon als wir sie das letzte Mal sahen hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die Halle einfach vorzeitig zu verlassen, aber von diesem Plan dann doch Abstand genommen. Zum einen, weil wir mittig ganz vorne standen und zum anderen, weil ich es ja dann doch auch nicht einsehe, mir das Vergnügen von so einer blöden, vollkommen unpassenden und – seien wir ehrlich – irgendwie auch lächerlichen Panik zunichte machen zu lassen.

Ähnliche Gedanken schossen mir auch am Mittwoch wieder durch den Kopf. Doch die Flucht antreten? Einen Schwächeanfall simulieren, um von den Security-Menschen nach draußen geleitet zu werden? Oder es einfach aushalten? Schon die erste, aber erst recht die zweite Option erschienen mir deutlich übertrieben, und so entschied ich mich todesmutig für Augen zu und durch. Eine Entscheidung, die ich bereute, als die Luftballons dann unterwegs waren. Mir war gar nicht bewusst, dass diese riesigen Dinger auch so leicht platzen, doch das tun sie, sehr zu meinem Leidwesen.

Plötzlich spürte ich aber eine Hand auf meiner Schulter, kurz bevor ein langer Arm einen Ballon über meinem Kopf nach hinten stieß. Denn natürlich hatte das Bruderherz, das sich immer über meine Knallpanik lustig machende Bruderherz, mein Unbehagen bemerkt oder erahnt und passte zuverlässig auf, dass mir die Ballons nicht zu nahe kamen.

Wie könnte ich diesem Jungen nur lange böse sein?