Kirchenkitsch: Italien, die Fünfte (8.10.2014)

Anlässlich unseres heutigen Besuchs im Vatikan starte ich zur Abwechslung mal mit einem allgemeinen Kommentar zu Kirchen in Rom.

Ich seh mir sehr gerne Kirchen an. Ich mag die ruhige, kühle, feierliche Atmosphäre, die dort herrscht. Dass die Menschen sich nur flüsternd unterhalten, sehr im Kontrast zu dem Leben, das vor den dicken Mauern tobt. Und gerade in Rom sind die Mauern meist sehr dick (und sehr alt), ich find das toll. Also, so im Ganzen jetzt. Die majestätische Ruhe, die weiten Hallen, die detaillierten Wand- und Deckenmalereien, all das.

Aber mal ehrlich: elektrische Kerzen? Damit kann ich mich einfach nicht anfreunden (war zum Glück auch nicht überall). Ich hab mal das Argument gehört, echte Kerzen würden die Wände zu sehr einrußen, aber trotzdem – Geld in den Opferstock zu werfen, um dann auf einen Knopf drücken zu dürfen, der eine Glühbirne anmacht? Nee.
An weiterer Punkt, der in meinen Augen eher gewöhnungsbedürftig ist: Jede einzelne Kirche, die wir besucht haben (Nachtrag: außer das Pantheon einen Tag später, das war toll!), war hoffnungslos überladen. Man wurde regelrecht von Statuen, Büsten, Bildern, gold und bunt erschlagen. Atemberaubend, in gewisser Hinsicht, und zum „mal angucken“ ganz spannend, aber in meinen  Augen nichts für den täglichen Gebrauch.
Zuletzt noch etwas Wissenswertes zum Thema: In vielen Kirchen in Rom ist der Zutritt untersagt, wenn Schultern und/oder Knie nicht bedeckt sind – das gilt für Männer wie auch Frauen. Ich hatte zu diesem Zweck immer einen Cardigan dabei (oder trug eben gleich keine schulterfreien Oberteile), aber es hieß eben auch, dass man praktisch den ganzen Urlaub lange Hosen trug. Fürs nächste Mal: auf jeden Fall ein paar lange Röcke oder Kleider. Luftiger als Jeans ist das dann allemale, und man will ja die Besichtigungstouren auch nicht so genau planen, dass man immer passend zu den Kirchen lang trägt. Jedenfalls will ich das nicht.

Okay, Exkursion Ende. Kommen wir zum heutigen Tag.
Geplant hatten wir eigentlich, mittags im Restaurant „Open Colonna“ zu essen, danach zum Vatikan zu fahren und im Anschluss das Stadtviertel Coppedè zu besuchen. Ich nehms gleich mal vorweg: nach dem Vatikan ging nicht mehr so viel. Aber von vorn.

Der 16€-„City Lunch“ im Open Colonna lohnt sich definitiv. Ich habe Mama Belle zu Beginn des Essens gefragt, ob wir gestorben und nun im Paradies seien, und den anderen ging es ähnlich. Ein köstliches Buffet mit warmen Speisen, Salaten, verschiedenen Käsesorten, noch mehr Salat und reichhaltigem Nachtisch, da bleiben mit Sicherheit keine Wünsche offen. Und entgegen der abendlich horrenden Preise dieses Restaurants ist das Mittagsbuffet absolut bezahlbar (ein Blick auf die Abendkarte zeigte uns, dass allein die günstigste Vorspeise für beeindruckende 26 € zu haben war…).

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, machten wir uns via Metro auf den Weg zum Vatikan. Um die berühmte Sixtinische Kapelle sehen zu können, muss man einmal durch die gesammelten vatikanischen Museen, für die man als Erwachsener 16 € Eintritt bezahlt. Wir hatten allerdings Glück und wurden kurz vorm Ticketschalter von einem Mann angesprochen, dessen Reisegruppe vier Karten zu viel hatte, die er uns kurzerhand schenkte – so schnell kanns gehen.
Etwas nervig ist die Tatsache, dass man tatsächlich durch alle Räume eines langen Besichtigungswegs laufen muss, um zur Sixtinischen Kapelle zu kommen. Oder wir haben einfach nur den richtigen Weg nicht gefunden.
Das war zwar alles schön und hübsch und bunt und so, sehr beeindruckende Bilder, Wandteppiche und Deckenbemalungen, aber es war zu viel. Und zu warm. Und zu voll.
Auch die Sixtinische Kapelle selbst war so überfüllt, dass man sie kaum genießen konnte. Man wurde von den Wachleuten praktisch weitergescheucht, um neuen Besuchern Platz zu machen, und überhaupt war das ganze nach all dem, was man vorher schon gesehen hatte, weit weniger beeindruckend als gedacht und irgendwie auch gehofft. Ich weiß nicht, ob ich mit dem Wissen 16 € für diesen Besuch bezahlen würde.

Das nächste Ziel im Vatikan war der Petersplatz mit optionaler Besichtigung des Petersdoms. Die Schlange vor dessen Tür (beziehungsweise vor den Kontrollen, die man passieren musste, um überhaupt erstmal zu den Schlangen vor den Türen zu kommen) ging allerdings um drei Viertel des Petersplatzes und so haben wir uns diese „wichtigste katholische Pilgerstätte“ entgehen lassen. Sind ja eh evanglisch.
Der Platz an sich war aber sehr beeindruckend.

Danach war der Tag im Grunde schon zu Ende. Belle und das Bruderherzchen waren müde und geschafft nach dem Marathon durch die Vatikanischen Museen, deshalb gabs Schnitzelbrötchen zwischen Petersom und Engelsburg und eine Busfahrt zum Hauptbahnhof; danach eine ungeplante längere Pause am Bahnhof in Sassone, weil man uns ein weiteres Mal vergessen hatte. Tja, man soll den Tag (oder den Shuttle-Service) wohl nicht vor dem Abend loben…

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten und damit letzten hier)

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Staub, Sand, Sonne: Italien, die Vierte (7.10.2014)

Um nicht in Zeitnot zu geraten, haben wir die Ausgrabungsstätten (die ja im Colosseums-Ticket enthalten waren) heute als erstes in Angriff genommen. Und ganz ehrlich: Ich bin hin und weg.

Um den Palatino und das Foro Romano herum ist ein Freilichtpark angelegt, in dem man wirklich schön spazieren gehen kann.
Wir haben zuerst Stunden auf dem Palatino verbracht, zwischen den Ruinen der alten römischen Herrenhäuser sowie Bäumen und Sträuchern. Es war nicht allzu überlaufen – anscheinend haben die Menschen alle ihre Zeit im Forum des alten Roms verbracht. So konnten wir ganz in Ruhe den Schatten und die beeindruckenden Mauern genießen, was wir so ausgiebig machten, dass am Ende keiner von uns mehr so richtig Lust hatte, sich in das Getümmel rund ums Forum zu stürzen.

Also gabs Mittagessen an der Metrostation und dann gemütliches Schlendern über die Piazza del Popolo, die Piazza di Spagna (natürlich inklusive der Spanischen Treppe, die muss man ja mal hoch- und runtergelaufen sein) bis hin zum Hard Rock Café. Dort konnten wir, unbehelligt von den Kellnern (die unsere Anwesenheit irgendwie ausnahmslos recht wenig interessierte), die restlichen Postkarten an Familie und Freunde schreiben.

Aufgrund einsetzender akuter Erschöpfung nahmen wir eine spontane Umplanung des Abends vor und reservierten einen Tisch im hoteleigenen Restaurant. Die Idee stellte sich als nur mittelgut heraus…
Vielleicht hätte die Tatsacge, dass man uns am Bahnhof vergaß und stehen ließ, eine Warnung sein sollen. Irgendwie schien nämlich die reguläre Hotelbelegschaft frei zu haben: unsere Fahrerin beispielsweise hatte zwar einen humaneren Fahrstil drauf als ihr Kollege, sprach dafür jedoch noch weniger Englisch – so weit das möglich ist. Die ihr zur Verfügung stehenden Vokabeln beschränkten sich auf „Hi“ und „Okay“.
Wirklich problematisch wurde das jedoch erst, als sich herausstellte, dass die gute Frau zusätzlich an dem Abend unsere Kellnerin sein sollte.
Die Bestellung erfolgte nun also mithilfe unserer Hände, Füße und der Italienischkenntnisse, auf die man zurückgreifen kann, wenn man Latein und Spanisch kann und zudem mit offenen Augen durch die Welt läuft. „Senza carne! E acqua frizzante!“
Die Bruschette waren schwarz, die Kartoffeln kalt – und das alles zu Preisen, die eine hervorragende Küche versprechen. Relativ ernüchternd.
Als Nachtisch gabs deshalb Schokolade im Hotelzimmer. Auch lecker!

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)

Was ein Theater!

Vor Kurzem war ich (wie ich auch bereits geschrieben habe, glaube ich) im Theater, mit der Berlinerin zusammen. Für sie war es das Geburtstagsgeschenk, und da ich am liebsten vollkommen uneigennützige Geschenke mache – mein Vater zum Beispiel bekam zu seinem letzten Geburtstag einen Grill – habe ich sie natürlich begleitet.

Ursprünglich hatte ich den Plan gehabt, das prinz regent theater in Bochum zu besuchen und Goethes Iphigenie oder vielleicht Anna Karenina von Leo Tolstoi anzusehen. Aber leider, leider waren deren Aufführungstermine so gar nicht mit unseren Zeitplänen und Semesterferien kompatibel, sodass der Plan scheiterte. Also musste etwas anderes her, und da ich im Prinzip für kulturelle Erfahrungen jeglicher Form offen bin, habe ich einfach eine Inszenierung genommen, die terminlich passte; viel anderes darüber wusste ich nicht.

Das Schauspiel Dortmund macht durchaus spannende Sachen, ich bin vor einiger Zeit gleich zweimal dort gewesen um mir Woyzeck anzuschauen. Und da dachte ich, der Regisseur scheint ja interessant Ideen zu haben.
Interessant war es auch, absolut. Interessant und irgendwie auch verstörend.
Bis heute bin ich mir nicht vollkommen sicher, was man uns hat mitteilen wollen, vermutlich einfach gar nichts.

Als wir den Aufführungsraum, das Studio des Schauspielhauses, betraten, da lief schon etwas auf der Bühne. Nicht etwas, sondern jemand, um genauer zu sein, und ein nicht enden wollender Dialog.
Das ist mal etwas Neues, muss ich vollkommen wertungsfrei sagen. Ich jedenfalls habe das noch nicht erlebt.

Eigentlich sollte dies ein Bericht des Theaterbesuchs werden, aber ich bekomme nicht einmal eine simple inhaltliche Zusammenfassung hintereinander, deshalb wird das jetzt wohl eher doch nichts. Falls es trotzdem jemanden interessiert: Das Stück heißt Endspiel und ist von Samuel Beckett. Nicht schlecht, wenn man sowas mag. Das klingt jetzt abwertender als es gemeint ist, ich habe es jedenfalls nicht bereut, hingefahren zu sein. Die Berlinerin auch nicht, denke ich, aber die hat auch nicht zu meckern – ich habe schließlich die Karten bezahlt. Und lecker gegessen haben wir vorher auch, das rettet doch auch immer eine ganze Menge.

Puh. Unstrukturiert, dieser Text, und nen roten Faden gibt es irgendwie auch nicht. Was solls, passt eigentlich auch ganz gut zum Stück, also seis drum!

Knalliger Mittwoch

Der letzte Mittwochabend bietet eine ganze Menge Unterhaltungswert; mal sehen, ob ich das alles in einem Text unterkriege.
Wir waren auf einem Konzert, Walk Off The Earth in Dortmund. Großartige Band, eine Gruppe unglaublich musikalischer Menschen, die während des Konzertes Instrumente tauschen, ihre Bühnencrew mitspielen und -singen lassen und richtig gute Stimmung machen, weil man ihnen einfach anmerkt, dass sie einen wahnsinnigen Spaß haben an dem, was sie tun. Wirklich lohnens- und definitiv empfehlenswert, ein Konzert von denen.

Über alle Maßen genervt haben mich allerdings drei Mädels, die neben uns standen. Wieso geht man zu einem Konzert, wenn man ein so unstillbares Mitteilungsbedürfnis hat, dass man nicht einmal fünf Minuten die Klappe halten kann? Das ist mir wahrlich ein Rätsel. Aber gut, was man nicht ändern kann, muss man wohl akzeptieren.

Ansonsten schwebten ich und meine Begleiter, Mama Belle und das Bruderherz, im siebten Himmel. Bis die Ballons kamen.
Ich habe eine starke Aversion gegen alles, was plötzlich laut knallt. Feuerwerk, Chinaböller, Vogelschießen und die Böllerschützen unseres Schützenvereins lassen mich jegliche Contenance verlieren, und wenn mich Luftballons umgeben, steigt mein Ruhepuls exponentiell. Das wissen alle, die mich kennen, und niemand käme auf die wahnwitzige Idee, mir ein Feuerwerk oder Ballons anzutun. Niemand jedenfalls, der mich gut kennt (auch wenn das Bruderherz zwischendurch behauptet, es wolle mir zur Hochzeit einen riesigen Berg Luftballons schenken – inspiriert von der Aktion, als Freunde von mir geheiratet haben und die Geschwister des Brautpaares das gesamte Haus mit fünfhundert Luftballons „schmückten“).

Bei Konzerten von Walk Off The Earth scheinen Luftballons auf jeden Fall dazu zu gehören. Schon als wir sie das letzte Mal sahen hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die Halle einfach vorzeitig zu verlassen, aber von diesem Plan dann doch Abstand genommen. Zum einen, weil wir mittig ganz vorne standen und zum anderen, weil ich es ja dann doch auch nicht einsehe, mir das Vergnügen von so einer blöden, vollkommen unpassenden und – seien wir ehrlich – irgendwie auch lächerlichen Panik zunichte machen zu lassen.

Ähnliche Gedanken schossen mir auch am Mittwoch wieder durch den Kopf. Doch die Flucht antreten? Einen Schwächeanfall simulieren, um von den Security-Menschen nach draußen geleitet zu werden? Oder es einfach aushalten? Schon die erste, aber erst recht die zweite Option erschienen mir deutlich übertrieben, und so entschied ich mich todesmutig für Augen zu und durch. Eine Entscheidung, die ich bereute, als die Luftballons dann unterwegs waren. Mir war gar nicht bewusst, dass diese riesigen Dinger auch so leicht platzen, doch das tun sie, sehr zu meinem Leidwesen.

Plötzlich spürte ich aber eine Hand auf meiner Schulter, kurz bevor ein langer Arm einen Ballon über meinem Kopf nach hinten stieß. Denn natürlich hatte das Bruderherz, das sich immer über meine Knallpanik lustig machende Bruderherz, mein Unbehagen bemerkt oder erahnt und passte zuverlässig auf, dass mir die Ballons nicht zu nahe kamen.

Wie könnte ich diesem Jungen nur lange böse sein?