Über die Notwendigkeit von Bürgersteigen

Läuft man durch die „neugebauten“ Wohngebiete meines Heimatortes, dann kommt man nicht darum herum, die schön angelegten Straßen zu sehen. Obwohl das hier nur im ganz entfernsten Sinne tatsächlich ein Neubaugebiet ist – alleine wir wohnen seit sechzehn Jahren hier, und wir waren bei weitem nicht die ersten – hat es Ewigkeiten gedauert, bis die Straßen letztendlich gemacht wurden. Nun ja, fast alle, unsere Sackgasse wartet immer noch auf ihre Verschönerung.
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft wir uns als Kinder mit Rollschuhen, Inlinern und Skateboard auf den Schotterauffahrten der Nachbarn langgelegt haben, inzwischen klappt das jedoch ganz gut und meistens unfallfrei.

Viel problematischer als die kleineren Missgeschicke und Unfälle, aufgeschürften Hände und Knie, ist jedoch das Gewohnheitsverhalten der Menschen, die hier seit Jahrzehnten wohnen und spazieren gehen: all die Jahre gab es keinen Bürgersteig und man lief eben auf der Straße. Vielleicht auch mal am Rand, wenn ein Auto kam und man sich nicht gerade auf der Straße stehend unterhielt, aber grundsätzlich immer auf der Straße.
Wieso also sollte man das nun, bei (wie oben erwähnt) den endlich angelegten Straßen ändern? Wozu sollte man die Bürgersteige nutzen, die auch noch durch Beete und kleine Bäumchen von der Straße abgetrennt sind? Das sind doch nur störende Sichtbarrieren, wenn man bei den Nachbarn durchs Fenster gucken will!

Die Selbstverständlichkeit und Ruhe, mit der Nachbarn wie auch fremde Fußgänger mitten über die Straße spazieren, völlig ungeachtet jeglicher anderer Verkehrsteilnehmer (Watt Fahrräder? Roller? Autos? Trecker?) versetzt mich immer wieder in Erstaunen und sprachlose Bewunderung. So kaltschnäuzig wäre ich auch gerne mal, und wer um Himmels Willen braucht schon Bürgersteige.

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