Belle und Menschen.

Als ich gestern auf dem Rückweg in die Unistadt war, traf ich Papa Belle mit seiner Blondine. Wir unterhielten uns, ich erklärte ihr Funktionen ihres Smartphones und versprach, mich darum zu kümmern, wenn sie irgendwann für whatsapp würde bezahen müssen. Das wird irgendwann im April 2015 sein.
Mein erster Gedanke: „Na ja, wenn ihr bis dahin nicht wieder getrennt seid.“ Zweiter Gedanke: „Fänd ich aber blöd, wenn ihrs wärt.“

Ausgesprochen habe ich weder das eine noch das andere, aber lange darüber nachgedacht. Und endlich mein Problem erkannt: Ich mag Menschen zu schnell!

Es fällt mir wahnsinnig leicht, Menschen sympathisch zu finden, wenn ich sie erstmal kennengelernt habe. Da ist (zum Glück?) noch eine Schranke, schließlich lerne ich nicht so schnell Menschen kennen. Und seit diversen Dramen wahre ich auch penibel Distanz zu denjenigen, die ich neu kennenlerne – so weit das möglich ist. Meine Kommilitonen sind auch nach einem Jahr nicht mehr als Kommilitonen, die Mitbewohnerin ist zwar ne ganz liebe, aber ich würde da nicht von Freundschaft zwischen uns reden, und Hobbys hab ich zum Glück ja auch nicht. Also, eigentlich alles easy?

Denkste. Familie gehört nämlich leider nicht zu den Menschen, die ich fernhalten kann. Will ich auch gar nicht. Aber ich wünschte, es fiele mir leichter, mich auf neue Freundinnen meines Vaters einzustellen. Nein, das ist eigentlich falsch. Es fällt mir ja leider ziemlich leicht, mich auf sie einzustellen. Es zerreißt mich nur dann immer, wenns wieder ne Neue ist.

Mit der letzten vor der Blondine waren wir im Urlaub. Das Bruderherzchen hat an Papa-Wochenenden bei ihr übernachtet. Wir haben Abende mit ihrer Familie, ihrer Schwester und deren Familie verbracht. Und nur wenige Wochen, nachdem ich ihr am Telefon von dem Unfall berichten durfte, der meinen Vater kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht hat, war plötzlich Schluss. Und plötzlich war sie persona non grata, ebenso alle anderen Menschen, die man in dem vorausgehenden Jahr liebgewonnen hatte, mit denen man im Urlaub gewesen war.

Das ist scheiße!

Und nun soll mir nochmal jemand erzählen, es sei unfair, der Neuen skeptisch gegenüber zu stehen. Ich war bei lauter Freundinnen ein Musterbeispiel an sonnigem Gemüt, lieb und nett und niemals unfreundlich. Bei der letzten dachten wir alle, es sei diesmal vielleicht für länger, ich hab sie in mein Herz geschlossen, und dann ist sie plötzlich wieder weg.
Als ich von der Trennung gehört habe, hab ich mehr Tränen vergossen als nach meiner eigenen Trennung von meinem Freund.

Der Blondine gegenüber bin ich wirklich sehr skeptisch gewesen. Niemals unfreundlich zu ihr, aber immer distanziert. Körperlich, innerlich, überhaupt. Es war mir suspekt, dass ich mit Ironie nicht umgehen kann, dass sie deutlich älter wirkt als mein Vater und dass sie immer perfekt gestylt rumläuft.
Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen – na gut, sagen wir, gut eineinhalb Jahre – und inzwischen nennen wir die gute Frau allein aus Gewohnheit noch „die Blondine“. So schlimm isse eigentlich gar nicht. Bis ich wirklich darüber nachgedacht habe, dachte ich aber trotzdem, dass sie meinetwegen auch wieder weg sein könnte. Falsch gedacht, ich mag sie.

Tja, so schnell kanns gehen.

Kurz und schmerzvoll

Ich bin Trennungskind, seit sechseinhalb Jahren schon. Die Tatsache, dass ich zwanzig, erwachsen und fürchterlich vernünftig bin, ändert aber leider nicht das geringste daran, dass ich noch immer darunter leide. Nicht ständig, aber immer mal wieder.

Zum Beispiel, wenn ich seine Adresse aufschreibe, die eben einfach nicht unsere ist. Weil mir dann bewusst wird, dass sein Zuhause nicht meines ist, dass ich in seiner Wohnung irgendwie immer nur Gast bin – genau so, wie er in meinem Elternhaus. Und das, obwohl auch er jahrelang dort gewohnt hat.

Zum Beispiel, wenn mir auffällt, dass ich vergesse, wie es war, mit ihm zusammen zu wohnen. Wie es war, wenn er einfach da war. Wenn man leise sein musste, weil er vom Nachtdienst kam, oder wenn man sich um das letzte Schnitzel gestritten hat. Wie es ist, zu wissen: Ich lasse Mama nicht allein. Sie hat jemanden.

Zum Beispiel, wenn ich zufällig mitbekomme, dass er überhaupt nicht versucht hat, eine Wohnung in unserer Stadt zu finden, sondern lieber in die Stadt der Blondine gezogen ist. Ich verstehs ja. Er verbringt viel mehr Zeit mit ihr als mit uns, und einmal alle zwei Wochen kann man dann auch ein paar Kilometer fahren. Aber trotzdem!

Zum Beispiel, wenn ich über Wochen hinweg nur über whatsapp mit ihm Kontakt habe, weil er beschäftigt ist. Und weils eben nicht mal eben ist, dass man sich sehen kann. Einfach, weil ich mehr von meinem Papa haben will als eine Nachricht alle paar Tage, und etwas mehr das Gefühl, dass ich ihm manchmal fehle.

 

(Ich weiß, dass es andere schwerer haben. Ist das nicht immer so? Ich weiß das sogar ziemlich gut, denn ich habe einige Freundinnen, die ihren Vater „wirklich“ verloren haben. Durch einen Hirntumor, Lungenkrebs, einen Schlaganfall. Aber muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich unter dem leide, was mir ganz persönlich das Leben schwer macht? Denn dieses Wissen macht es mir nicht leichter.)