Ein Jahr Freund

Ich bin so beeindruckt. Von mir, von dir, von uns; aber vor allem doch von mir selbst, irgendwie. Ein gutes Jahr kennen wir uns nun, ein knappes Jahr sind wir zusammen. Schon an monogame Beziehungen habe ich nie geglaubt, geschweige denn für möglich gehalten, dass du so unverhofft in mein Leben treten und einfach bleiben würdest. Und dass mich das so glücklich machen könnte.

Du warst das allerbeste Weihnachtsgeschenk des letzten Jahres, vielleicht gar das beste meines bisherigen Lebens. Ich bin so dankbar:
Für deine Grimassen und dein Grinsen, und wie gekonnt du selbst die blödesten Situationen mit beidem entschärfen kannst. Für deine Sprüche, die mich zum Lachen bringen, und für dein Lachen, das mein Herz schier zerspringen lässt.
Für die Ausdauer, mit der du mich liebst, für die Geduld mit meinem Früh-am-Morgen-Ich. Für den Alltag und das Besondere, für deine ansteckende Freude und für deinen Trost, wenn nichts mehr geht. Für Streit selbst, weil du mich nimmst wie ich bin und trotz allem niemals zögerst, mich in den Arm zu nehmen; egal, wie erbittert uneinig wir uns gerade gegenüber stehen.

Du schenkst mir Mut und Zuversicht, wenn mir eines davon fehlt. Du ermöglichst mich Vertrauen in mich selbst und in andere, und das ist so viel.

Bleib so fabelhaft wie du bist. Sei liebenswert und liebevoll und lass mich dich glücklich machen – so lange es uns beide glücklich macht.

Alles wie immer

Es ist nun fast ein Jahr her, dass dieses Blog entstanden ist. Die Situation hat sich indes nicht wirklich verändert – Semester ist vorbei, Belle sollte lernen, tut aber ganz andere Dinge.
Trotzdem ist einiges anders. Aber was?

Das „Für immer. Vielleicht.“-Gefühl. Das Wissen, dass mich nichts wirklich umhauen kann – auch wenns nicht immer leicht ist. Die Erkenntnis, dass man Dinge loslassen muss, kann, darf, und dass es wehtut (sogar fürchterlich weh), aber besser wird. Der Mut, mich zu distanzieren von dem, was mir nicht gut tut.
Der Mut, das zuzulassen, was mich beflügelt – und das fällt vielleicht noch schwerer. Das Vertrauen, dass es schon gut werden wird.
Tief durchzuatmen und Dinge anzugehen. Was, wie ich zugeben muss, immer wieder ein kleiner Kampf ist. Aber es wird einfacher!

Vielleicht ist also doch nicht alles wie immer.

Belle und Menschen.

Als ich gestern auf dem Rückweg in die Unistadt war, traf ich Papa Belle mit seiner Blondine. Wir unterhielten uns, ich erklärte ihr Funktionen ihres Smartphones und versprach, mich darum zu kümmern, wenn sie irgendwann für whatsapp würde bezahen müssen. Das wird irgendwann im April 2015 sein.
Mein erster Gedanke: „Na ja, wenn ihr bis dahin nicht wieder getrennt seid.“ Zweiter Gedanke: „Fänd ich aber blöd, wenn ihrs wärt.“

Ausgesprochen habe ich weder das eine noch das andere, aber lange darüber nachgedacht. Und endlich mein Problem erkannt: Ich mag Menschen zu schnell!

Es fällt mir wahnsinnig leicht, Menschen sympathisch zu finden, wenn ich sie erstmal kennengelernt habe. Da ist (zum Glück?) noch eine Schranke, schließlich lerne ich nicht so schnell Menschen kennen. Und seit diversen Dramen wahre ich auch penibel Distanz zu denjenigen, die ich neu kennenlerne – so weit das möglich ist. Meine Kommilitonen sind auch nach einem Jahr nicht mehr als Kommilitonen, die Mitbewohnerin ist zwar ne ganz liebe, aber ich würde da nicht von Freundschaft zwischen uns reden, und Hobbys hab ich zum Glück ja auch nicht. Also, eigentlich alles easy?

Denkste. Familie gehört nämlich leider nicht zu den Menschen, die ich fernhalten kann. Will ich auch gar nicht. Aber ich wünschte, es fiele mir leichter, mich auf neue Freundinnen meines Vaters einzustellen. Nein, das ist eigentlich falsch. Es fällt mir ja leider ziemlich leicht, mich auf sie einzustellen. Es zerreißt mich nur dann immer, wenns wieder ne Neue ist.

Mit der letzten vor der Blondine waren wir im Urlaub. Das Bruderherzchen hat an Papa-Wochenenden bei ihr übernachtet. Wir haben Abende mit ihrer Familie, ihrer Schwester und deren Familie verbracht. Und nur wenige Wochen, nachdem ich ihr am Telefon von dem Unfall berichten durfte, der meinen Vater kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht hat, war plötzlich Schluss. Und plötzlich war sie persona non grata, ebenso alle anderen Menschen, die man in dem vorausgehenden Jahr liebgewonnen hatte, mit denen man im Urlaub gewesen war.

Das ist scheiße!

Und nun soll mir nochmal jemand erzählen, es sei unfair, der Neuen skeptisch gegenüber zu stehen. Ich war bei lauter Freundinnen ein Musterbeispiel an sonnigem Gemüt, lieb und nett und niemals unfreundlich. Bei der letzten dachten wir alle, es sei diesmal vielleicht für länger, ich hab sie in mein Herz geschlossen, und dann ist sie plötzlich wieder weg.
Als ich von der Trennung gehört habe, hab ich mehr Tränen vergossen als nach meiner eigenen Trennung von meinem Freund.

Der Blondine gegenüber bin ich wirklich sehr skeptisch gewesen. Niemals unfreundlich zu ihr, aber immer distanziert. Körperlich, innerlich, überhaupt. Es war mir suspekt, dass ich mit Ironie nicht umgehen kann, dass sie deutlich älter wirkt als mein Vater und dass sie immer perfekt gestylt rumläuft.
Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen – na gut, sagen wir, gut eineinhalb Jahre – und inzwischen nennen wir die gute Frau allein aus Gewohnheit noch „die Blondine“. So schlimm isse eigentlich gar nicht. Bis ich wirklich darüber nachgedacht habe, dachte ich aber trotzdem, dass sie meinetwegen auch wieder weg sein könnte. Falsch gedacht, ich mag sie.

Tja, so schnell kanns gehen.

Was ganz altes Neues.

Ich glaube, ich habe es bereits erwähnt: Mein Umzug in die Unistadt beflügelte das Bruderherzchen in seinen Bemühungen, mein großes Zimmer zu bekommen. Nachvollziehbar, ich hab schließlich seit ich 16 war im großen Elternschlafzimmer gewohnt – dass er da ganz gerne irgendwann mal mein Erbe antreten möchte, das ist nur logisch. Und nun ist es so weit.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich die erste Nacht wieder in meinem alten „Kinderzimmer“ geschlafen. Während ich in der vergangenen Woche wieder ins Unileben eingestiegen war, hatten nämlich Mama Belle und das Bruderherzchen unter Aufbringung aller körperlichen Reserven (und Einbeziehung meines Patenonkels und anderer hilfsbereiter Mittäter) den Umzug über die Bühne gebracht. Zugegeben: So viel umzuziehen gabs überhaupt nicht mehr, das meiste ist ja mit mir in die Unistadt gekommen. Aber ein großes Bücherregal, ein Schreibtisch und tausend Kleinigkeiten, die irgendwo in meinem Zimmer umherflogen und selbst meine geliebte, über und über mit Erinnerungsstücken beklebte Zimmertür haben sie ummontiert. und noch etwas gab es, das mir den Einzug/Rückzug versüßt hat:

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Schon Ewigkeiten lang hatte ich mit diesem hübschen Stück Holz geliebäugelt, und als ich am Donnerstag zuhause eintraf, hing es an meiner Wand – und passt hervorragend zu deren Farbton!

Und obwohls noch immer komisch ist, in das andere Zimmer zu gehen, ist es okay.

Kurz und schmerzvoll

Ich bin Trennungskind, seit sechseinhalb Jahren schon. Die Tatsache, dass ich zwanzig, erwachsen und fürchterlich vernünftig bin, ändert aber leider nicht das geringste daran, dass ich noch immer darunter leide. Nicht ständig, aber immer mal wieder.

Zum Beispiel, wenn ich seine Adresse aufschreibe, die eben einfach nicht unsere ist. Weil mir dann bewusst wird, dass sein Zuhause nicht meines ist, dass ich in seiner Wohnung irgendwie immer nur Gast bin – genau so, wie er in meinem Elternhaus. Und das, obwohl auch er jahrelang dort gewohnt hat.

Zum Beispiel, wenn mir auffällt, dass ich vergesse, wie es war, mit ihm zusammen zu wohnen. Wie es war, wenn er einfach da war. Wenn man leise sein musste, weil er vom Nachtdienst kam, oder wenn man sich um das letzte Schnitzel gestritten hat. Wie es ist, zu wissen: Ich lasse Mama nicht allein. Sie hat jemanden.

Zum Beispiel, wenn ich zufällig mitbekomme, dass er überhaupt nicht versucht hat, eine Wohnung in unserer Stadt zu finden, sondern lieber in die Stadt der Blondine gezogen ist. Ich verstehs ja. Er verbringt viel mehr Zeit mit ihr als mit uns, und einmal alle zwei Wochen kann man dann auch ein paar Kilometer fahren. Aber trotzdem!

Zum Beispiel, wenn ich über Wochen hinweg nur über whatsapp mit ihm Kontakt habe, weil er beschäftigt ist. Und weils eben nicht mal eben ist, dass man sich sehen kann. Einfach, weil ich mehr von meinem Papa haben will als eine Nachricht alle paar Tage, und etwas mehr das Gefühl, dass ich ihm manchmal fehle.

 

(Ich weiß, dass es andere schwerer haben. Ist das nicht immer so? Ich weiß das sogar ziemlich gut, denn ich habe einige Freundinnen, die ihren Vater „wirklich“ verloren haben. Durch einen Hirntumor, Lungenkrebs, einen Schlaganfall. Aber muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich unter dem leide, was mir ganz persönlich das Leben schwer macht? Denn dieses Wissen macht es mir nicht leichter.)

Familiendings

Beim Ausmisten alter Schränke in meinem heimatlichen Zimmer bin ich vorgestern auf viele Dinge gestoßen – unter anderem auf eine Familiensatire, die ich vor gut fünf Jahren für den Deutschunterricht geschrieben habe. Inzwischen ist mein Vater umgezogen, es ist alles besser geworden, aber dieser Teil unseres gemeinsamen Lebens ist es doch wert, gelesen zu werden.
Trotzdem sollte man sich vor Augen halten: Es ist Satire, es ist überspitzt dargestellt und entsprach so nicht der Realität; und ich liebe meinen Vater. Küsschen!

Wieder einmal machte ich mich an einem nieselig-nebeligen Samstagmorgen auf den Weg zu meinem Vater. Das für einen Sommertag ja wohl ausgesprochen gute Wetter steigerte meine Lust auf ein katastrophal chaotisches Wochenende in der schneckenhausriesigen Wohnung meines Vater erheblich. Meine Ankunft bei dem kitschgrünen Zweifamilienhaus war typisch für die überaus geliebten Tage, die ich dort verbrachte: Auf mein Klingeln gab es ersteinmal rein gar keine Reaktion. Klar, vermutlich war die letzte Nacht kurz und der vorangegangene Abend lang und hochprozentig gewesen, da konnte ich es nicht erwarten, dass mein Vater morgens um halb elf schon in der Lage war, die Tür zu öffnen.
Glücklicherweise war auf seine Vermieterin ebensoviel Verlass wie auch meinen Erzeuger. Während man bei ihm mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig lag, wenn man ihn zu dieser Zeit im Bett wähnte, konnte bei ihr garantiert davon ausgegangen werden, dass sie pflichtbewusst in der Küche stand und das Mittagessen vorbereitete. Und so konnte wenigstens sie mir die Tür öffnen, nachdem ich mir gefühlte zwei Stunden die Beine in den Bauch gestanden hatte.
Schon auf der Treppe nach oben hörte ich aus Papas Schlafkabuff laute Schnarchgeräusche, die definitiv nach zu viel Alkohol klangen. In weiser Voraussicht stellte ich schon einen Eimer und ein Glas Wasser mit Aspirin bereit, bevor ich mich zum Küchendschungel durchkämpfte.
Im Grunde könnte man hier sehr gut ein Survivelcamp durchführen und meine Vermutung war auch, dass es die Hauptbeschäftigung meines Vaters war, hier nach essbaren Nahrungsmitteln zu suchen.
Sollte man tatsächlich den Weg bis in die Küche gefunden haben, und das ohne größere Verletzungen und/oder Knochenbrüche, die von den im Dämmerlicht herumstehenden Kisten herrührten, wunderte man sich, in der Küche keinen organisierten Streichelzoo vorzufinden. Genügend Tiere waren jedenfalls vorhanden. Spinnen, Fliegen und Wespen gehört da eher noch zur harmloseren Sorte. Die Gattung des Tieres, das für den durchdringenden Verwesungsgeruch in der Bruchbude sorgte, kannte ich nicht. Und ich glaube, das wollte ich auch nicht.
Auf der Suche nach Nahrungsmittel, die mir beim Öffnen des Kühlschrankes noch nicht entgegensprangen, stieß ich nur auf eine klägliche Anzahl von Dosen, deren Inhalte noch kein Fell hatten. Ansonsten konnte man abenteuerliche, eindrucksvolle Gebilde ausmachen, von deren Erscheinung ich fasziniert bis erschüttert war. Die Kartoffeln beispielsweise hätte ich in ihren grünen Schimmelmänteln kaum noch als solche erkannt, und die flauschigen Nudeln hätte mein Bruder ohne zu zögern als Haustiere angenommen. Den Inhalt anderer Dosen habe ich gar nicht erst genauer unter die Lupe genommen, da ihr Haltbarkeitsdatum verriet, dass sie vor über einem Jahr gekauft und geöffnet worden sein mussten.
Als ich letztendlich entschieden hatte, zu den mitgebrachten Brötchen Rührei und die am nächsten Tag ablaufenden Würstchen zu servieren, stand ich vor dem nächsten Problem: Mein Vater hatte die Funktion von Herd und Spüle entweder noch nicht erkannt, oder ignorierte sie einfach nur konsequent. Es war undefinierbar, welche der Gerätschaften, die an der Spüle anghäuft waren, sauber, und welche dreckig waren. Aufgrund dieses permanenten Zustandes der Wohnung hatte ich mir schon vor längerem angewöhnt, sämtliche Gegenstände, die ich benutzen wollte, zunächst zu spülen.
Der nächste Tagesordnungspunkt meines Wochenend-Beschäftigungsprogramms bestand in einem Suchspiel: Finde die Herdplatte!
Aufgrund meiner guten Ortskenntnis wäre ich jeglichen potentiellen Gegenspielern (die es, so es sie denn gegeben hätte, vermutlich noch gar nicht bis in die Küche geschafft hätten) hochhaushoch überlegen gewesen und schaffte es sensationellerweise, die Kochplatte in weniger als 15 Minuten freizulegen. Ein neuer Rekord!
Schließlich hatte ich es trotz allen Widerigkeiten geschafft, ein durchaus akzeptables Frühstück zu zaubern und genau das war der Moment, an dem Papa in der Küchentür stand. Typisch, dass er das wieder roch.
Und der klägliche Blick, den er mir mit Ringen unter dem Augen zuwarf verriet mir eines: Sehr viel würde heute nicht mit ihm anzufangen sein.

Einfach mal merken

Es wäre doch zu schön, wenn man sich das „Yeah, ich hab was geschafft und habs hinter mich gebracht“-Gefühl noch etwas länger erhalten könnte. Wenn ich mich doch nur in einem Jahr wieder daran erinnern würde, dass das alles gar nicht so schlimm ist wie es sich am Anfang anfühlt. Und dass es sich wesentlich besser anfühlt, wenn man es gemacht hat.

Denn das ist es, was ich heute geschafft habe: Es ist alles ausgedruckt, unterschrieben, abgegeben und eingereicht. Der ganze Berg unerledigter und über Wochen aufgeschobener Aufgaben ist abgearbeitet, wenn man mal vom Aufräumen und Putzen der Wohnung absieht. Kleinigkeiten!
Wie belastend das all diese Wochen gewesen ist, ist mir erst aufgefallen, als ich Gebäude A der Universität heute wieder verlassen hatte. Fast wäre ich nach Hause geflogen, so erleichtert war ich.

Wieso also weiß ich jetzt schon ganz genau, dass ich mich angesichts der nächsten derartigen Situation wieder ganz genau so verhalten werde, wie ich es dieses Mal getan habe? Ich seh es ganz deutlich vor mir, die Hände vor den Augen und darauf hoffend, dass das schon alles irgendwie wird. Auch ohne mich damit zu beschäftigen. Falls jemand ein Mittel dagegen kennt, wäre ich durchaus geneigt, es auszuprobieren…

Sanftmut kommt vor dem Knall…

…so oder so ähnlich lautet ein viel zitiertes Sprichwort. Belle steht kurz vor einem großen Knall.

Es ist ja nichts Neues, dass wenn es kommt, alles auf einmal kommt. Uni-Organisationsstress, Freizeitstress, Auftrittstress, bafög-Stress, alles. Wenn einem dann auch noch Mitglieder der eigenen Familie das Leben erschweren, indem sie unfassbare zwei Monate brauchen um einen simplen Einkommensteuerbescheid von 2012 ausfindig zu machen, dann braucht weder gute Laune noch jegliche Sanftmut lange für den Rückzug.

Ich liebe meine Familie, ehrlich. Trotzdem werde ich morgen in die Unistadt fahren und meine Wohnung dort fürs erste nicht mehr verlassen. Kluge Menschen behaupten zwar, dass so ein ordentlicher Knall das beste Mittel gegen Gewitterwolken ist, aber ich habe keine Lust auf die Anstrengung, wenns doch nichts nützt.
In diesem Sinne allen einen harmonischen Wochenstart!

Gefühlschaos

Dieses „Ich zieh in meine Unistadt“-Ding wirft seine Schatten voraus. Ich bin ohnehin nah am Wasser gebaut (manche Leute meinen, ist doch toll, denn auf die Tränendrüse drücken fällt mir ziemlich leicht – ist aber nicht toll, ist nervig und anstrengend) und das tritt seit gestern vermehrt zutage.

Der Freund hat das Bruderherz und mich heute Morgen zur Ostervorbereitung begleitet und ist danach wieder nach Hause gefahren. Eigentlich wollte ich ihm ganz ruhig sagen, dass ich es voll daneben finde, ihn so wenig zu sehen und dass das Wochenende, das wir gemeinsam hatten verbringen wollen, nun doch erheblich kleiner geworden ist. Der gemeinsame Teil jedenfalls.
Aber nicht einmal das konnte ich, ohne fast die Fassung zu verlieren, weshalb ich ihn dann einfach hab fahren lassen. Soll er doch, auch egal.

Als dann allerdings zwischen Mama Belle und dem Brüderchen die Diskussionen losgingen, was mit meinem Zimmer passiert, wenn ich ausgezogen bin, war es mit meiner Contenance recht schnell wieder vorbei. Wie die Aasgeier!
Nein, das ist jetzt zu gemein, ich kanns ja verstehen. Ich bewohne zur Zeit das größte Zimmer in diesem Haus und dass das, wenn ich dann ausziehe, nicht leer stehen soll, das ist ja klar. Und das Bruderherz ist da eh schon lange scharf drauf. Aber ich will eigentlich in meinem Zuhause nicht nur irgendein Zimmer haben, irgendein Bett, in dem ich dann schlafen kann wenn ich mal hier bin, ich möchte gern mein Zimmer behalten. Das Zimmer, in dem ich die letzten vier Jahre verbracht habe und in dem eine ganze Menge Erinnerungen stecken. Und mein Bett!
Da ich – wie auch wir alle – schon ewige Zeiten ein Wasserbett habe, ist das nicht so einfach mal eben abgebaut. Es wird mich deshalb in die Studentenbude erstmal nicht begleiten und das Bruderherz hätte es gerne. Kann ich auch verstehen, ich würde es auch haben wollen, wenn es nicht eh meins wäre. Aber bitte, hier auf einem 90-cm-Bett zu schlafen, wenn ich mal nach Hause komme? Nein, danke. Echt nicht. Ich glaube, da würde ich im Zweifelsfall eher wieder in die Unistadt fahren statt hier zu übernachten. Und zu zweit in einem kleinen Bett ist auch mehr als unschön. Diese Option ist in meinen Augen eigentlich keine.

Nach einem Tränenausbruch, der sich (und dabei habe ich mir echt Mühe gegeben) nicht mehr als Allergieschub tarnen ließ, ist die vorläufige Variante nun, dass das Bruderherz zwar in meinem Zimmer schlafen, nicht jedoch die Dekoration und alles andere im Zimmer an seine Vorlieben anpassen wird. Damit können wir, so glaube ich, beide erstmal leben.
Ihm geht das natürlich nicht schnell genug, er hätte dieses Zimmer lieber gestern als heute als sein eigenes, aber damit kommt er schon klar. Ich kann, will und werde auch nicht alles aus diesem Zimmer mitnehmen. Alleine, weil mein Zimmer hier um einiges größer ist als das WG-Zimmer, und außerdem, weil ich in unbändiger Sammelwut ziemlich wenig wegwerfe. Ich habe jetzt noch Abläufe von Konzerten, Gottesdiensten oder Theaterstücken, die sieben Jahre her sind. Könnte man ja vielleicht mal wieder brauchen, wer weiß…

Ich bräuchte mehr als nur einen Kleinlaster, um alles mitzunehmen, was hier in den Ecken lagert, und lieber wäre es mir, mit weniger dort anzufangen.

Nebenbei ist irgendwo tief in mir aber auch ein gutes Stück Vorfreude, das sich leider nur hin und wieder mal um die Ecke traut. Das sagt „Du schafft das schon, und das wird super!“

Nun gut, es ist jetzt fix, die kleine Belle zieht zuhause aus. Man wird sehen, wie das noch wird – meine Gefühle dazu sind noch sehr widersprüchlich. Aber wird bestimmt gut.