Alles wie immer

Es ist nun fast ein Jahr her, dass dieses Blog entstanden ist. Die Situation hat sich indes nicht wirklich verändert – Semester ist vorbei, Belle sollte lernen, tut aber ganz andere Dinge.
Trotzdem ist einiges anders. Aber was?

Das „Für immer. Vielleicht.“-Gefühl. Das Wissen, dass mich nichts wirklich umhauen kann – auch wenns nicht immer leicht ist. Die Erkenntnis, dass man Dinge loslassen muss, kann, darf, und dass es wehtut (sogar fürchterlich weh), aber besser wird. Der Mut, mich zu distanzieren von dem, was mir nicht gut tut.
Der Mut, das zuzulassen, was mich beflügelt – und das fällt vielleicht noch schwerer. Das Vertrauen, dass es schon gut werden wird.
Tief durchzuatmen und Dinge anzugehen. Was, wie ich zugeben muss, immer wieder ein kleiner Kampf ist. Aber es wird einfacher!

Vielleicht ist also doch nicht alles wie immer.

„Entschuldigung, sind Sie auch deutsch?“: Italien, die Sechste (9.10.2014)

Unser letzter ganzer Tag in Rom stand ganz im Zeichen Deutschlands und ließ so Heimatgefühle aufkommen.

Zunächst sprach mich noch im Hotel ein anderer Gast (ein Lufthansa-Pilot, wie ich später mitbekam – Uniformen können ziemlich heiß sein, aber dazu in ein paar Tagen mehr) auf Deutsch an. Keine Ahnung, woher er wusste, dass ich Deutsch sprach, denn ich war mir ziemlich sicher, dass wir uns vorher noch nicht begegnet waren – aber vielleicht hatte er mich mit meiner Familie reden hören.

Auf dem Weg zum Zug waren wir ein weiteres Mal so spät dran, dass wir unter der Schranke her mussten. Dieses Mal allerdings völlig unnötig, weil der Zug, den wir nehmen wollten, nämlich leider ausgefallen war. So saßen wir also über eine Stunde gemütlich zwischen zwei viel befahrenen Straßen am Bahnhof von Sassone und vertrieben uns die Zeit mit unnützen Diskussionen. Aber ist ja Urlaub!

Im Termini gabs Baguettes, dann wollte das Brüderchen unbedingt in einen Musikladen, den es bei google maps auch gefunden hatte (wo andere Menschen Tassen oder Magneten aus Urlaubsorten sammeln, kauft er sich lieber Pleks für die Gitarre). Diesen Laden jedoch im echten Leben zu finden war eine ganz andere Nummer. Aber praktischer Weise fand Mama Belle einen Verkäufer, der uns sehr zuvorkommend den Weg zeigte – kein Wunder, einem Blick in die Auslage seines Tabak- und Spirituosenladens auf „Führerwein“, Hitlergruß-Fotos von Hitler selbst und ähnlichem nach zu urteilen war der gute Mann wohl eher germanophil. Und Belle völlig fassungslos, dass man sowas heutzutage einfach noch verkaufen/kaufen kann.

Von dort aus jedenfalls zog es uns in Richtung der Kirche Sant‘ Ignazio di Loyola, die ziemlich beeindruckend und durch ihre Größe etwas weniger erdrückend war als viele zuvor gesehene; zum Pantheon, das definitiv zu den Highlights gehört, auch wenn ich es nicht weiter beschreiben kann – es ist wirklich sehenswert; zu den wunderschönen Plätzen Campo de‘ Fiori und der Piazza Navona; und zwischendurch auf den „besten Kaffee Roms“ (laut spotted by locals) ins Caffé Sant Eustacchio.

Das Abendessen ließen wir uns in einem Restaurant umgeben von Deutschen schmecken. Dort sprachen uns die Gäste am Nebentisch an, ob es hier in der Gegend ein Hotel gäbe, das bei Deutschen besonders beliebt sei (keine Ahnung, der germanophile Spirituosenhändel war jedenfalls in einer ganz anderen Ecke).

Bei einem Spaziergang zurück zur Piazza di Spagna erlebten wir dann auch Rom in Dunkelheit, bei Nacht, ebenfalls wirklich schön.
Im Zug auf der Fahrt durch eben diese Nacht fragte der Schaffner dann, wo wir herkämen, und imitierte ziemlich gekonnt Angela Merkel. Ich sachet ja, da fühlt man sich fast wie zu Haus.

Zum endgültigen Abschluss der Urlaubs genossen wir Dosenbier und Sprite mit Blick über die nächtliche ewige Stadt von der Terrasse des Hotels. Alles in allem: ein wirklich schöner Urlaub, ein herrliches Hotel und eine Stadt, die es sich auch mal wieder zu besuchen lohnt.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier)

Kirchenkitsch: Italien, die Fünfte (8.10.2014)

Anlässlich unseres heutigen Besuchs im Vatikan starte ich zur Abwechslung mal mit einem allgemeinen Kommentar zu Kirchen in Rom.

Ich seh mir sehr gerne Kirchen an. Ich mag die ruhige, kühle, feierliche Atmosphäre, die dort herrscht. Dass die Menschen sich nur flüsternd unterhalten, sehr im Kontrast zu dem Leben, das vor den dicken Mauern tobt. Und gerade in Rom sind die Mauern meist sehr dick (und sehr alt), ich find das toll. Also, so im Ganzen jetzt. Die majestätische Ruhe, die weiten Hallen, die detaillierten Wand- und Deckenmalereien, all das.

Aber mal ehrlich: elektrische Kerzen? Damit kann ich mich einfach nicht anfreunden (war zum Glück auch nicht überall). Ich hab mal das Argument gehört, echte Kerzen würden die Wände zu sehr einrußen, aber trotzdem – Geld in den Opferstock zu werfen, um dann auf einen Knopf drücken zu dürfen, der eine Glühbirne anmacht? Nee.
An weiterer Punkt, der in meinen Augen eher gewöhnungsbedürftig ist: Jede einzelne Kirche, die wir besucht haben (Nachtrag: außer das Pantheon einen Tag später, das war toll!), war hoffnungslos überladen. Man wurde regelrecht von Statuen, Büsten, Bildern, gold und bunt erschlagen. Atemberaubend, in gewisser Hinsicht, und zum „mal angucken“ ganz spannend, aber in meinen  Augen nichts für den täglichen Gebrauch.
Zuletzt noch etwas Wissenswertes zum Thema: In vielen Kirchen in Rom ist der Zutritt untersagt, wenn Schultern und/oder Knie nicht bedeckt sind – das gilt für Männer wie auch Frauen. Ich hatte zu diesem Zweck immer einen Cardigan dabei (oder trug eben gleich keine schulterfreien Oberteile), aber es hieß eben auch, dass man praktisch den ganzen Urlaub lange Hosen trug. Fürs nächste Mal: auf jeden Fall ein paar lange Röcke oder Kleider. Luftiger als Jeans ist das dann allemale, und man will ja die Besichtigungstouren auch nicht so genau planen, dass man immer passend zu den Kirchen lang trägt. Jedenfalls will ich das nicht.

Okay, Exkursion Ende. Kommen wir zum heutigen Tag.
Geplant hatten wir eigentlich, mittags im Restaurant „Open Colonna“ zu essen, danach zum Vatikan zu fahren und im Anschluss das Stadtviertel Coppedè zu besuchen. Ich nehms gleich mal vorweg: nach dem Vatikan ging nicht mehr so viel. Aber von vorn.

Der 16€-„City Lunch“ im Open Colonna lohnt sich definitiv. Ich habe Mama Belle zu Beginn des Essens gefragt, ob wir gestorben und nun im Paradies seien, und den anderen ging es ähnlich. Ein köstliches Buffet mit warmen Speisen, Salaten, verschiedenen Käsesorten, noch mehr Salat und reichhaltigem Nachtisch, da bleiben mit Sicherheit keine Wünsche offen. Und entgegen der abendlich horrenden Preise dieses Restaurants ist das Mittagsbuffet absolut bezahlbar (ein Blick auf die Abendkarte zeigte uns, dass allein die günstigste Vorspeise für beeindruckende 26 € zu haben war…).

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, machten wir uns via Metro auf den Weg zum Vatikan. Um die berühmte Sixtinische Kapelle sehen zu können, muss man einmal durch die gesammelten vatikanischen Museen, für die man als Erwachsener 16 € Eintritt bezahlt. Wir hatten allerdings Glück und wurden kurz vorm Ticketschalter von einem Mann angesprochen, dessen Reisegruppe vier Karten zu viel hatte, die er uns kurzerhand schenkte – so schnell kanns gehen.
Etwas nervig ist die Tatsache, dass man tatsächlich durch alle Räume eines langen Besichtigungswegs laufen muss, um zur Sixtinischen Kapelle zu kommen. Oder wir haben einfach nur den richtigen Weg nicht gefunden.
Das war zwar alles schön und hübsch und bunt und so, sehr beeindruckende Bilder, Wandteppiche und Deckenbemalungen, aber es war zu viel. Und zu warm. Und zu voll.
Auch die Sixtinische Kapelle selbst war so überfüllt, dass man sie kaum genießen konnte. Man wurde von den Wachleuten praktisch weitergescheucht, um neuen Besuchern Platz zu machen, und überhaupt war das ganze nach all dem, was man vorher schon gesehen hatte, weit weniger beeindruckend als gedacht und irgendwie auch gehofft. Ich weiß nicht, ob ich mit dem Wissen 16 € für diesen Besuch bezahlen würde.

Das nächste Ziel im Vatikan war der Petersplatz mit optionaler Besichtigung des Petersdoms. Die Schlange vor dessen Tür (beziehungsweise vor den Kontrollen, die man passieren musste, um überhaupt erstmal zu den Schlangen vor den Türen zu kommen) ging allerdings um drei Viertel des Petersplatzes und so haben wir uns diese „wichtigste katholische Pilgerstätte“ entgehen lassen. Sind ja eh evanglisch.
Der Platz an sich war aber sehr beeindruckend.

Danach war der Tag im Grunde schon zu Ende. Belle und das Bruderherzchen waren müde und geschafft nach dem Marathon durch die Vatikanischen Museen, deshalb gabs Schnitzelbrötchen zwischen Petersom und Engelsburg und eine Busfahrt zum Hauptbahnhof; danach eine ungeplante längere Pause am Bahnhof in Sassone, weil man uns ein weiteres Mal vergessen hatte. Tja, man soll den Tag (oder den Shuttle-Service) wohl nicht vor dem Abend loben…

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten und damit letzten hier)

Staub, Sand, Sonne: Italien, die Vierte (7.10.2014)

Um nicht in Zeitnot zu geraten, haben wir die Ausgrabungsstätten (die ja im Colosseums-Ticket enthalten waren) heute als erstes in Angriff genommen. Und ganz ehrlich: Ich bin hin und weg.

Um den Palatino und das Foro Romano herum ist ein Freilichtpark angelegt, in dem man wirklich schön spazieren gehen kann.
Wir haben zuerst Stunden auf dem Palatino verbracht, zwischen den Ruinen der alten römischen Herrenhäuser sowie Bäumen und Sträuchern. Es war nicht allzu überlaufen – anscheinend haben die Menschen alle ihre Zeit im Forum des alten Roms verbracht. So konnten wir ganz in Ruhe den Schatten und die beeindruckenden Mauern genießen, was wir so ausgiebig machten, dass am Ende keiner von uns mehr so richtig Lust hatte, sich in das Getümmel rund ums Forum zu stürzen.

Also gabs Mittagessen an der Metrostation und dann gemütliches Schlendern über die Piazza del Popolo, die Piazza di Spagna (natürlich inklusive der Spanischen Treppe, die muss man ja mal hoch- und runtergelaufen sein) bis hin zum Hard Rock Café. Dort konnten wir, unbehelligt von den Kellnern (die unsere Anwesenheit irgendwie ausnahmslos recht wenig interessierte), die restlichen Postkarten an Familie und Freunde schreiben.

Aufgrund einsetzender akuter Erschöpfung nahmen wir eine spontane Umplanung des Abends vor und reservierten einen Tisch im hoteleigenen Restaurant. Die Idee stellte sich als nur mittelgut heraus…
Vielleicht hätte die Tatsacge, dass man uns am Bahnhof vergaß und stehen ließ, eine Warnung sein sollen. Irgendwie schien nämlich die reguläre Hotelbelegschaft frei zu haben: unsere Fahrerin beispielsweise hatte zwar einen humaneren Fahrstil drauf als ihr Kollege, sprach dafür jedoch noch weniger Englisch – so weit das möglich ist. Die ihr zur Verfügung stehenden Vokabeln beschränkten sich auf „Hi“ und „Okay“.
Wirklich problematisch wurde das jedoch erst, als sich herausstellte, dass die gute Frau zusätzlich an dem Abend unsere Kellnerin sein sollte.
Die Bestellung erfolgte nun also mithilfe unserer Hände, Füße und der Italienischkenntnisse, auf die man zurückgreifen kann, wenn man Latein und Spanisch kann und zudem mit offenen Augen durch die Welt läuft. „Senza carne! E acqua frizzante!“
Die Bruschette waren schwarz, die Kartoffeln kalt – und das alles zu Preisen, die eine hervorragende Küche versprechen. Relativ ernüchternd.
Als Nachtisch gabs deshalb Schokolade im Hotelzimmer. Auch lecker!

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)

Geburtstag mal anders: Italien, die Dritte (6.10.2014)

Heute ist das Bruderherzchen 17 geworden. Irgendwie seltsam, Geburtstag im Urlaub zu feiern – normalerweise macht man da ja was besonderes, bekommt Besuch oder so. Im Urlaub dagegen ist das mit dem Besuch schwierig, und stattdessen ist alles besonders: Man geht eh ständig essen, da fällt so ein „besonderer Tag“ gar nicht weiter auf.

Aber natürlich haben wir uns vorrangig nach den Bruderherz-Wünschen gerichtet: den Vormittag (nach zwei kleinen Päckchen im Bett und Frühstück im Restaurant) im Hotel verbracht, auf einer der Terrassen mit Blick auf Rom und die Weinberge Karten geschrieben und gelesen. Und natürlich das W-Lan genutzt um Glückwünsche zu lesen.
Am frühen Nachmittag gings dann nach Rom und mit Pizza gestärkt auf zum Colosseum. Das ist nach unserem Urteil definitiv lohnend: ein gigantisches Bauwerk, beeindruckender Blick von den Besichtigungswegen in die Arena und zwischen den uralten Mauern aufwärts, und nicht zuletzt: wohltuend kühle Luft im Schatten der Gemäuer. Gerade, wenn man Vorstellungsvermögen besitzt und Spaß daran hat, den tausend Jahre alten Spuren der Römer zu folgen, ist das nur zu empfehlen.
Das Ticket (12 € für Erwachsene ab 25, 7,50€ für unter-25-Jährige und umsonst für unter-18-Jährige, wenn ich das noch richtig im Kopf habe) ist zwei Tage und auch für die archäologischen Ausgrabungsstätten rund um den Palatino und das Foro Romano gültig – das kommt dann morgen an die Reihe.

Vom Colosseum sind wir in Ruhe Richtung Piazza Venezia gelaufen, dort ist es allerdings ziemlich ungemütlich. Viel Verkehr und Gehupe, aber immerhin konnte man mal einen Blick auf das Grab des unbekannten Soldaten werfen, bevor wir mit dem Ziel Trevibrunnen vor den Verkehrsmassen geflohen sind.
Und wozu? Nur, um dann am Trevibrunnen angekommen eine Verkehrsführung der anderen Art zu erleben. Hat etwa jemand die Iluusion, es könne sich bei einem Brunnen um ein mit Wasser gefülltes Bauwerk handeln? Völlig daneben, jedenfalls zur Zeit. Er ist nämlich mit Plexiglasscheiben abgesperrt, nahe heran kommt man bloß auf einem Steg, der auf der einen Seite zum Brunnen hin- und auf der anderen Seite wieder wegführt. Dekoriert hat man selbigen mit Schildern, die Aufforderungen tragen wie „Nicht stehenbleiben“ sowie „Kein Geld in den Brunnen werfen“.
So ein Drama ist das allerdings nicht, wie ich zugeben muss: Denn zum einen fehlt, wie gesagt, das Wasser; zum anderen ist auch der Brunnen selbst zum Teil in Baugerüste eingepackt. Alles in allem ist also eher nichts zu sehen, aber ich kann sagen, ich war beim Trevibrunnen! (Falls jemand plant, nach Rom zu fliegen: Nach Aussage meiner besten Freundin lohnt es sich aber trotzdem wirklich, zu versuchen, einen Blick zu erhaschen. Zitat: „Das ist das Schönste in Rom!“. Und die können ja auch nicht ewig daran herumbauen…)

Inzwischen war es dunkel, Belle hatte keine Lust mehr, und so machten wir uns – auf Wunsch des Geburtstagskindes mit einem Zwischenstopp bei einem echten Brunnen auf der Piazza Barberini – mit Metro und Regionalbahn auf den Weg zurück zum Hotel.
Mit einem festlichen Geburtstagsabendessen – Baguettes mit Tomate und Mozzarella, eine Tafel Milkaschokolade und zwei Dosen Bier aus der Minibar – beendeten wir den Tag und stellten abschließend fest: ein schöner Tag, nicht ganz so heiß wie die davor, aber als Geburtstag komisch. Insbesondere, wenn man als Oktoberkind plötzlich am Geburtstag Sommerfeeling hat.

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Rome by bus: Italien, die Zweite (5.10.2014)

Mama Belles Fußverletzung (ich berichtete) schrie nach der gestriegen Tour lauthals um Aufmerksamkeit, deshalb haben wir uns heute durch die Stadt fahren lassen: In offenen hop-on-hop-off-Bussen lässt sichs definitiv aushalten! Vor Tourangeboten haben wir uns gestern schon kaum retten können, und heute haben wir dann einfach das erste angenommen, das uns über den Weg gelaufen ist. Ausschlaggebendes Argument fürs Bruderherz: „free Wi-Fi“!
Zwar mussten wir eine ganze Zeit lang anstehen, bis wir endlich in einen der Buss gekommen sind, und konnten in der Warteschlange nicht einmal den Straßenverkäufern ausweichen, die mit Hüten und eiskaltem Wasser ziemlich penetrant auf Kundenfang gingen; dafür hatten wir dann aber gute Sitzplätze im oberen Stockwerk unter freiem Himmel. Und dort blieben wir fürs erste: von Sonne beschienen, trotzdem Wind um die Nase, da konnte selbst der römische Verkehr die Entspannung nicht trüben.

Recht wenig überzeugend waren allerdings die erklärenden Texte, die man in dieversen Sprachen über Kopfhörer anhören konnte: nicht passend zu dem, was man sah (also deutlich zu früh oder zu spät); eigenartig übersetzt (so hieß es an einer Stelle in jeder Sprache außer Deutsch „Wir biegen rechts ab.“, während im Deutschen von links die Rede war); qualitativ zum Teil so schlecht, dass es kaum zu verstehen war; Kopfhörer und/oder Buchsen hatten Wackelkontakte; und nicht zuletzt war im Ganzen mehr Pausenmusik zu hören als informative Texte.
Aus all diesen Gründen (und, weil die Kopfhörer unbequem im Ohr saßen) hab ich mich nach der ersten Runde auf gucken und genießen beschränkt und die Audiotour weggelassen. War auch nicht schlimm, aber beim nächsten Mal würde ich doch einen anderen Anbieter bevorzugen.

Verlassen haben wir unseren Bus im Prinzip nur zu den Mahlzeiten: Mittags gabs Nudeln (allerdings laut Speisekarte aus tiefgefrorenem Fertigessen – dafür wars dann doch recht teuer, aber lange suchen wollte auch niemand) und abends Döner für Belle und das Bruderherz und indischen Reis mit Gemüse für Mama Belle.

Abgesehen davon haben wir den Tag – bedingt durch Mama Belles Bestreben, den Fuß hochzulegen – im Großen und Ganzen busfahrend zugebracht. Resultat: Sonnenbrand statt schmerzender Füße, aber irgendwas ist ja immer.

(Zum ersten Teil des Reiseberichts geht es hier, zum nächsten hier)

Safely returned

Belle und Familie sind sicher (und nur ein klitzekleines bisschen flugkrank) in Frankfurt gelandet und schon fast wieder vollständig zuhause angekommen.

So schön wars da, wo wir waren!

So schön wars da, wo wir waren!

Das Bloggen via Handy stellte sich nach dem ersten Bericht als irgendwie… wie soll ichs sagen… blöd heraus. Daher gibts die Urlaubsberichte nun nachgereicht, wahrscheinlich ab morgen – geschrieben jeweils schon am Tag des Geschehens.

Ich hoffe, ihr hattet alle eine wunderschöne Woche, und wünsche euch nun ein herrliches Wochenende.
Beste Grüße!

Alles Ansichtssache: Italien, die Erste (4.10.2014)

„Statistisch betrachtet ist das gefährlichste an einer Flugreise die Autofahrten zum Flughafen und von dort wieder weg.“
Diese klugen Worte hatte mir ein Freund Freitagabend noch mit auf den Weg gegeben. Ich habe nur gelacht – als wir aber heute Morgen die Ankunftshalle des Flughafens Ciampino bei Rom verließen, zweifelte ich diese These nicht länger an.
Selten habe ich in einer Zeitspanne wie der, die wir auf unseren Fahrer warteten, so viele Autos hupen hören. Glauben die, es geht schneller, wenn man auf dem Parkplatz die augenscheinlich defekte Ausfahrt-Schranke anhupt? Oder geht es damit vielleicht tatsächlich schneller und wir blöden Deutschen habens bloß noch nicht kapiert?

Unser Fahrer sprach nicht viel. Die Vermutungen, woran das liegen könnte, reichten von „Vielleicht spricht er kein Englisch“ über „oder er ist einfach wahnsinnig schüchtern“ bis hin zu meinem Favoriten, er müsse sich zu sehr aufs Autofahren konzentrieren. Warum das mein Favorit ist? Nun, der gute Mann fuhr, als wollte er alle Vorurteile, die man über römische Autofahrer so haben kann, bestätigen übertreffen. Mama Belle hielt sich an ihrem Sitz fest, ich selbst atmete konzentiert und betont ruhig durch die Nase während ich hoffte, die Welt möge aufhören sich so schwindelerregend zu drehen, und das Bruderherzchen? Das hatte ein fettes Grinsen auf den Lippen und kommentierte nach Ankunft am Hotel (das übrigens ziemlich großartig zu sein scheint) „Ich steh auf das italienische Verkehrskonzept!“

Bevor wir uns zu einer ersten kurzen Tour durch Rom selbst aufmachten, bezogen wir die Zimmer – ich auf noch immer wackligen Beinen – und holten etwas verpassten Schlaf nach.
Und nun, nach dem Fußmarsch, sind die Beine noch schwerer und der Kopf wahnsinnig müde.

Daher fürs erste nur: Beste Urlaubsgrüße aus der Sonne!
Eure Belle

(Zum nächsten Teil des Reiseberichts geht es hier)

Und mal wieder…

… mal wieder sind die Semesterferien fast zu ende – zweieinhalb Wochen bleiben noch, wenn ich mich nicht irre, und eine davon werde ich in Rom verbringen. Freu ich mich ja drauf, so ist das gar nicht, aber irgendwie brauch ich eigentlich immer noch ein bisschen Zeit, um nach einem Urlaub wieder in der Realität anzukommen. Das wird in diesem Fall eher nichts werden, am Freitag kommen wir zurück und am Montag gehts dann wieder los.

Da kommen natürlich nun Fragen auf. Wie sieht das aus, alle Pläne durchgeführt (Haha. Ha.)? Was für die Uni getan (…)? Wenigstens irgendetwas geschafft?
Es hält sich in Grenzen. Aber entspannt habe ich, Familienleben genossen und Freundschaften gepflegt, Briefe und Mails geschrieben; alles in allem also wirklich viel Wohlfühlprogramm zelebriert. Und mal ehrlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Irgendwann werde ich (so Gott will) einen Job und eine Familie haben. Na ja, wenigstens Kinder. Soll ich dann in den Tag leben? Wohl eher nicht. Im Übrigen tu ich während der Vorlesungszeit wirklich genug, um mich jetzt nicht schuldig fühlen zu müssen, dass ich nichts getan habe. Das klingt wie eine Rechtfertigung? Ist es irgendwie auch. Man glaubt gar nicht, wie schief man angeschaut wird, wenn man nichts macht. Purer Neid der arbeitenden Bevölkerung, da bin ich sicher. Aber trotzdem muss ich mir nicht erzählen lassen, ich als Studentin würde ja wohl das ganze Jahr chillen, und das sähe man ja von März bis April sowie von August bis Oktober. All den Menschen, die sowas sagen, würde ich liebend gern mal einen Einblick in die Klausurvorbereitungswochen gönnen: sieben Tage die Woche locker zehn Stunden lernen am Tag, und das jeweils nen guten Monat lang. Zusätzlich die reguläre Arbeitsbelastung während des Semesters mit Hausaufgaben, Vorlesungen und Vor- sowie Nachbereitungen. Zusammengefasst: Studieren ist nicht Hochleistungschillen. Auch, wenn das manche Leute offensichtlich meinen. Da könnt ich ausrasten!

Sanftmut kommt vor dem Knall…

…so oder so ähnlich lautet ein viel zitiertes Sprichwort. Belle steht kurz vor einem großen Knall.

Es ist ja nichts Neues, dass wenn es kommt, alles auf einmal kommt. Uni-Organisationsstress, Freizeitstress, Auftrittstress, bafög-Stress, alles. Wenn einem dann auch noch Mitglieder der eigenen Familie das Leben erschweren, indem sie unfassbare zwei Monate brauchen um einen simplen Einkommensteuerbescheid von 2012 ausfindig zu machen, dann braucht weder gute Laune noch jegliche Sanftmut lange für den Rückzug.

Ich liebe meine Familie, ehrlich. Trotzdem werde ich morgen in die Unistadt fahren und meine Wohnung dort fürs erste nicht mehr verlassen. Kluge Menschen behaupten zwar, dass so ein ordentlicher Knall das beste Mittel gegen Gewitterwolken ist, aber ich habe keine Lust auf die Anstrengung, wenns doch nichts nützt.
In diesem Sinne allen einen harmonischen Wochenstart!