Vielleicht mal informiert sein

So gerne ich das Klischée der desinteressierten, untätig im Bett herumliegenden Studentin erfüllen möchte: So ganz entspricht es einfach nicht der Wahrheit. Okay, zugegebenermaßen liege ich gerade im Bett, wohin ich mir den Laptop mal wieder entgegen meiner eigenen Prinzipien mitgenommen haben, aber es ist schließlich auch Abend und völlig legitim, im Bett zu liegen.
Worauf ich eigentlich hinauswollte: Zuhause habe ich regelmäßig Zeitung gelesen. „Nur“ die regionale Tageszeitung, die mich inhaltlich, stilistisch und überhaupt auf jeder möglichen Ebene schon mehr als einmal zum Stirnrunzeln gebracht hat, aber immerhin eine informative Tageszeitung. Und nun?

Ich muss gestehen, dass mich das aktuelle Geschehen um die Unistadt herum recht wenig interessiert. Deswegen habe ich nicht vor, hier jetzt das regionale Käseblatt zu abonnieren, das reicht mir zuhause. Aber irgendwie regelmäßig etwas zu lesen, das mehr ist als bloße Unterhaltung, das reizt mich trotzdem. Und das am liebsten in Zeitungsform, aus richtigem Papier, von dem die Druckerschwärze abfärbt, wenn man feuchte Hände hat.

Und komm mir hier jetzt keiner mit romantischer und/oder nostalgischer Verklärung des aussterbenden Mediums Zeitung. Für mich persönlich ist das einfach das Beste! Ich bin kein auditiver Typ, deshalb kann ich mich aufs Radio nur sehr schlecht konzentrieren und schalte da viel zu schnell ab. Fürs Fernsehen ist mein Gehirn zu Horrorbilder-anfällig, da wird grundsätzlich alles nachts in (Alb-)Träumen verwurstet (Mal ganz davon abgesehen, dass ich nichteinmal einen Fernseher habe). Und lange an Bildschirmen lesen mag ich eigentlich auch nicht, da kann man auch so wahnsinnig schnell versacken und mal eben schnell noch lauter andere Sachen machen.
So viele Optionen bleiben da ja nun wirklich nicht!

Also ging es heute auf virtuelle Entdeckungsreise, auf die Suche nach irgendetwas geeignetem, das Einzug im Hause Belle halten könnte. Was einem da alles über den Weg läuft, man glaubt es kaum…
Sehr positiv aufgefallen ist mir, dass fast alle Zeitungen günstigere Abos für Studenten und zum Teil auch Azubis, Rentner und Arbeitslose haben. Das kommt dem schmalen Studi-Portemonnaie wirklich sehr entgegen.

Aber wer die Wahl hat… Vielleicht doch eine Wochenzeitung wie die Zeit, die ich hin und wieder ganz gerne lese, aber fast öfter noch über (in meinen Augen) unglücklich übertriebene Trash-Artikel stolpere? Oder doch ein Angebot wie das von der Süddeutschen, bei dem Studenten in der Woche eine ePaper- und samstags die Print-Ausgabe bekommen können? Denn wenn man ehrlich ist, hat man vielleicht doch morgens weder Zeit noch Lust, erst vier Stockwerke zum Briefkasten zu rennen, zurück in die Wohnung, und dann mal eben die Zeitung zu lesen. Oder?

Vielleicht teste ich all die schönen Zeitungen auch mal ein paar Wochen an. Die F.A.Z., die taz, die sz und wie sie sich alle nennen. In einem weiteren Tab meines Browsers ist mit vorwurfsvoller Miene das Bestellformular des Handelsblatts geöffnet, das förmlich schreit „Tu gefälligst etwas für deine wirtschaftliche Bildung, du Wirtschaftswissenschafts-Nebenfächlerin!“
Jetzt wirft es mir bitterböse Blicke zu. Ich glaube, ich sollte noch einmal eine Nacht über das Ganze schlafen, und zwar schnellstens. Und morgen lasse ich mich dann über einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen aus, der mir heute vor die Füße fiel.

Schönen Abend allerseits!