Bloß ein bisschen Angst

Von Zeit zu Zeit – jetzt, da es immer schneller auf den Beginn des Übungsbetriebs in der Uni zugeht, immer öfter – frage ich mich, welcher Teufel mich bitte geritten hat, als ich mit als studentische Hilfskraft gemeldet habe.

Wie konnte ich nur so vermessen sein und denken, dass ich das kann? Als kleine Studentin im gerade einmal dritten Semester? Wieso?!
Ich sehe mich schon vor der Übungsgruppe stehen, kein Wort herausbringend während langsam all mein Wissen zähflüssig auf den grauen Boden tropft, mich schleichend aber unaufhaltsam verlässt. Ich seh schon die murmelnden Studenten, wie sie da sitzen und zuschauen, meinem Herzrasen und meinen zitternden Fingern. Meine eigenen Kommilitonen, kopfschüttelnd über dieses Mädchen, das ihren eigenen Kram kaum hintereinander bekommt und meint, sich jetzt auch noch von der Uni bezahlen lassen zu können.
Wieso bitte habe ich nicht noch ein Jahr warten können? Wieso?!

Dann mache ich die Augen zu und atme tief durch. Halte mir vor Augen, dass wir Grundlagen behandeln, wirklich nur Grundlagen. Dinge, die ich mir vielleicht nochmal anschauen muss, aber eigentlich kann. Und dass es nicht schlimm ist, mal eine Antwort nicht zu wissen, weil niemand alles weiß. Und dass ich wachsen werde an dieser Aufgabe, die da vor mir liegt. Das ist überhaupt das motivierenste: Wie auch immer es ausgeht, ich werde daran wachsen. Und das schaff ich. Und eigentlich freu ich mich sogar drauf.

Ich hab bloß ein bisschen Angst…

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Und mal wieder…

… mal wieder sind die Semesterferien fast zu ende – zweieinhalb Wochen bleiben noch, wenn ich mich nicht irre, und eine davon werde ich in Rom verbringen. Freu ich mich ja drauf, so ist das gar nicht, aber irgendwie brauch ich eigentlich immer noch ein bisschen Zeit, um nach einem Urlaub wieder in der Realität anzukommen. Das wird in diesem Fall eher nichts werden, am Freitag kommen wir zurück und am Montag gehts dann wieder los.

Da kommen natürlich nun Fragen auf. Wie sieht das aus, alle Pläne durchgeführt (Haha. Ha.)? Was für die Uni getan (…)? Wenigstens irgendetwas geschafft?
Es hält sich in Grenzen. Aber entspannt habe ich, Familienleben genossen und Freundschaften gepflegt, Briefe und Mails geschrieben; alles in allem also wirklich viel Wohlfühlprogramm zelebriert. Und mal ehrlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Irgendwann werde ich (so Gott will) einen Job und eine Familie haben. Na ja, wenigstens Kinder. Soll ich dann in den Tag leben? Wohl eher nicht. Im Übrigen tu ich während der Vorlesungszeit wirklich genug, um mich jetzt nicht schuldig fühlen zu müssen, dass ich nichts getan habe. Das klingt wie eine Rechtfertigung? Ist es irgendwie auch. Man glaubt gar nicht, wie schief man angeschaut wird, wenn man nichts macht. Purer Neid der arbeitenden Bevölkerung, da bin ich sicher. Aber trotzdem muss ich mir nicht erzählen lassen, ich als Studentin würde ja wohl das ganze Jahr chillen, und das sähe man ja von März bis April sowie von August bis Oktober. All den Menschen, die sowas sagen, würde ich liebend gern mal einen Einblick in die Klausurvorbereitungswochen gönnen: sieben Tage die Woche locker zehn Stunden lernen am Tag, und das jeweils nen guten Monat lang. Zusätzlich die reguläre Arbeitsbelastung während des Semesters mit Hausaufgaben, Vorlesungen und Vor- sowie Nachbereitungen. Zusammengefasst: Studieren ist nicht Hochleistungschillen. Auch, wenn das manche Leute offensichtlich meinen. Da könnt ich ausrasten!

Verpasste Ziele, neue Pläne

Nach dem Gottesdienst heute morgen hab ich doch einen Rückzieher gemacht und bin nicht mit zum Mittagessen gegangen. Das hatte mehrere Gründe – ich behaupte zwar, dass es hauptsächlich am Zeitdruck wegen des Lernens lag, aber tatsächlich hab ich mich ganz einfach nicht getraut. Ja, so ist das, ich bin nämlich wirklich unglaublich menschenscheu. Am liebsten würde ich immer als erstes wen anders vorschicken und das Terrain sichern lassen. Weiterlesen

Perfektionsbelle

Sie ist wieder da – Bloggingbelle in der Internetwelt und Perfektionsbelle im echten Leben.

Nachdem das Sommersemester vorüber gegangen ist, und das ganz ohne dass ich allzu viel davon mitbekommen hätte, geht es nun wieder einmal mit großen Schritten auf die Klausuren zu. Und wieder einmal könnte man sich in den Hintern treten dafür, dass man nicht eher den Arsch hochbekommen und alles zusammen gefasst und Lernkarten gemacht hat und überhaupt. War Semesterbeginn nicht erst gestern? Habe ich den VWL-Kommilitonen nicht gestern erst gesagt, dass dieses Semester alles anders wird? Weiterlesen

Wieso denn eigentlich Lehramt?

Auf der Suche nach einem aussagekräftigen Blogtitel, der im Idealfall auch noch zu mir passen sollte, habe ich mir regelrecht den Kopf zerbrochen. Kreativ sollte er sein, vor der Steinküste Irlands gut aussehen, und vielleicht auch noch einen kleinen Untertitel möglich machen.

Die aktuelle Version schoss mir durch den Kopf, als ich mit jemandem – ich glaube, es war mein Optiker! – über mein Studium sprach. Und als sich das Gespräch am Ostersonntag beim Nachbarschaftsgrillen in ähnlicher Weise wiederholte, fand ich es an der Zeit, die Entstehung des Titels auch hier einmal anzusprechen.

Das übliche Gespräch mit Fremden läuft nämlich folgendermaßen ab:

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Gefühlschaos

Dieses „Ich zieh in meine Unistadt“-Ding wirft seine Schatten voraus. Ich bin ohnehin nah am Wasser gebaut (manche Leute meinen, ist doch toll, denn auf die Tränendrüse drücken fällt mir ziemlich leicht – ist aber nicht toll, ist nervig und anstrengend) und das tritt seit gestern vermehrt zutage.

Der Freund hat das Bruderherz und mich heute Morgen zur Ostervorbereitung begleitet und ist danach wieder nach Hause gefahren. Eigentlich wollte ich ihm ganz ruhig sagen, dass ich es voll daneben finde, ihn so wenig zu sehen und dass das Wochenende, das wir gemeinsam hatten verbringen wollen, nun doch erheblich kleiner geworden ist. Der gemeinsame Teil jedenfalls.
Aber nicht einmal das konnte ich, ohne fast die Fassung zu verlieren, weshalb ich ihn dann einfach hab fahren lassen. Soll er doch, auch egal.

Als dann allerdings zwischen Mama Belle und dem Brüderchen die Diskussionen losgingen, was mit meinem Zimmer passiert, wenn ich ausgezogen bin, war es mit meiner Contenance recht schnell wieder vorbei. Wie die Aasgeier!
Nein, das ist jetzt zu gemein, ich kanns ja verstehen. Ich bewohne zur Zeit das größte Zimmer in diesem Haus und dass das, wenn ich dann ausziehe, nicht leer stehen soll, das ist ja klar. Und das Bruderherz ist da eh schon lange scharf drauf. Aber ich will eigentlich in meinem Zuhause nicht nur irgendein Zimmer haben, irgendein Bett, in dem ich dann schlafen kann wenn ich mal hier bin, ich möchte gern mein Zimmer behalten. Das Zimmer, in dem ich die letzten vier Jahre verbracht habe und in dem eine ganze Menge Erinnerungen stecken. Und mein Bett!
Da ich – wie auch wir alle – schon ewige Zeiten ein Wasserbett habe, ist das nicht so einfach mal eben abgebaut. Es wird mich deshalb in die Studentenbude erstmal nicht begleiten und das Bruderherz hätte es gerne. Kann ich auch verstehen, ich würde es auch haben wollen, wenn es nicht eh meins wäre. Aber bitte, hier auf einem 90-cm-Bett zu schlafen, wenn ich mal nach Hause komme? Nein, danke. Echt nicht. Ich glaube, da würde ich im Zweifelsfall eher wieder in die Unistadt fahren statt hier zu übernachten. Und zu zweit in einem kleinen Bett ist auch mehr als unschön. Diese Option ist in meinen Augen eigentlich keine.

Nach einem Tränenausbruch, der sich (und dabei habe ich mir echt Mühe gegeben) nicht mehr als Allergieschub tarnen ließ, ist die vorläufige Variante nun, dass das Bruderherz zwar in meinem Zimmer schlafen, nicht jedoch die Dekoration und alles andere im Zimmer an seine Vorlieben anpassen wird. Damit können wir, so glaube ich, beide erstmal leben.
Ihm geht das natürlich nicht schnell genug, er hätte dieses Zimmer lieber gestern als heute als sein eigenes, aber damit kommt er schon klar. Ich kann, will und werde auch nicht alles aus diesem Zimmer mitnehmen. Alleine, weil mein Zimmer hier um einiges größer ist als das WG-Zimmer, und außerdem, weil ich in unbändiger Sammelwut ziemlich wenig wegwerfe. Ich habe jetzt noch Abläufe von Konzerten, Gottesdiensten oder Theaterstücken, die sieben Jahre her sind. Könnte man ja vielleicht mal wieder brauchen, wer weiß…

Ich bräuchte mehr als nur einen Kleinlaster, um alles mitzunehmen, was hier in den Ecken lagert, und lieber wäre es mir, mit weniger dort anzufangen.

Nebenbei ist irgendwo tief in mir aber auch ein gutes Stück Vorfreude, das sich leider nur hin und wieder mal um die Ecke traut. Das sagt „Du schafft das schon, und das wird super!“

Nun gut, es ist jetzt fix, die kleine Belle zieht zuhause aus. Man wird sehen, wie das noch wird – meine Gefühle dazu sind noch sehr widersprüchlich. Aber wird bestimmt gut.

Nägel mit Köpfen

Tja, nun sitze ich hier und könnte tatsächlich umziehen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich gleich bei der ersten WG, die ich mir überhaupt anschaue, eine Zusage bekommen würde, aber so war es. Und was mach ich jetzt?

Einerseits geht mir das jetzt irgendwie alles zu schnell. Dieses Zimmer wird zum ersten Mai frei, und gefühlt ist das schon morgen. Da denke ich… nein! Halt! Stopp! Ich mag noch nicht!
Dazu kommt, dass auch mein Vater zum ersten Mai umziehen wird und das vielleicht dann doch viel auf einmal ist.

Auf der anderen Seite sind das – glaube ich – mehr Ausreden als alles andere. Die Mitbewohnerin ist super, die Wohnung ist hell und freundlich und hat eine Fußbodenheizung (die habe ich in meinem Elternhaus auch, und dachte schon, dass ich sie in der Studentenbude schmerzlich vermissen werde), und die Mitbewohnerin hat sogar ein Klavier da stehen, das ich bespielen darf!
Der Freund ist dafür, das Bruderherz sowieso, und selbst Mama Belle, die mich ja eigentlich gar nicht so richtig gehen lassen will, hat sich klar dafür ausgesprochen.

Eigentlich schreit die Wohnung nach mir. Und eigentlich habe ich, nachdem ich sie mir gestern angeschaut habe, auch Lust drauf.

Aber irgendetwas in mir zögert noch…

Nicht mein Konzept

Ich fürchte, Monogamie ist nicht mein Konzept. Und das wäre wirklich ausgesprochen schade, wenn ich recht hätte, denn ich habe mir immer eine große Hochzeit gewünscht. Groß, pompös, mit einem wunderschönen Hochzeitskleid, leckerem Essen und ganz, ganz vielen Gästen. Alle müssen nett zu einem sein und alle feiern. Wer wünscht sich sowas nicht?

Was allerdings in meiner Vorstellung des perfekten Hochzeitstages nicht so richtig vorkam, das war der Mann. Und egal, wie verliebt ich bisher gewesen bin, oder wie glücklich mit meinem Freund, ich konnte mir nie vorstellen, mit dieser Person den Rest meines Lebens zu verbringen. Ganz im Gegenteil, wird mir mein Freund zu anhänglich beschleicht mich der starke Drang zu flüchten, und bei der Vorstellung, den Rest meines Lebens zu verbringen, ist mir wahrlich nicht zum Feiern zumute – mit dem Konzept der Ehe scheint mir das nicht so richtig vereinbar.

Und wenns dann schon irgendwann ne gemeinsame Wohnung gibt, mit Freund oder – man soll ja nichts pauschal ausschließen – Gatte, dann hätte ich auch gerne zwei getrennte Schlafzimmer, bitte. Man muss ja nicht immer getrennt schlafen, man kann ja durchaus das Bett teilen. Da hab ich überhaupt gar nichts gegen! Aber wenn man immer gemeinsam schlafen muss, das stresst doch.
Ich möchte dann auch mein eigenes Arbeitszimmer, in dem ich mich ungestört denken kann. Den Rest teile ich mir auch gerne, das ist okay. Und wenn es in den Ferienhäusern, auf die ich noch immer spekuliere, nur gemeinsame Schlafzimmer gibt, dann kann ich damit auch leben, ich wills ja nicht übertreiben.

So ganz weiß ich selber nicht, was ich will. Ich beneide alte Ehepaare, die ich kenne, darum, immer wen zu haben, mit dem sie über alles reden können. Sowas möchte ich auch haben, das finde ich toll. Aber wer sagt einem, dass das gut klappt? Ich bin ein Trennungskind, und das ist voll blöd. Das möchte ich mir nicht zumuten, und meinen Kindern auch nicht.

Kinder stehen auch auf meine Liste, jawohl. Ich weiß nur noch nicht, wie die in meinen Lebensplan – der ja eigentlich noch gar kein richtiger Lebensplan ist, sondern eher so eine „Das will ich nicht, dies will ich nicht“-Aufzählung – passen.

Ich stelle fest: es ist wirklich gut, dass ich noch viel Zeit habe bevor das ernst wird, das alles. Erstmal finde ich eine Wohnung für mich alleine, das wird super, wenns dann so weit ist. Und was diese Ehe/Monogamie-Geschichte angeht – vielleicht hab ich ja nur noch nicht den richtigen gefunden. Vielleicht treff ich ja irgendwann den Menschen, mit dem selbst ich mir eine feste Bindung vorstellen kann. Aber bis dahin denke ich, werde ich glücklich sein mit dem, den ich habe. Der ist nämlich toll, der Freund, ich möchte gar keinen anderen haben.